VonGiorgia Grimaldischließen
Schlamm, Öl und Sekundenkleber: Auch in unseren Nachbarländern kämpfen die Klima-Aktivist:innen gegen die Klimakrise.
Es vergeht kaum ein Tag ohne Berichterstattung über die Aktionen der Protestbewegung Letzte Generation. Zuletzt sorgten der Prozess in Leipzig und die daran anschließende Blockade, sowie die polizeilichen Razzien für Furore. Die Mehrheit der Deutschen fand diese Maßnahme gerechtfertigt, aber auch aus dem Ausland gab es starke Reaktionen.
Besonders kontrovers wird die Frage diskutiert, ob die Klimaaktivist:innen eine kriminelle Vereinigung bilden und als solche strafrechtlich zu verfolgen und zu verurteilen seien. Laut Innenministerin Nancy Faeser werden der Letzten Generation insgesamt 580 Straftaten zur Last gelegt. Die Letzte Generation ist aber keine ausschließlich deutsche Organisation, sondern ebenfalls in Italien und Österreich aktiv und sorgt dort mit Autobahnblockaden und anderen Störungen regelmäßig für Debatten über Klimapolitik und zivilen Ungehorsam.
So polarisiert die „Ultima Generazione“ in Italien
Ende Mai sorgten die Klimaaktivist:innen der Letzten Generation, in Italien bekannt unter Ultima Generazione bekannt, in Rom für Wirbel. Einige Mitglieder stiegen in den Trevi-Brunnen, eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der italienischen Hauptstadt, und schütteten schwarze Flüssigkeit in das Wasser, um „ein sofortiges Ende der öffentlichen Subventionen für alle fossilen Brennstoffe“ zu fordern.
Weibliche Mitglieder der Ultima Generazione übergossen sich vor dem Parlamentsgebäude in Rom mit Schlamm. Nach eigener Aussage wollten sie damit auf starke Regenfälle und Überschwemmungen in den Regionen Emilia-Romagna und Marken, bei denen mindestens 14 Menschen starben, als Folge des Klimawandelns hinweisen.
Italiens Regierung kündigte daraufhin an, härter gegen die Aktivist:innen durchzugreifen. So soll Vandalismus an Kulturgütern mit der Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 10.000 bis 60.000 Euro und strafrechtlichen Sanktionen bestraft werden.
„Letzte Generation Österreich sorgt auch in Deutschland für Schlagzeilen
Im November 2022 hat ein Klimaaktivist das mit Glas geschützte Gemälde von Gustav Klimt „Tod und Leben“ im Wiener Leopold Museum mit Öl beschmiert. Ein anderes Mitglied klebte sich mit der Hand an der Schutzscheibe fest. Laut der Pressemitteilung der Letzten Generation Österreich forderte man mit der Aktion „sinnvolle Sparmaßnahmen – etwa Tempo 100 auf der Autobahn – anstelle neuer Öl- und Gasbohrungen, und ein Ende schmutziger Sponsoring-Deals mit der Fossilindustrie“.
Das Bild von Klimt sei dabei nicht zufällig ausgewählt worden. Ein Mitglied der Gruppe erklärt die Symbolik: „Die Schönheit des Lebens auf der einen Seite, der wartende Tod auf der anderen. So malte Gustav Klimt vor über 100 Jahren ‚Tod und Leben’. Heute schlittern wir in eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, weil wir wie Klimts Figuren die tödliche Bedrohung nicht wahrhaben wollen. Allen Warnungen zum Trotz droht uns 2022 ein neuer Weltrekord im Ausstoß von Treibhausgasen [...].“
Obwohl die Leitung des Museums diese Aktion kritisierte, hat sich das Leopold Museum mit der Klimabewegung solidarisiert und einen ganz eigenen Weg gefunden, um seine Besucher:innen für mehr Klimaschutz zu sensibilisieren.
Dieses Jahr sorgte vor allem eine Klimaaktivistin über österreichische Grenzen hinweg für Schlagzeilen, allerdings weniger mit ihrem Protest als mit ihrem Aussehen. Die 26-jährige Anja Windel ging als „Klima-Shakira“ viral. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum Popstar wurde sie zum Gesicht der österreichischen Klimabewegung. Anschließend wurde wegen ihrer möglichen Ausweisung berichtet und debattiert. Denn die Psychologie-Studentin ist keine Österreicherin, sondern Deutsche. Eigentlich kommt Windel aus einem Dorf in Niederbayern, für ihr Studium zog sie es später ins österreichische Graz. Gegen sie und ein anderes Mitglied wurde Anzeige wegen „Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit“ erstattet.
Passend dazu: Sechs Gründe, warum sich die deutsche „Klima-Shakira“ in Österreich festklebt
Im April 2023 wurde Windel im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl in Leoben verhört. Im Interview mit BuzzFeed Austria erklärt sie, wie sie mit sexistischen Kommentaren umgeht und warum sie sich bezüglich der möglichen Abschiebung Hilfe von Markus Söder erhofft.
Allgemein mache sie sich aber nicht zu viele Sorgen: „Selbst wenn entschieden würde, dass sie mich ausweisen, würde das wohl in nächster Instanz wieder aufgelöst. Nicht einmal Straftäter:innen aus Drittstaaten können so einfach abgeschoben werden“.
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