Merkur-Interview zur Bundestagswahl 2025

Wollen Sie wirklich ins woke Berlin, Herr Aiwanger?

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Hubert Aiwanger hätte als Vize-Ministerpräsident eigentlich ein gutes Leben. Aber der Chef der Freien Wähler will unbedingt nach Berlin in den Bundestag. Zeit für eine Landpartie.

Rottenburg – Hubert Aiwanger hätte als Vize-Ministerpräsident eigentlich ein gutes Leben. Aber der Chef der Freien Wähler, will nach Berlin in den Bundestag, um dort die Landbevölkerung zu retten. Zeit also für eine Landpartie nach Rottenburg an der Laaber, 8600 Einwohner, ein paar Kilometer nördlich von Landshut. Hier ist Aiwanger aufgewachsen, die Eltern leben noch auf dem Hof. Ein Wochentag am Mittag, im Ortskern ist wenig los. Ein Schild vor einem Wirtshaus lockt mit Schnitzel für 10,90 Euro. Das Waffengeschäft von Bruder Helmut, das in der Flugblatt-Affäre bundesweit Bekanntheit erlangte, ist geschlossen. In Rottenburg liegen die Wurzeln für Aiwangers Politik. Wir treffen uns in seinem Stamm-Gasthaus, er isst noch schnell etwas. Dann können wir reden.

Herr Aiwanger, Sie sind eben aus München zurückgekommen. Erfüllt Sie ein besonderes Gefühl, wenn Sie hier ankommen?
München ist ja kein anderer Stern für mich, sondern seit vielen Jahren mein Arbeitsplatz. Trotzdem: Auf dem Land bin ich verwurzelt, hier fühle ich mich wohl. Hier funktionieren soziale Strukturen noch, hier können die Menschen sich notfalls noch selbst versorgen. Doch die große Politik prescht auf diese ländliche Welt zu wie ein Bulldozer.
Sie haben den Stadt-Land-Konflikt zu Ihrem großen Thema gemacht.
Ich will das Auseinanderdriften Stadt-Land verhindern, weil ich den Trend seit Jahren sehe. Es ist zudem der Markenkern der Freien Wähler, die bodenständige Welt bewahren zu wollen und den Ausgleich mit den Städten zu suchen. Dass Edmund Stoibers CSU damals voll auf Metropolisierung gesetzt hat und das Abhängen des ländlichen Raums und gerade der Osten Bayerns sich links liegen gelassen sah, hat mitgeholfen, uns Freie Wähler ins Spiel zu bringen. Wir wurden so zum bodenständigen Gegengewicht der CSU.

Aiwanger will im Bundestags die Landbevölkerung vertreten: „Diese woke Welt ist irreal“

Sie sagen, die sozialen Strukturen funktionieren nur noch auf dem Land. Was meinen Sie?
Dass aus jeder Familie jemand bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, dass man Dorffeste feiert, dass sich Nachbarn noch helfen, dass man die Haustür nicht abschließen muss und den Autoschlüssel kurz stecken lassen kann, dass man gegenseitig auf die Kinder schaut, dass man sich Kartoffeln oder Eier vorbeibringt. Man kennt sich, man unterstützt sich – weil man ein Grundvertrauen in dieselbe Wertebasis teilt. Das kann es natürlich auch in Ortschaften mit über 10 000 oder 100 000 Einwohnern geben, wenn man im richtigen Siedlungsgebiet ist.
Warum gefährden dann die Stadt und die Entscheidungen, die dort getroffen werden, Ihrer Meinung nach dieses Leben?
Die woken Trends, die unsere Bürger in Land und Stadt nerven, werden überwiegend in städtischen Milieus auf den Weg gebracht. Pseudomoderne Milieus, welche beispielsweise die biologischen Geschlechter infrage stellen, anstatt sich um die wahren Probleme der Menschen zu kümmern. Dinge, über die am Land niemand im Ernst redet, werden dort plötzlich sehr ernsthaft diskutiert. Selbstverständlichkeiten, die sich über tausende Jahre bewährt haben, werden auf einmal infrage gestellt.
Zum Beispiel?
Man soll plötzlich Wälder stilllegen, statt sie zu nutzen. Der Wolf soll toll sein, obwohl man am Land weiß, dass er deine Viecher frisst. Bürgergeld für Arbeitsfähige statt Leistung, x-mal im Jahr in den Urlaub fliegen, aber Dieselautos verbieten wollen, kein Fleisch mehr essen, aber Cannabis paffen, diese Positionen provozieren, oftmals gezielt.
Hier kann man den Autoschlüssel noch kurz stecken lassen: Hubert Aiwanger in seinem Lieblings-Gasthof in Niederbayern. Die Redakteure haben ihren Wagen zur Sicherheit doch lieber abgesperrt.
Alles Unsinn?
In der extremen Einseitigkeit ja. Besonders, wer einen bäuerlichen Hintergrund hat und mit der Natur und Tierwelt aufgewachsen ist, hat dafür oft kein Verständnis, weil seine Erfahrung sagt, dass sich genau das Gegenteil bewährt hat. Dabei kann er auch nachhaltiger beweisen, dass sein Lebensmodell funktioniert. Das eigentumsfeindliche linke Modell lebt hingegen in vielen Fällen auf Kosten der Substanz, die vorherige Generationen aufgebaut haben. Diese woke Welt ist irreal und wird sich deshalb auch totlaufen. Die Frage ist, wie viel Schaden sie vorher anrichtet.

Es ist ganz still im leeren Nebenzimmer des niederbayerischen Gasthauses. Im Bierzelt bekommt Aiwanger für solche Sätze oft viel Beifall. So wie Donald Trump bei seinen Auftritten in den USA. Auch dort hadern die Bürger des ländlichen Mittleren Westens mit der Politik der Eliten an den Küsten.

Aiwanger im Interview: Trump, Klimaschutz und zwei Geschlechter

Haben Sie die Antritts-Rede von Donald Trump verfolgt?
Nein.
Nichts davon?
Nein, ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Aber man kriegt natürlich seine politischen Ansichten mit, und dass auch in Amerika die gesellschaftliche Spaltung Stadt-Land zunimmt und die politische Polarisierung befördert.
Gehen wir ein paar von Trumps Kern-Aussagen durch: Es gibt nur zwei Geschlechter.
Eine Selbstverständlichkeit seit Jahrtausenden. Biologisch gibt es zwei Geschlechter, die über die Chromosomen XX und XY definiert sind. Und es gibt Abweichungen, die diesen beiden Geschlechtern nicht oder nicht eindeutig zuordenbar sind. Wenn sich jemand woanders verortet sieht als es das biologische Geschlecht bestimmt, geht es auch um das Thema Identität. Man muss diese Themen sensibel behandeln. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist aber verwundert, wenn man einem sichtbar biologischen Mann erlaubt, sich ab morgen ohne Beratung oder Ähnliches als Frau auszugeben und umgekehrt.

Kennen Sie alle? Diese 41 Parteien wurden formal zur Bundestagswahl 2025 zugelassen

Bundestagswahl
41 Parteien wurden für die Bundestagswahl formal zugelassen, doch nur 29 davon nehmen teil. Zwölf der Mitte Januar vom Bundeswahlausschuss formal anerkannten Parteien werden bei der Abstimmung nicht dabei sein, wie die Bundeswahlleiterin Ende Januar in Wiesbaden mitteilte. Anders als langjährige Bundestags- und Landtagsparteien hatten vor allem kleinere Parteien beispielsweise noch eine erforderliche Anzahl von Unterstützerunterschriften nachweisen müssen. © IMAGO/Sascha Steinach
Bundestagswahl
SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, Freie Wähler, Volt, Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Bündnis Deutschland und das Bündnis Sahra Wagenknecht sind demnach in allen 16 Ländern mit Landeslisten vertreten. Die CDU tritt in allen Bundesländern außer Bayern an, die CSU (Foto) nur in Bayern. Die übrigen Parteien werden nicht in allen Ländern auf den Stimmzetteln stehen. Acht von ihnen treten den Angaben nach jeweils nur in einem Land an. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen.
Wir haben die 41 formal zugelassenen Parteien gesammelt. Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen. © Hendrik Schmidt / dpa
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025.
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025. © Thomas Banneyer / dpa
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck.
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck. © Georg Wendt / dpa
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.  © Moritz Frankenberg / dpa
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin.
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert / dpa
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen. Die Schwesterpartei der Union ist zugelassen für die Bundestagswahl – der Name von Parteichef Markus Söder wird darauf allerdings nicht auftauchen, er bleibt als Ministerpräsident in Bayern und will nicht nach Berlin. © Daniel Vogl / dpa
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © Hendrik Schmidt / dpa
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen.
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen. Seit der Absplitterung von den Linken sitzt das BSW auch bereits im Bundestag. © Hannes P Albert / dpa
Auch das Bündnis Deutschland ist zur Wahl zugelassen
Auch das Bündnis Deutschland – hier ein Foto aus dem Jahr 2022 – ist als Partei, die in einem Landtag vertreten ist, zur Wahl zugelassen. Die rechtskonservative, wirtschaftsliberale Partei ist mit sieben Abgeordneten in der Bremer Bürgerschaft vertreten. © Bernd von Jutrczenka / dpa
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten.
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten. © Daniel Vogl / dpa
Bayern-Partei ist zur Bundestagswahl zugelassen
Zu den 31 weiteren Parteien, die der Bundeswahlausschuss wegen eingehaltener Formalitäten zur Wahl zulässt, gehört auch die Bayernpartei. Sie setzt sich laut eigenen Aussagen für „Selbstbestimmung, Föderalismus und die Eigenstaatlichkeit Bayerns“ ein. Das Foto zeigt ein Plakat aus dem Wahlkampf zur Landtagswahl in Bayern 2023. © IMAGO/Goldmann
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD.
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD. Sie versteht sich als kommunistische deutsche Kleinpartei. © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019.
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019. © Revierfoto via www.imago-images.de
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl.
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl. © IMAGO / Jan Huebner
Auch auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl dabei: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft.
Auch formal zugelassen: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft. © IMAGO / Müller-Stauffenberg
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.  © IMAGO / IPON
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen.
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen. © Jörg Carstensen / dpa
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt.
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt. © IMAGO/Manfred Segerer
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen.
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen. © IMAGO / Karina Hessland
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie. © IMAGO/Sandy Dinkelacker
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament.
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament. © Kay Nietfeld / dpa
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © IMAGO/BODE
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht.
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht. © IMAGO/Revierfoto
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen. © IMAGO/Oliver Kaelke/DeFodi Images
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen.
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen. Das Symbolfoto zeigt eine Tafel mit etwaiger Aufschrift. © IMAGO / Bihlmayerfotografie
Auf dem Wahlzettel – hier ein Beispiel zur Europawahl 2024 – steht auch bei der Bundestagswahl die Partei MERA25.
Zugelassen ist auch die Partei MERA25. Sie steht nach eigener Aussage für „Linke Politik für Frieden, Solidarität und Freiheit“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Bild zeigt ein aktuelles Wahlplakat. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Franz Feiner
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar.
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar. Die Partei ist seit 1955 von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Dementsprechend sitzt mit Stefan Seidler gar ein Mitglied im Bundestag. Auch bei der Bundestagswahl 2025 ist die Partei wählbar. © Axel Heimken / dpa
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.  © IMAGO/Bernd Leitner
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW, bald auch auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025: Die Partei Die LIEBE.
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW: Die Partei Die LIEBE. © IMAGO/Juergen Schwarz
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa.
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa. © IMAGO/Stefan Zeitz
Die WerteUnion galt eigentlich als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat.
Die WerteUnion galt als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat. 2024 strebte Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen dann die Gründung einer eigenen Partei an, der er nun vorsitzt. Zur Bundestagswahl 2025 wurde die WerteUnion nun zugelassen. © Soeren Stache / dpa
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah.
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah. © IMAGO/Guido Schiefer
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen.
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen. Sie setzt sich gegen Kapitalismus und Krieg ein. Das Wahlplakat stammt aus dem Jahr 2023 aus Berlin. © IMAGO/Stefan Zeitz
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung. Sie setzt sich für die schnellere Entwicklung von Verjüngungstherapien ein. Das Plakat hing im Wahlkampf zur Europawahl 2024 in Chemnitz. © IMAGO/Fotostand / Nachtigall
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits.
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits. Beide wurden auch für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die ³ bei der V-Partei steht übrigens für „Veränderung, Vegetarier und Veganer“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Partei DIE SONSTIGE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE SONSTIGEN ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Laut Website steht man als „Friesenpartei“ für „skurrile Minderheiten, Systemwechsel & gegen neurechte Klima-Leugnung“. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Im Wahllokal kann man seinen Stimmzettel auch mit einem Kreuz bei der Dr. Ansay Partei in die Urne werfen.
Auch die Dr. Ansay Partei wurde zugelassen. © Patrick Pleul / dpa
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © bpb
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Plakat stammt aus der Kampagne zur Europawahl 2024. © IMAGO/Fotostand / Nieweler
Nächster Trump-Punkt: Es braucht weniger Klimaschutz.
Wir Freien Wähler sind Unterstützer Erneuerbarer Energien, schon allein deshalb, weil Deutschland viel Geld für fossile Energieimporte ins Ausland bezahlt. Wenn wir diese Summe reduzieren können, ist das gut. Und es dürfte auch klar sein, dass der Verbrauch fossiler Energieträger und Rohstoffe nicht gut ist für die Umwelt, weil es keine nachhaltigen Kreisläufe sind wie bei der Nutzung von Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen.
Aber?
Gleichzeitig sind wir der Meinung, dass es als Industrieland absehbar nicht ohne fossile Energieträger geht. Wir dürfen nur so weit und so schnell reduzieren, wie es Wirtschaft und Bürger verkraften können. Sonst wandert die energieintensive Wirtschaft in die USA ab – und die Bürger können es sich oft nicht leisten, ihr Haus in den nächsten Jahren klimaneutral umzubauen.
Der Mensch beeinflusst also das Klima?
Ja. Das tut er schon seit Jahrtausenden, beispielsweise als die Römer die Iberische Halbinsel abgeholzt haben und unsere Vorfahren unser einst dicht bewaldetes Land. Und jetzt natürlich noch mehr. Wenn aber heutzutage ein direkter Einfluss auf einzelne Überflutungen oder Waldbrände hergestellt wird, glaube ich, ist das teilweise nicht sachgerecht und auch politisch motiviert. Untergangsszenarien waren schon immer ein bewährtes Herrschaftsmittel, um Menschen einzuschüchtern und zu demotivieren, eher als die Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Das gilt auch für die Angstmacherei mit immer neuen angeblichen Kipppunkten.

Aiwanger fordert Ausweisung von Straftätern – „Null-Toleranz bei Gruppenvergewaltigungen“

Apropos. Haben wir in Deutschland bei der Migration einen Kipppunkt erreicht?
Ja. In der Realität und der Wahrnehmung der Bürger hat sich das Land durch verfehlte Migration zum Negativen verändert. Das war ein Kipppunkt. Ich glaube, dass wir wirklich kämpfen müssen, um die Kurve noch einmal zu kriegen.
Was würden Sie in der Migrationspolitik verändern?
Die Fleißigen und Anständigen dürfen hier bleiben. Ansonsten Zurückweisungen an der Grenze für Illegale, Pull-Faktoren wie Bürgergeld für nicht Arbeitswillige reduzieren, Ausweisung von Straftätern ohne deutschen Pass, Null-Toleranz bei Gruppenvergewaltigungen und bei Forderungen nach einem Kalifat in Deutschland. All das wäre nach heutiger Gesetzgebung bereits möglich, wenn man nur wollte.

Die Freien Wähler wollen mit drei Direktmandaten in den Bundestag. Aiwanger selbst tritt nicht in seinem Heimatlandkreis an, auch nicht in der Zweitheimat im Landkreis Regensburg, wo er mit seiner Partnerin Tanja Schweiger und den beiden Kindern lebt. Er kandidiert im Wahlkreis Rottal-Inn, wo der CSU-Platzhirsch Max Straubinger nach 31 Jahren Bundestag nicht mehr antritt. Weitere Hoffnungen ruhen auf dem Landrat des Landkreises Landshut, Peter Dreier, und der Landrätin des Kreises Oberallgäu, Indra Baier-Müller. Aiwanger hat ambitionierte Ziele: Er will Bundeswirtschaftsminister werden.
Hubert Aiwanger mit den Merkur-Redakteuren Mike Schier (li.) und Sebastian Horsch in seinem Lieblings-Gasthaus.
Was würden Sie als Bundeswirtschaftsminister als Erstes tun?
Den Wirtschaftsstrompreis auf vier Cent beschränken, Steuern für Unternehmen auf 25 Prozent senken, Gastrosteuer auf 7 Prozent, für Arbeitnehmer 2000 Euro Steuerfreibetrag, Arbeitszeitflexibilisierung, um Gastronomie und Mittelstand zu entlasten, Gaskraftwerke für die sichere Energieversorgung bauen.
Klingt ziemlich teuer für den Staat.
Die Steuerausfälle würden sehr schnell überkompensiert durch mehr Wirtschaftswachstum und daraus resultierende höheren Einnahmen.

Aiwanger über Markus Söder: „harmonisch war es auch vorher nicht“

In der CSU lästern sie gerne, der Aiwanger würde sich mehr fürs Jagen als für die Wirtschaft interessieren.
Dass ich in den Bereichen Landwirtschaft und Jagd so verwurzelt bin, gefällt der CSU gar nicht, weil sie es selbst gerne mehr wäre. Auch meine Teilnahme an den Bauerndemos hat ihnen gar nicht gefallen. Ihnen wäre lieber gewesen, ich wäre in den Urlaub geflogen.
Markus Söder und Sie haben sich nach der Flugblatt-Affäre wieder zusammengerauft. Richtig harmonisch wirkt es aber immer noch nicht.
Richtig harmonisch war es auch vorher nicht. Wir sind natürlich Wettbewerber im bürgerlichen Lager. Die CSU sieht in uns vor allem einen Stimmenkonkurrenten, weil sie ernsthaft glaubt, alle bürgerlichen Stimmen gehörten eigentlich ihr. In Wahrheit gehören die Stimmen den Bürgern, die sie in freier Entscheidung den Politikern geben. Wir sehen uns hingegen als Ermöglicher einer bürgerlichen Regierung. Das wollen wir auch auf Bundesebene sein. Mit uns würde es für die Union sicher leichter als mit den Grünen.
Angenommen, Sie schaffen es in den Bundestag: Gehen Sie auch dann, wenn es nur für die harte Oppositionsbank langt?
Ja, das werde ich. Auch wenn mir das die CSU nicht glauben will, die in der Vergangenheit ganz selbstverständlich Kandidaten wie Edmund Stoiber und Joachim Herrmann zum Stimmenholen an die Listenspitze gestellt hat, die dann aber München nicht verlassen haben.
Sie wollen also wirklich ins woke Berlin?
Ja, um zu retten, was noch zu retten ist.

Rubriklistenbild: © Daniel Vogl/dpa

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