Höcke und Voigt im TV-Duell: Bühne für den Faschisten
VonPitt von Bebenburg
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Faschisten bietet man keine Bühne. Dieser Grundsatz sollte für alle Demokratinnen und Demokraten gelten. Ein Kommentar von Pitt von Bebenburg.
Berlin – Der Sender Welt TV und der thüringische CDU-Vorsitzende Mario Voigt haben am Donnerstagabend (11. April) gegen dieses Prinzip verstoßen – und damit zur Normalisierung des rechtsextremen AfD-Führers Björn Höcke beigetragen. Die Gründe für den Tabubruch liegen auf der Hand.
Der Springer-Verlag kann einen enormen Gewinn an öffentlicher Aufmerksamkeit und damit einen kommerziellen Erfolg verbuchen. Christdemokrat Voigt verfolgt die Absicht, die Landtagswahl im September zu einem Zweikampf zu stilisieren, in dem der amtierende Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken nichts zu melden hat.
Höcke und Voigt TV-Duell – Gewinn für die AfD
Der Versuch, AfD-Politikerinnen und -Politiker in öffentlichen Debatten zu demaskieren, mag früher ehrenwert gewesen sein, als sich die AfD noch bürgerlich-konservativ maskierte. Höcke aber lässt keinen Zweifel an seiner rechtsextremen Gesinnung, einschließlich der Verharmlosung des historischen Nationalsozialismus. Auch wenn er sich in der Fernsehrunde dazu herabließ, den Holocaust als „Schande“ zu bezeichnen, aber gleich hinzufügte, Deutschland müsse „das Positive“ in den Vordergrund rücken.
Für die AfD ist der Höcke-Auftritt im Springer-Fernsehen ein Meilenstein. Die Partei hat wahrlich kein Problem, ihre Anhängerschaft in den sozialen Medien bei Laune zu halten und unverhohlen gegen Geflüchtete, sexuelle Minderheiten und politisch Andersdenkende zu hetzen. Die Einladung zu Welt TV zeigt aber, dass sie auch in konservativen Mainstream-Medien für sich werben darf. Und dort so tun kann, als ob ihre „Remigrations“-Pläne nicht mehr sei als die Bitte an ausgewanderte Deutsche, wieder zurückzukommen.
Höcke weicht aus – Voigt biedert sich bei Migrations-Debatte an
Selbst wenn sich der Faschist zuweilen verhedderte und damit herausredete, er könne sich an einzelne seiner Zitate nicht mehr richtig erinnern und die Antwort auf entscheidende Fragen verweigerte – das dürfte der AfD nicht schaden. Im Zweifel hilft ihr bei ihrer Anhängerschaft immer die Opferrolle.
Zugleich offenbarte CDU-Mann Voigt aufs Erschreckendste, wie er die Stimmen in Thüringen gewinnen will – indem er die AfD in der Migrationspolitik noch rechts überholt. Sein Hauptargument gegen Höcke: Der AfD-Landrat in Sonneberg tue nicht genug, um ungewollte Migrantinnen und Migranten abzuschrecken. Das lässt nichts Gutes für die Wahlkampf- Monate bis zum September erwarten.
Bittere Erkenntnis - ein innenpolitischer Rückblick auf das Jahr 2023
Kostenloser Wahlkampf für Höcke und die AfD im TV-Duell
Es ist leider wahr, dass auch die Strategie der Ausgrenzung der AfD nicht dazu geführt hat, sie zu schwächen – so wie es in der Geschichte der Bundesrepublik bei vielen rechtsextremen Parteien gelungen ist. Die AfD hat geschickter als frühere Rechtsparteien Verbündete gefunden und Themen gesetzt, mit denen sie die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.
Das aber darf nicht dazu führen, sie als Sparringpartner zu normalisieren, eingebettet in Versicherungs- und Kaffeewerbung, als ginge es um eine bunte Unterhaltung. Dazu ist es zu ernst, wenn ein Faschist im Fernsehen kostenlosen Wahlkampf machen darf.