Ukraine-Krieg

„Absoluter Horror“: Welt blickt mit Entsetzen auf Angriff auf Einkaufszentrum

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Die Einsatzkräfte suchen nach einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk weiter nach 36 Vermissten.
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Wegen eines Angriffs auf ein ukrainisches Einkaufszentrum steht Russland am Pranger. Politiker fordern Konsequenzen. Ein Russe spricht vom Dritten Weltkrieg.

Kiew – Der Ukraine-Krieg hat sich wieder einmal von seiner schrecklichsten Seite gezeigt: Am Montag war bekannt geworden, dass Russland mit einem Raketenangriff ein Einkaufszentrum in der Ostukraine zerstört haben soll. Stündlich steigen die Todeszahlen und Russlands Präsident Wladimir Putin steht international am Pranger. Die Teilnehmer des G7-Gipfels in Elmau verurteilten den russischen Angriff schnell, sprachen von einem Kriegsverbrechen und drohten mit Konsequenzen gegenüber dem Kreml. Die Gemüter sind international erhitzt und ein Politiker in Russland fabuliert vom Dritten Weltkrieg.

Krementschuk: Raketenangriff auf Einkaufszentrum wird von Selenskyj verurteilt

In der ukrainischen Stadt Krementschuk brannte das Einkaufszentrum nach dem Raketenangriff der russischen Armee fast vollständig aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mehr als 1000 Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Einschlags in dem Gebäude aufgehalten haben sollen. Noch immer läuft die Suche nach Vermissten. Die Reaktionen auf den russischen Angriff folgten prompt: Die Teilnehmer in Elmau verurteilten Russland für den Angriff bereits am Abend: „Willkürliche Angriffe auf unschuldige Zivilistinnen und Zivilisten sind Kriegsverbrechen. Der russische Präsident Wladimir Putin und die Verantwortlichen werden dafür Rechenschaft ablegen müssen.“

„Wir sind solidarisch mit dem ukrainischen Volk“, kommentierte US-Präsident Joe Biden den Raketenangriff auf das Einkaufszentrum in der Ukraine. Auf Twitter schrieb er, der Angriff auf Zivilisten sei grausam und Russland müsse für „solche Gräueltaten“ zur Rechenschaft gezogen werden. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, die Verteidigung der Ukraine zu unterstützen, und kündigte weitere Strafmaßnahmen gegen Moskau an. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der auch mit Olaf Scholz vor einigen Tagen nach Kiew gereist war, bezeichnete den Angriff als „absoluten Horror“ und schrieb bei Twitter, dass das russische Volk die Wahrheit über die Raketeneinschläge erfahren müsste.

Nach Angriff auf Einkaufszentrum in Krementschuk: Selenskyj fordert Luftabwehr-Technik

Dass es der Ukraine, die zuletzt den EU-Beitrittstatus erhalten hat, derzeit an funktionaler Luftabwehr-Technik mangelt, betonte auch Selenskyj. In der Nacht zu Dienstag, dem 28. Juni, bekräftigte er mit Nachdruck die Forderung seines Landes nach Unterstützung. „Die Leute im Einkaufszentrum in Krementschuk verdienten die gleiche Sicherheit wie Leute in jedem Einkaufszentrum der Welt, ob irgendwo in Philadelphia oder Tel Aviv, oder in einer Einkaufspassage in Dresden“, sagte er in seiner täglichen Videobotschaft. Russland sei in seinen Augen die „größte Terrororganisation der Welt“, so der ukrainische Präsident. Deutschland hatte vor einigen Wochen die Lieferung von dem Waffensystem Iris-T angekündigt

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Selenskyj forderte zudem, dass das auch rechtlich so festgestellt wird. „Und jeder auf der Welt muss wissen, dass es bedeutet, Terroristen Geld zu geben, wenn man russisches Öl kauft oder transportiert, Kontakte mit russischen Banken unterhält oder dem russischen Staat Steuern oder Zollabgaben zahlt.“ Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte zufolge sollen bei dem Angriff auf das Einkaufszentrum Luft-Boden-Raketen des Typs X-22 eingesetzt worden sein. Diese seien von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden.

Ukraine-Krieg: Angriff in Krementschuk sei laut Russland „neue ukrainische Provokation“

Während die westliche Welt die Angriffe auf das Einkaufszentrum in der Ost-Ukraine deutlich verurteilt, sieht Russland erneut eine Provokation durch die ukrainische Regierung. Der stellvertretende UN-Botschafter Russlands, Dmitri Poljanski, sprach von einer „neuen ukrainischen Provokation im Stil von Butscha“ und verwies auf Twitter auch „zu viele auffällige Unstimmigkeiten“. Schon bei der Tötung ukrainischer Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha hatte die russische Regierung eine Beteiligung bestritten und von einer angeblichen Inszenierung durch das ukrainische Militär gesprochen.

Inmitten der Debatte um den Raketenangriff auf das ukrainische Einkaufszentrum hat sich auch der frühere Präsident Russlands, Dmitri Medwedew, zur Halbinsel Krim geäußert, die 2014 von Russland besetzt wurde. Der heutige Vizechef des russischen Sicherheitsrates bekräftigte den Anspruch seines Landes: „Für uns ist die Krim ein Teil Russlands. Und das ist für immer“, sagte er gegenüber der Zeitung Argumenty i Fakty. Die Folgen einer Rückeroberung stufte er als dramatisch ein: Jeder Versuch, die Krim Russland streitig zu machen, sei „eine Kriegserklärung an unser Land“ und könnte unter Nato-Beteiligung zur „totalen Katastrophe führen“ – einem „Dritten Weltkrieg“.

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