VonKlaus Ehringfeldschließen
Die meisten Menschen in El Salvador haben den Bitcoin als Zahlungsmittel nie akzeptiert. Auch der Währungsfonds IWF spielt eine Rolle.
Gut drei Jahre nach Einführung des Bitcoin als offizielle Währung in El Salvador ist das Experiment gescheitert. Das zentralamerikanische Land war das erste der Welt, das die virtuelle Währung im September 2021 zum gesetzlichen Zahlungsmittel erhob, und nun ist es auch das erste, das sie als Währung wieder abschafft. Hintergrund ist der Druck des Internationalen Währungsfonds IWF, der die Abschaffung zur Auflage für die Auszahlung eines Milliardenkredits machte und ein Ultimatum bis Ende Januar gestellt hatte.
Der Bitcoin wurde im September 2021 in El Salvador als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen. Ende Januar hielt El Salvador Bitcoin im Wert von 635 Millionen US-Dollar. Die Bestände sind aufgrund des Kursanstiegs der vergangenen Monate um rund 190 Millionen Dollar gestiegen. Dennoch ist El Salvador faktisch bankrott. 2023 belief sich die Staatsverschuldung auf 26,6 Milliarden Euro, was 84,68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts BIP entsprach.
Das Parlament, das von der Partei „Neue Ideen“ des autoritären Staatschefs Nayib Bukele kontrolliert wird, billigte am Donnerstag eine entsprechende Reform des Bitcoin-Gesetzes. Es macht die Verwendung der virtuellen Münze als Zahlungsmittel unwirksam und stellt die Nutzung ins Ermessen der Bevölkerung.
El Salvador: Die Armut wächst
Diese hatte die Kryptowährung aber nie akzeptiert. Der US-Dollar blieb immer die Währung, mit der die übergroße Mehrheit der Bevölkerung ihre Zahlungsgeschäfte abwickelte. Umfragen zufolge gaben im vergangenen Jahr nur noch 8,1 Prozent der Bevölkerung an, den Bitcoin zu nutzen. Wer kürzlich durch das kleine Land reiste, hatte Schwierigkeiten, Akzeptanzstellen zu finden. In manchem Supermarkt im Zentrum der Hauptstadt San Salvador gab es zwar Kassen für Bitcoin-Zahlung, aber sie blieben in der Regel ungenutzt.
Fachleute hatten den spekulativen Charakter des Bitcoin als Landeswährung kritisiert. Besonders in einem Land wie El Salvador, in dem die Armut groß ist und zudem nur ein geringer Teil der Bevölkerung überhaupt über ein Smartphone verfügt, das für die Bitcoin-Nutzung geeignet ist.
Die Rücknahme ist eine politische und auch wirtschaftliche Niederlage für Staatschef Bukele, der den Bitcoin gegen alle Widerstände durchgeboxt hatte. Der 43-jährige Bukele, der sich gerne das Image eines jungen und fortschrittlichen Staatschefs gibt, wollte sein Land durch die virtuelle Währung modernisieren, Reisende und vor allem Investoren anlocken. Zudem forcierte er das Projekt einer „Bitcoin City“ an der Pazifikküste des Landes, die mit der Wärmeenergie eines Vulkans betrieben werden sollte. Das Projekt kam aber niemals über die Planung hinaus.
Bukele versprach der Bevölkerung, die Währung werde „wirtschaftlichen Wohlstand und finanzielle Freiheit“ bringen. Beides trat nie ein. Im Gegenteil: Mitte 2024 war die Armut in El Salvador um ein knappes Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. In dem Land leben 6,5 Millionen Menschen.
Die Regierung investierte seinerzeit mehr als 200 Millionen Dollar in die Schaffung der Infrastruktur für den Betrieb, die digitale Brieftasche „Chivo-Wallet“ und die Installation von rund 200 Geldautomaten im Land von der Größe Hessens. Wer die Chivo-Wallet herunterlud, bekam als Bonus 30 Dollar geschenkt. Viele Menschen luden die App aber überhaupt nur herunter, um den Bonus zu erhalten. Danach nutzten sie die App nie wieder.
Gemäß der Einigung mit dem IWF erhält El Salvador rund 1,4 Milliarden Dollar Kredit. Durch zusätzliche Zahlungen der Weltbank und anderer Finanzinstitutionen beläuft sich die gesamte Auszahlungssumme auf rund 3,5 Milliarden Dollar.
