Mettbrötchen und geringer Erkenntnisgewinn: Das TV-Duell zwischen Höcke und Voigt
VonChristine Dankbar
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Im Privatsender Welt TV duellieren sich der AfD-Politiker Björn Höcke und Mario Voigt von der CDU. Der Erkenntnisgewinn ist gering.
Berlin – Es hat dann alles doch länger gedauert als gedacht. Eigentlich sollte das Fernseh-Duell zwischen Björn Höcke und Mario Voigt schon nach einer Dreiviertelstunde vorbei sein. Doch nach dieser Zeit war nicht viel mehr geklärt als die Tatsache, dass offenbar niemand im Fernsehstudio wusste, wie man den Nachnamen der Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoguz korrekt ausspricht. Und dass sich Björn Höcke offenbar an einige Zitate aus seinen Büchern nicht recht erinnert oder erinnern will. Aydan Özoguz sprach er vor einigen Jahren nämlich noch das Recht ab, in Deutschland zu leben. Am Donnerstagabend konnte er sich angeblich nicht mal daran erinnern, wer sie ist.
Zuvor gab es noch einen bizarren Schlagabtausch über den korrekten Begriff des Mettbrötchen – so schräg begann die schon im Vorfeld viel diskutierte Fernsehdiskussion zwischen dem AfD-Politiker Höcke und dem CDU-Politiker Mario Voigt. Klar, dass man da nicht nach 45 Minuten aufhören konnte. Am Ende wurden es 71 Minuten. Sehr lange 71 Minuten.
TV-Duell mit Höcke – AfD-Landtagschef schwach bei kritischen Fragen
Hinterher wurde auf dem gleichen Sendeplatz dann hin- und hergestritten, wer das Duell gewonnen hat. Wer mit Sicherheit nicht gewonnen hat: Politikinteressierte Zuschauer:innen, die tatsächlich auf eine Debatte gewartet haben. Womöglich sogar über Thüringer Landespolitik. Stattdessen ging es um Europapolitik, natürlich das Migrationsthema und über Erinnerungskultur. Das lag auch daran, dass die Fernsehsendung am 11. April stattfand, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Der Termin war daher scharf kritisiert worden, neben der Tatsache, dass die Sendung dem rechtsextremen Höcke eine bundesweite Bühne bot.
Doch der präsentierte sich streckenweise erstaunlich schwach und zwar immer genau dann, wenn die Moderatoren Tatjana Ohm und Jan Philipp Burgard ihn tatsächlich mal mit kritischen Fragen in die Zange nahmen. Die beiden Welt-Journalisten hatten dazu aber erst in der zweiten Hälfte der Sendung dein Mut gefasst, wohl auch ein Grund für die Überziehung der Sendezeit.
Voigt in der Defensive – Höcke übernimmt im TV-Duell die meiste Redezeit
Höcke und Voigt stiegen beide aggressiv in den Abend ein und verhakten sich sofort beim Thema Europa. Höckes Satz, die EU müsse sterben, damit Europa leben könne, hatte den Anstoß zur Sendung gegeben. Voigt und Höcke hatten sich darüber auf Twitter (jetzt X) gestritten. Der Privatsender Welt bot dann mit seiner Sendung eine weitere Plattform an, die in den vergangenen Tagen eifrig beworben wurde.
Im Fernsehstudio geriet Voigt dann schnell in die Defensive. Höcke übernahm, ohne dass ihm Einhalt geboten wurde, einen Großteil der Redezeit. Mit durchaus steilen Thesen, wie jener, dass Großbritannien vom Brexit wirtschaftlich profitiert habe. Das Problem bei solchen Sendungen: Hier kann jeder selbstbewusst behaupten, was er will. Den Faktencheck, den der Fernsehsender versprochen hatte, kann man erst am Morgen auf der dortigen Webseite nachlesen. Höcke verwies auf seinen eigenen „alternativen“ Faktencheck, der zeitgleich zur Sendung auf X veröffentlicht werde. So kann eben weiter jeder glauben, was er will. So fragte Voigts Höcke, ob er schon mal einen deutschen Unternehmer getroffen habe, der aus der EU aussteigen wolle. „Ja, natürlich“, behauptete Höcke.
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Nicht viel Neues: Hat das TV-Duell Auswirkungen auf die Landtagswahlen in Thüringen?
Inhaltlich gab es ansonsten im Grunde nicht viel Neues. Die AfD will Steuern senken und die Einsparungen dafür bei der Abschaffung der Entwicklungshilfe erzielen. Aber nicht ganz, versicherte Höcke. Voigt wiederum präsentierte sich als Thüringer Patriot, der jeden und jede willkommen im Land heißen will, der fleißig arbeitet. Das Bundesland, das seit der Wende 500.000 Menschen verloren hat, brauche die Fachkräfte aus dem Ausland.
Dann ging es um die Remigration, die Höcke als ganz normalen wissenschaftlichen Begriff bezeichnete. Er erklärte allen Ernstes, dass es in diesem Zusammenhang auch darum gehe, Millionen von Deutschen, die angeblich ins Ausland geflohen seien, ins eigene Land zurückzuholen.
Um Thüringen, wo am 1. September ein neuer Landtag gewählt wird, ging es nur am Rande. Voigt ist Spitzenkandidat für die CDU, Höcke für die AfD, die in Thüringen vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und beobachtet wird. In Umfragen liegt die AfD in Thüringen klar vorn, die CDU auf Platz zwei. Ob sich durch die Sendung am Donnerstag etwas geändert hat, ist fraglich.