Hubert Aiwanger polarisiert mit forschen Sätzen und unkonventionellen Ansichten. Sein Weg zur Spitze der Freien Wähler war steil.
München – Seit November 2018 ist Hubert Aiwanger Wirtschaftsminister Bayerns. Zudem fungiert er als stellvertretender Ministerpräsident des Bundeslandes in der Regierung von Markus Söder. Aiwanger ist sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Vorsitzender der Freien Wähler und war von 2008 bis 2018 Fraktionsvorsitzender dieser Partei im Bayerischen Landtag.
| Name | Hubert Aiwanger |
|---|---|
| Geburtstag | 26. Januar 1971 |
| Geburtsort | Ergoldsbach |
| Ämter | Landesvorsitzender der Freien Wähler, stellvertretender bayerischer Ministerpräsident, bayerischer Wirtschaftsminister |
| Partei | Freie Wähler |
Hubert Aiwangers Karriere bei den Freien Wählern
Bei den bayerischen Wahlen 2023 am 8. Oktober tritt er als Spitzenkandidat seiner Partei an. Aiwanger lebt noch immer auf seinem Hof in Rahrsdorf, einem Stadtteil von Rottenburg an der Laaber im Landkreis Landshut. Dort ist er aufgewachsen und hat bereits als Kind bei der Stallarbeit mitgeholfen – eine Kindheit, geprägt von Disziplin und Arbeit.
In seiner Jugend war er Vorsitzender der katholischen Landjugend und Klassensprecher, wie er in einem Interview mit dem Münchner Merkur offenbarte. Darüber hinaus war der junge Aiwanger ein talentierter Leichtathlet, wie er gegenüber BR24 äußerte. Nach seinem Abitur am Gymnasium mit einem Durchschnitt von 1,9 und dem Grundwehrdienst absolvierte er an der Fachhochschule Weihenstephan ein Studium zum Diplom-Agraringenieur.
Seit 2001 ist der Niederbayer Mitglied der Freien Wähler. Die Karriere von Hubert Aiwanger an der Spitze der Freien Wähler nahm einen steilen Verlauf. Sie begann mit der Position des Ortsvorsitzenden von Rottenburg, ab 2004 war er Kreisvorsitzender von Landshut und später kurzzeitig Bezirksvorsitzender in Niederbayern. Auf der Delegiertenversammlung 2006, als die Freien Wähler einen neuen Vorsitzenden suchten, hielt er seine erste bedeutende Rede – vor etwa 600 Zuhörern, wie er im BR24-Interview erzählte.
Überraschend kam Aiwanger in die Stichwahl zum Landesvorsitzenden und gewann mit einer knappen Mehrheit von 340 zu 322. Zwei Jahre später zog er mit den Freien Wählern erstmals in den Bayerischen Landtag ein. Seit November 2018 ist er stellvertretender Ministerpräsident von Bayern sowie Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Neben seinem markanten niederbayerischen Akzent zeichnen sich Aiwangers Reden auch durch kraftvolle Sätze oder mundartliche Sprüche aus. Er polarisiert mit Aussagen wie „… Interessiert … mich mittlerweile einen Scheißdreck, was die Grünen gegen das Auto sagen. Die sollen zu Hause bleiben und früher hat man gesagt: Und fotz dei Goaß“.
Schwer am Twittern: Hubert Aiwanger aktiv im Kurznachrichtendienst
Charakteristisch für den Niederbayern ist zudem, dass er seine Reden von Anfang an und bis heute ohne Manuskript hält. Hubert Aiwanger fühlt sich besonders wohl unter Schützen, Landwirten und Trachtlern. Aber er hat auch ein ganz spezielles Hobby: X, ehemals Twitter. Auch hier hält er sich nicht zurück und sorgt mit Kommentaren wie „Ihr habt aufs Maul bekommen“ oder „Grunz“ oft für Schlagzeilen. Er twittert immer selbst, das hält er für authentischer. Der stellvertretende Ministerpräsident verriet im Interview mit dem Münchner Merkur, dass seine gewagten Tweets kalkuliert seien, weil sie viel mehr Menschen erreichen und er zudem glaube, dass ein wenig Humor dazugehört.
Nicht nur in seinen Reden sorgt der bayerische Wirtschaftsminister regelmäßig für Aufsehen. So hat er am Sonntagnachmittag der Bundestagswahl im September 2021 auf seinem X-Account vorläufige Prognose-Ergebnisse eines Umfrageinstituts veröffentlicht und mit einem letzten Wahlaufruf für die Freien Wähler verbunden – und das noch bevor die Wahllokale geschlossen waren. Einige empfanden das als klare Wahlmanipulation, der Bundeswahlleiter sah das Ganze jedoch weniger streng und so kam Aiwanger mit einer öffentlichen Entschuldigung davon.
Hubert Aiwanger provoziert beim Thema Corona
Große Aufmerksamkeit erregte Hubert Aiwanger beim Thema Corona-Impfung. Wochenlang hat er sich der Impfung verweigert. Laut Münchner Merkur war Aiwanger nie ein grundsätzlicher Impfgegner, zeigte sich aber skeptisch gegenüber dem Impfstoff. Im Herbst 2021 ließ er sich dann doch noch impfen. Wenige Monate zuvor, im September 2021, forderte der gebürtige Niederbayer einen „Freedom Day“ nach britischem Vorbild. Seiner Forderung zufolge sollten im Oktober 2021 alle Corona-Regeln fallen. Wenn die Krankenhäuser nicht überlastet sind und die Lage weiterhin unter Kontrolle ist, sollte die epidemische Lage nicht weiter aufrechterhalten bleiben, meinte er damals.
Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945




Konflikt mit Klimaklebern: Aiwanger attackiert Letzte Generation
Die Energiewende ist ein wichtiges Thema für Hubert Aiwanger. Laut BR24 fordert er mehr Tempo und weniger Bürokratie sowie mehr Praxistauglichkeit für Windräder und Photovoltaikanlagen. Dem Aus für Verbrennungsmotoren steht Aiwanger kritisch gegenüber. Das Verbot würde den Ideologen darum gehen, das Auto komplett abzuschaffen, zitiert ihn der Münchner Merkur. Aiwanger sagte, er habe kein Verständnis dafür, dass sauberen Verbrennungsmotoren der Zukunft der Garaus gemacht werden soll. Auch gegen die Klima-Aktivisten wettert der Chef der Freien Wähler.
In Bezug auf die Letzte Generation sagte er, er würde die Kleber zu vier Wochen Waldarbeit verurteilen. Hubert Aiwanger stellt sich gerne auf die Seite der laut eigenen Aussagen normalen und vernünftigen Leute. Ihm widerstreben solche, die anderen sagen, sie dürften nicht mehr Auto fahren, kein Fleisch essen und nicht mehr Cowboy und Indianer spielen.
In die Kritik geriet Hubert Aiwanger im Spätsommer 2023. Anlass bot ein antisemitisches Flugblatt, das der Chef der Freien Wähler als Schüler in seiner Tasche gehabt haben soll. Als Verfasser des Flugblatts zeigte sich sein Bruder Herbert Aiwanger verantwortlich. Im Zuge des Skandals meldeten sich auch zahlreiche Mitschüler Aiwangers, die ihm antisemitisches Verhalten während der Schulzeit vorwarfen.
Hubert Aiwanger und Lebensgefährtin Tanja Schweiger: Sind sie verheiratet?
Die Lebensgefährtin von Hubert Aiwanger heißt Tanja Schweiger und ist selbst politisch aktiv. Wie der Münchner Merkur berichtet, ist sie ebenfalls Parteimitglied der Freien Wähler, war Abgeordnete im Bayerischen Landtag und ist seit 2014 Landrätin in Regensburg. Die beiden gaben ihre Beziehung 2012 bekannt.
Ein gemeinsames Zuhause hat das Paar aber nicht und auch verheiratet sind sie nicht. 2012 kam Sohn Laurenz und 2016 Sohn Adrian zur Welt. Hubert Aiwangers liebster Rückzugsort ist der eigene Wald, wo er gerne Holzarbeit verrichtet. Hier ist es ruhig und die Welt ist in Ordnung, sagte er im Interview mit BR24. Die Landwirtschaft ist bis heute seine große Leidenschaft geblieben.
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