Abendessen mit US-Präsident – Krypto-Coin macht Donald Trump käuflich
VonLaura May
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Wer die meisten Meme-Coins kauft, darf mit Donald Trump im Weißen Haus dinieren. Die US-Marketingaktion zeigt die wachsende weltweite Krypto-Macht.
Washington – Javier Milei in Argentinien, Nayib Bukele in El Salvador oder Donald Trump in den USA – Amerikas neue Wirtschaftspopulisten lieben Krypto-Währungen. Der digitale Geldersatz ist so etwas wie der feuchte Traum libertärer Staatschefs, um Kapital anzuhäufen: dereguliert, anonym, risikoreich – aber mit hohen Gewinnchancen.
Trump ließ noch vor seinem Amtsantritt einen sogenannten Meme-Coin mit seinem Konterfei namens $TRUMP auflegen – eine digitale Gedenkmünze, die gehandelt werden kann. Auch First Lady Melania Trump brachte laut CNBC ihre eigene Münze – $MELANIA – heraus. Kritiker sahen bereits damals einen problematischen Schulterschluss zwischen dem Präsidentenamt und den wirtschaftlichen Interessen der Trump-Familie. Vor allem durch die zahlreichen Branchen-Verbindungen der Trump-Organisation, die von den Söhnen des Präsidenten geführt wird.
„Essen Sie mit Präsident Trump zu Abend“ – Anreiz für Krypto-Kauf lockt ins Weiße Haus
Mit einer aktuellen Marketingaktion untermauert Trump diese Bedenken nun endgültig. Der Meme-Coin $TRUMP stieg am Mittwoch um mehr als 50 Prozent, nachdem den 220 größten Inhabern des Tokens ein Abendessen mit dem Präsidenten versprochen wurde. Durch den Preisanstieg haben die im Umlauf befindlichen TRUMP-Münzen einen Gesamtwert von 2,7 Milliarden US-Dollar.
„Essen Sie mit Präsident Trump in Washington, D.C. zu Abend“, heißt es auf der Startseite der Website der Trump-Münze. Das Abendessen – Abendgarderobe optional – ist für den 22. Mai geplant, mit einem Empfang für die 25 wertvollsten Geldbörsen. „Am darauffolgenden Tag findet laut Website eine „VIP-Tour durch das Weiße Haus“ statt.
„Historische Maßnahmen“ – Donald Trump untermauert Krypto-Unterstützung
US-Präsident Donald Trump hatte immer wieder seinen Krypto-freundlichen Kurs untermauert. „Vergangenes Jahr habe ich versprochen, Amerika zur Bitcoin-Supermacht der Welt und zur Krypto-Hauptstadt des Planeten zu machen“, sagte er etwa bei einem Digitalwährungs-Gipfel im März. „Wir ergreifen historische Maßnahmen, um dieses Versprechen einzulösen.“
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Der US-Digitalwährungs-Beauftragte David Sacks witzelte laut CNBC damals, ein Teilnehmer habe ihm vor Beginn des Gipfels gesagt, er habe es vor einem Jahr noch „für wahrscheinlicher gehalten, im Gefängnis zu landen, als im Weißen Haus“. Der Scherz verdeutlicht, wie stark sich das politische Klima für die Branche unter Trump gewandelt hat. Sein demokratischer Amtsvorgänger Joe Biden setzte auf eine restriktive Regulierung von Digitalwährungen und warnte vor Geldwäsche sowie potenziellen Risiken für die Finanzmärkte.
Donald Trump gegen Zentralbank – Schulterschluss zwischen Politik und Krypto
Trump hingegen zeigte sich bereits im Wahlkampf aufgeschlossen gegenüber Digitalwährungen - und erhielt beträchtliche Unterstützung aus der Branche. Nach seinem Wahlsieg war unter anderem der Bitcoin-Kurs stark gestiegen. In Trumps Clinch mit der Zentralbank vergangene Woche war die Verbindung zwischen Krypto und Politik erneut direkt sichtbar: Trump spekulierte über die Entlassung von US-Notenbankchef Jerome Powell, der Bitcoin stieg erstmals seit Anfang März über 90.000 US-Dollar.
Der Schulterschluss zwischen digitalen Finanzmärkten und politischer Macht kann allerdings schnell missbraucht werden. Tony Carrk, Geschäftsführer von Accountable.US, sieht diese Werbekampagne als gefährliches Zeichen. „Es gab noch nie einen klareren Fall, in dem ein Präsident sein Amt dazu benutzt hat, sich Geld in die Tasche zu stecken, oder ein größeres Potenzial für Sonderinteressen, sich die Gunst einer Regierung zu erkaufen, die das öffentliche Interesse bedrohen könnte“, sagte Carrk gegenüber NTV.
Korruptionsuntersuchung in Argentinien: Meme-Coin von Kettensägen-Präsident Javier Milei stürzt ab
Dass die Verbindung zwischen einem politischen Amt und Krypto-Interessen auch nach hinten losgehen kann, ist in Argentinien zu sehen. Javier Milei sieht sich derzeit mit einem der größten Skandale seiner bisherigen Amtszeit konfrontiert: einer Korruptionsuntersuchung im Zusammenhang mit einer neuen Kryptowährung, die er über seinen X-Account beworben hatte, einem Meme-Coin namens $Libra.
Der Coin stürzte prompt ab, nachdem sich einige frühe Stakeholder aus dem Projekt zurückgezogen hatten; die Verluste beliefen sich auf über 250 Millionen Dollar. Branchenveteranen halten das gesamte Projekt für Betrug, und vor den argentinischen Gerichten wurde ein Verfahren zur Untersuchung der Rolle des Präsidenten eingeleitet.
Neben privaten Profitinteressen der Staatschefs könnte Krypto auch in den offiziellen Staatskassen bald eine größere Rolle spielen. Trump hatte schnell nach Amtsantritt umgesetzt die Bildung einer nationalen US-Reserve für Digitalwährungen angeordnet. In dieser strategischen Reserve sollen Einheiten der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin gelagert werden, die sich bereits im Besitz der US-Regierung befinden - etwa durch Beschlagnahmungen im Rahmen von Strafverfolgungen.
Bitcoin-Paradies El Salvador muss auf Druck des IWF bereits zurückrudern
El Salvador war 2021 das erste Land, das die Kryptowährung Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel einführte. Doch so ein richtiger Massenerfolg scheint das Modell nicht zu sein. Viele Menschen würden die Zahlungsmethode laut einem ZDF-Bericht gar nicht nutzen, es bleibt ein Spielzeug des großen Kapitals.
Doch das hoch verschuldete Land braucht Geld und muss sich für einen Deal mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder von der Krypto-Währung distanzieren. „El Salvador schraubt seine Bitcoin-Träume zurück, um einen 1,3-Milliarden-Dollar-Deal mit dem IWF zu besiegeln“, schrieb die Financial Times. (lm/dpa)