VonJan Knötzschschließen
Die AfD hofft bei der Niedersachsen-Wahl 2022 auf zwölf Prozent. Aktuell steht sie bei neun – und macht sich selbst das Leben schwer. Eine Situationsanalyse.
Hannover – Auch, wenn sie am Ende mit der Entscheidung darüber, wer in Niedersachsen nach der Landtagswahl 2022 regieren wird, nichts zu tun haben wird: Die Alternative für Deutschland (AfD), bei der sich die meisten noch immer fragen, wie viel Alternative denn nun in ihr steckt, hat zumindest in einem Punkt das geschafft, was sie so gerne möchte: abgeräumt. Keine Prozente allerdings. Was das angeht, sehen die Umfragen die AfD vor der Niedersachsen-Wahl 2022 bei neun Prozent. Aber: Die Partei hat die meisten Lacher abgeräumt. Weil die AfD mit ihren Gummibärchen, die eigentlich den AfD-Pfeil symbolisieren sollten, aber eher einem Penis glichen, ordentlich daneben gegriffen hat.
Spötter würden nun sagen: Es ist das Einzige, was von der AfD im Wahlkampf vor der Landtagswahl in Niedersachsen hängen bleibt, bei der Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für die nächste Legislaturperiode wiedergewählt werden und weiterhin Landesvater sein möchte. Während die FDP vor der Niedersachsen-Wahl 2022 mit der Politik der Bundespartei in Berlin hadert und bei den Grünen Robert Habeck nicht mehr zum Zugpferd taugt, hat die AfD andere Probleme. Davon aber genügend.
Behörden ermitteln vor Niedersachsen-Wahl 2022 gegen Vize-Landeschef der AfD – nach Vorwürfen aus der eigenen Partei
Rest-Niedersachsen und Deutschland findet den Penis-Fauxpas der niedersächsischen AfD allemals lustig. Intern kann in der Partei vor der Niedersachsen-Wahl 2022 am 9. Oktober allerdings keiner lachen. Intern ist dabei das richtige Wort. Denn wer sich die Liste der Themen ansieht, mit denen die AfD im Vorfeld der Landtagswahl in Niedersachsen 2022 auf sich aufmerksam gemacht hat, der kommt nicht umhin, eines festzustellen: Anders als Grüne und FDP, denen jeweils das Geschehen und die Politik der Bundespartei in Berlin nicht unbedingt in die Karten spielen, sind die Probleme der Niedersachsen-AfD ganz klar hausgemacht.
Wo Hausmannskost sonst nachgesagt wird, dass sie ja eigentlich ganz schmackhaft ist, ist das Süppchen, dass die AfD sich vor der Wahl in Niedersachsen kredenzt hat, ungenießbar. Und: Es kostet Vertrauen und Wählerstimmen. Jüngstes Ärgernis: Dass nun Behörden gegen Landes-AfD-Vize Ansgar Schledde ermitteln. Ausgelöst hat das Ganze das Ex-AfD-Mitglied Christopher Emden, mit Vorwürfen in einem Interview. Demnach sollten Mitglieder seiner ehemaligen Partei für einen sicheren Listenplatz bei Niedersachsen-Wahlen Geld im mittleren vierstelligen Bereich zahlen. Das Geld würde in eine Kasse fließen, die der AfD-Vize Schledde verwaltet hätte.
AfD-Spitzenkandidat Marzischewski-Drewe vor Niedersachsen-Wahl 2022 im Nachteil: Ihn kennt niemand
Die Ermittlungen der Behörden – sie sind der vorläufig letzte Höhepunkt einer Liste vor der Niedersachsen-Wahl 2022, auf der sich unter anderem auch der letztlich doch abgewendete Fall, dass die Wahl 2022 in Niedersachsen ohne die AfD stattfinden könnte, wiederfindet. Nachdem die AfD-Landesliste im Vorfeld der Niedersachsen-Wahl 2022 wackelte und zumindest dieses Problem ad acta gelegt werden konnte, muss die Alternative für Deutschland dennoch immer noch darum kämpfen, dass sie im Niedersachsen-Wahlkampf auftaucht und auch wahrgenommen wird. Auslöser: AfD-Spitzenkandidat Stefan Marzischewski-Drewes, der seiner Partei mindestens zwölf Prozent bei der Niedersachsen-Wahl 2022 prognostiziert, dafür aber die schwere Last mit sich trägt, dass ihn kaum einer kennt.
Marzischewski-Drewes wurde überraschend zum Spitzenkandidaten der AfD für die Niedersachsen-Wahl 2022, vor der sich in der zu Ende gehenden Legislaturperiode die AfD-Landtagsfraktion sogar auflöste. Sein schwerer Stand im Wahlkampf, der von niedersächsisch-politischen Schwergewichten wie Weil, Althusmann oder Stefan Birkner, der für die FDP ins Rennen geht, dominiert wird, war absehbar. Was also bleibt vor der Niedersachsen-Wahl 2022, um auf sich aufmerksam zu machen? Die AfD gibt sich wieder einmal als die Partei, die versucht, aus einer Krise Gewinn zu schlagen. Von den Ängsten des Volkes zu profitieren: die Angst vor der Energiekrise, die Angst vor der steigenden Inflation, der laute Ruf nach endlich angemessenen Entlastungen in der Krise.
Vor Niedersachsen-Wahl 2022: AfD-Spitzenkandidat gibt sich gemäßigt – „einen Hund, der immer nur bellt, nimmt keiner ernst“
So fordert Stefan Marzischewski-Drewes laut NDR zum Beispiel einen Wohngeld-Zuschuss in Höhe von 100 Prozent, den das Land finanzieren soll: „Wir müssen die, die es am härtesten trifft, entlasten.“ Weitere Forderungen der AfD: die Atomkraftwerke nutzen, um einen Kollaps der Wirtschaft zu verhindern. Oder aber auch die freiwillige Mehrarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Inhaltlich, so der Politikberater und Autor Johannes Hillje im Tagesspiegel, komme von der AfD nicht viel, sei das zentrale Narrativ der Partei das Versagen der Regierung: „Keine Partei bewirtschaftet die Angst so stark wie die AfD.“
Einen Hund, der immer nur bellt, nimmt keiner ernst.
Bestes Beispiel: Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, der die Bundesregierung für die Energiekrise verantwortlich macht und konstatiert: „Das ist ein Bauchschuss, den man uns gesetzt hat. Man versucht jetzt ein Pflaster darüber zu kleben.“ Derweil bemüht sich Marzischewski-Drewe um ein gemäßigteres Auftreten im Vorfeld der Niedersachsen-Wahl 2022 und hat dem NDR dahingehend erklärt: „Einen Hund, der immer nur bellt, nimmt keiner ernst.“ Genau das aber braucht die AfD bei der Wahl in Niedersachsen 2022: dass sie ernst genommen wird und nicht nur durch Penis-Pannen vor der Niedersachsen-Wahl und andere Negativ-Schlagzeilen auffällt.
