Neue Weltordnung

„All-in“ im Weißen Haus: Trump schmiedet Russland-Allianz – zum Preis von Selenskyjs Ukraine

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Eindeutige Schuldzuweisung: Für seine strategisch ausgerichtete Nähe zu Wladimir Putins Russland findet der US-Präsident Donald Trump (links) im ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das perfekte Bauernopfer.
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Trump sucht in Putin einen Autokraten seines Kalibers, um China auszuhebeln. Die Europäer werden zur Marginalie, die Ukraine zum lästigen Bittsteller.

Washington D. C. – Als „ein beispielloses Spektakel vor den Fernsehkameras im Weißen Haus“, bezeichnet CNN-Analyst Zachary B. Wolf den historischen Moment im Oval Office. „Ich habe den Eindruck, da zerbricht gerade etwas“, hat Kerstin Klein gesagt. Die Washington-Korrespondentin der Tagesschau berichtete von dem, in ihren Worten, „Schreiduell“ zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – Trump warf Selenskyj vor, durch seinen unbeugsamen Willen den Dritten Weltkrieg zu riskieren, indem er Sicherheitsgarantien für sein Land forderte – eine öffentliche Demütigung des Ukrainers. Nach dem Urteil der New York Times (NYT) verfolgt der US-Präsident einen Plan, für den er die Ukraine hin hängt.

Trump sehe in der Ukraine ein Hindernis „für ein seiner Ansicht nach weitaus wichtigeres Projekt“, schreibt NYT-Autor David E. Sanger. Dieses scheinbar neue Primärziel Trumps scheint die Normalisierung der Beziehungen der USA zu Wladimir Putins Russland zu sein, wie die New York Times von einem „hochrangigen europäischen Politiker“ gesteckt bekommen haben will.

Demütigung Selenskyjs: Trump geht „all-in“, er setzt alles auf eine Karte: Sein erklärter Gegner ist China

Als der Republikaner Donald Trump am 20. Januar ins Oval Office zurückkehrt war, „ist die Welt ein gefährlicherer Ort als während seiner ersten Amtszeit“, hat das Magazin Newsweek geschrieben und offen gelassen, wie das gemeint ist. Und da machten die USA die Kehrtwende zur Politik des vielleicht am entschiedensten auftretenden republikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten: Ronald Reagan. Der 40. Präsident der USA regierte zwischen 1981 bis 1989 und zündete mit seinem Vorhaben der weltraumgestützten Raketenabwehr SDI den weltweiten Rüstungs-Turbo.

„Gegen die Ukraine hat Putin trotz großer militärischer Überlegenheit keinen Durchbruch erzielt. Global ist er dagegen mit seinen Ordnungsvorstellungen erfolgreich.“

Historiker Martin Schulze-Wessel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Zwei Wochen vor der „Star-Wars“-Rede hatte Reagan im Rahmen einer Ansprache vor konservativen Christen die Sowjetunion als ‚Reich des Bösen‘ gegeißelt – als ‚Zentrum des Bösen in der modernen Welt‘. Im Programm der Republikaner, mit dem Reagan 1980 gewählt wurde, war zu lesen, die USA müssten massiv aufrüsten. Wegen der aggressiven Sowjetunion seien die Gefahren für die USA größer als jemals zuvor“, schreibt Konrad Ege im Freitag. Jetzt formulieren die USA entgegengesetzt.

„Die Vereinigten Staaten unterstützten die Integration Russlands in europäische und globale Institutionen und eine vertiefte bilaterale Partnerschaft in der Sicherheitszusammenarbeit, um die Grundlagen für Stabilität und Vorhersehbarkeit zu stärken. Russland lehnte diesen Ansatz letztlich ab“, veröffentlichte das U.S. Department of State, also das US-Außenministerium, noch im September 2021, das heißt, kein halbes Jahr vor Russlands völkerrechtswidrigem Überfall auf die Ukraine. Nach Meinung von Joshua Kurlantzick geht Trump jetzt sogar all-in, das heißt, er setzt alles auf eine Karte: Sein erklärter Gegner ist China.

Rückzug aus Ukraine-Krieg: Trump ist gewillt, sich mit dem „Reich des Bösen“ zu verbrüdern

Wobei das von vornherein absehbar war. Nur schien lediglich den Eingeweihten klar, dass Trump gewillt ist, sich mit dem „Reich des Bösen“ zu verbrüdern, um das „Reich des Noch-Böseren“ in die Knie zu zwingen: „Sollte die Trump-Regierung ... Fortschritte machen, könnten Russlands historische und aktuelle Beziehungen zu den Staaten Süd- und Südostasiens hilfreich sein. Wenn die US-Kooperation mit Russland einige der globalen Erfolge Chinas schwächt und China möglicherweise in seiner Heimatregion stärker herausfordert, dann hätten die USA theoretisch mehr Geld, um ihre Partner in Asien zu unterstützen“, schreibt aktuell der Analyst des US-Thinktanks Council on Foreign Relations.

Donald Trump will also eine Achse bilden mit Wladimir Putin und inkludiert das Risiko, seine europäischen Satelliten zu verprellen – möglicherweise treffen sich mit Trump und Putin zwei Politiker-Charaktere mit den gleichen Allmachts-Fantasien. Die würden aber wohl ohnehin ins Leere laufen, prophezeit Analyst Kurlantzick; China sei in seiner Hemisphäre zu gut vernetzt, als dass ein auch mit Russland in Beziehungen stehender Staat wie Indien seine Beziehungen zu China würde gefährden wollen.

Allerdings setzt Trump allerdings wohl gerade darauf, wie die New York Times nahelegt: Außenminister Marco Rubio soll in einem Interview mit Breitbart News deutlich gemacht haben, dass zugunsten eines trilateralen Interesses zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China notwendig sei „den Krieg hinter sich zu lassen“. Auch US-Verteidigungsminister Pete Hegesth soll sich als Advokat des Realismus gerieren, wie Daniel Fried anmerkt: Dass die Ukraine ihre von Russland besetzten Gebiete zurückerhält, sei kurzfristig vielleicht nicht realistisch, reportiert der Analyst des Thinktanks Atlantic Council die Aussagen Hegseths.

Trump und Vance als Putins verlängerter Arm: Bekenntnis zur Souveränität der Ukraine ist vorbei

Fried plädiert implizit dafür, den Status Quo als gegeben anzunehmen und argumentiert, dass viele Jahre auch unrealistisch gewesen sei, „sich vorzustellen, dass die baltischen Länder ihre Unabhängigkeit von Moskau zurückerlangen, dass es zu einer deutschen Wiedervereinigung oder zum Ende des Eisernen Vorhangs kommen würde. Aber alle drei sind eingetreten“. Damit legt Fried nahe, dass die Zeit alle Wunden heile. Oder vielleicht: Dass die Welt Trump und Putin gewähren lassen sollte.

Bei aller berechtigten Kritik an diesem Ansatz ist augenscheinlich, dass sich ein ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj keinesfalls darauf einlassen kann. „Ich will Garantien sehen“, soll Selenskyj Trump direkt ins Gesicht gesagt haben, womit er dem selbst ernannten obersten „Dealmaker“ offenbar einen Zacken aus der Krone gebrochen hat, denn Trump und Vizepräsident J. D. Vance hatten monatelang signalisiert, dass ihrer Meinung nach das amerikanische Bekenntnis zur Souveränität der Ukraine vorbei sei, wie David Sanger in der New York Times festgehalten hat.

Als ehern geltende Regeln sind seit dem 20. Januar ausgesetzt – seit dem Tag der Inauguration von Donald Trump zum 47. Präsidenten der USA. Als das von Ronald Reagan apostrophierte „Reich des Bösen“ gilt jetzt offenbar Europa. Insofern passend, wenn auch etwas peinlich, wirkt, was Zachary B. Wolf für CNN über das Verhalten der Staatschefs aus Frankreich und Großbritannien gegenüber Trump zu berichten weiß: „Beide versuchten, ihm Schmeicheleien zu machen. Macron erinnerte sich an Trumps Besuch in Notre Dame und Starmer überbrachte persönlich einen Brief von König Charles“, schreibt Wolf.

USA kennen keine Verbündeten mehr: das klare Bild eines kolossalen US-amerikanischen Strategiewechsels

Tatsächlich formt sich daraus das klare Bild eines kolossalen US-amerikanischen Strategiewechsels: Die Europäer verabschieden sich jetzt schmerzlich davon, dass ihre militärische Sicherheit weiterhin kostenfrei zu haben sein werde und sie ihren bisherigen Wohlstand weiterhin brutto für netto einstreichen könnten. Und tatsächlich hat auch keiner der ukrainischen Verbündeten bisher explizit gefordert, Russland müsse die volle Integrität der Ukraine wieder herstellen – beispielsweise in den Grenzen der Ukraine von 1991.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj
Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland. © Imago
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig.  © dpa
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland. © Alexander Gusev/Imago
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während ihres Studiums des Bauingenieurwesens an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen. Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann.
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während des Studiums an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen.  © Vadim Ghirda/dpa
Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine
Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann. © dpa
Arte - Diener des Volkes
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. © Arte/dpa
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.
Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.  © Arte/dpa
Vereidigung von Selenskyj als neuer Präsident der Ukraine
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein.  © Evgeniy Maloletka/dpa
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein. Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.
Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau. © Wolfgang Kumm/dpa
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab. Steueroasen sind in der Ukraine nicht illegal.
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Diese sind in der Ukraine allerdings nicht illegal. © Sergei Chuzavkov/afp
Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda auf den Britischen Jungferninseln
Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.  © Imago
Selenskyj
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann. © Evgen Kotenko/Imago
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann – und dies zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk tat. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben.
Er setzte das Mittel zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk ein. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben. © Instagram Account of Volodymyr Zelensky/afp
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten. Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden, der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus.
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten.  © Saul Loeb/afp
Joe Biden Hunter
Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden (hinten), der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus. © Imago
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin.
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. © Ukraine Presidential Press Service/afp
Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine
Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin. © dpa
Trump, Macron, Selenskyj - Paris
Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, dass Selenskyj mit Putin zusammentraf.  © Lafargue Raphael/Imago
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren. Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, das Selenskyj mit Putin zusammentraf.
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren.  © Charles Platiau/afp
Selenskyj
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation weiter. Immer häufiger besuchte Selenskyj (Mitte) Militärübungen der ukrainischen Armee, so auch am 16. Februar 2022 in der Stadt Riwne. © Imago
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation immer weiter. Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.
Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion eskalierte der Ukraine-Krieg.
In der Nacht zum 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion im März 2014 eskalierte der Ukraine-Krieg.  © Imago
London, United Kingdom
Im Westen war die Solidarität mit der überfallenen Ukraine groß. Der Regierungssitz im Vereinigten Königreich leuchtete in den ukrainischen Farben.  © Hesther Ng/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. Danach sollen die USA Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden.
Die USA sollen Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden. © Ukraine Presidency/afp

Wie Daniel Fried festhält, hätten die USA noch keinen dezidierten Forderungskatalog für Friedensverhandlungen aufgestellt: „Glücklicherweise drängte Hegseth die Ukraine nicht dazu, Territorium abzutreten. Ebenso wenig deutete er an, dass die Vereinigten Staaten bereit seien, die russische Besetzung von etwa 20 Prozent des Landes anzuerkennen“, schreibt Fried für Atlantic Council. Das Ergebnis könnte sein, dass Wladimir Putins Imperialismus durch einen Waffenstillstand einzuhegen ist, weil er vielleicht selbst schon seine wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten überreizt hat und auf eine Gelegenheit wartet, sein Gesicht zu wahren.

Möglicherweise sähe sich Putin dank eines gleichermaßen autoritär handelnden Staatenlenkers aber auch in seinen Ambitionen bestärkt: dass kulturell divergent aufgestellte Länder eine Gefahr für die Integrität des eigenen Gemeinwesens darstellten. Dann säße Europa in der Falle. Oder wie der Historiker Martin Schulze-Wessel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) behauptet: „Gegen die Ukraine hat Putin trotz großer militärischer Überlegenheit keinen Durchbruch erzielt. Global ist er dagegen mit seinen Ordnungsvorstellungen erfolgreich.“

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