VonGiorgia Grimaldischließen
In seinem Buch spricht der Komiker nicht nur offen über Depressionen und Alkoholsucht, sondern auch, wie es ist, wenn auf einmal „die Libido auf Betriebsferien“ geht.
Über Alkoholprobleme haben neben Kurt Krömer schon einige deutsche Prominente öffentlich gesprochen, doch bei dem Tabuthema Impotenz scheint der Berufskomiker Vorreiter zu sein. Als der vor einigen Jahren feststelle, dass „untenrum tote Hose“ herrsche, sei die Stimmung „dauerhaft am Arsch“ gewesen, so beginnt Kurt Krömer ein Kapitel seines kürzlich erschienenen Buches, das auf Platz eins der Bestseller-Charts landete.
Dass sich dahinter eine Depression verbarg, wusste der Komiker, Schauspieler und Autor zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auf den folgenden Seiten beschreibt er, wie er sich die Hoden abtastete und einen Knoten fand. Wie er sich verurteilte, weil er zwanzig Jahre lang keinen Termin mehr beim Urologen vereinbart hatte und wie elend er sich fühlte, als er sich endlich dazu überwinden konnte. Krömer schreibt: „Ich dachte: Ey, jetzt bin ich endlich da. Und gleichzeitig dachte ich: Ja, aber du bist halt jetzt zu spät.“
„Sie haben Stress, der Stress muss weg“
Doch der Arzt konnte Entwarnung geben. Bei dem von Krömer identifizierten Knoten handelte es sich um eine ungefährliche Zyste. Und trotzdem war von Erleichterung keine Rede. Der Komiker schildert, wie er sich immer weiter hineinsteigerte, fieberhaft nach einer Erklärung für die Erektionsstörung suchte und sogar beim Radiologen eine Computertomografie und eine Kernspintomografie machen ließ. Doch auch dort hieß es: „Alles so weit in Ordnung“.
Mehr zum Thema: In seinem Podcast „Feelings“ spricht Krömer regelmäßig über Emotionen und wann er weint.
Erst bei einem späteren der viele Termine stellte ihm ein Arzt die Diagnose „stressbedingte Impotenz“, alles Kopfsache. Laut Expert:innen spricht man von Impotenz, wenn ein Mann über einen Zeitraum von sechs Monaten in mehr als zwei Dritteln der Fälle keine Erektion bekommt, die für Geschlechtsverkehr ausreicht oder die Erektion nicht aufrechterhalten kann. Diese erektile Dysfunktion wird häufig mit Zeugungsfähigkeit (Infertilität) verwechselt.
Kurt Krömer: „Ich konnte doch nicht ewig diese Scheißpillen fressen“
Der Arzt gab Krömer einen einfachen Rat: „Suchen Sie sich einen Therapeuten“. Zunächst sträubte sich Krömer dagegen und nahm lieber potenzsteigernden Medikamente ein, obwohl der Arzt ihm erklärte, dass er diese nicht brauche, wenn er seine Psyche in den Griff bekäme. Doch als Krömer irgendwann so weit war, sich einen Sexualtherapeuten zu suchen, stieß er auf ein neues Problem „Das war natürlich naiv, denn Therapeuten – das wissen alle Betroffenen nur zu gut – wachsen nicht auf Bäumen. Und wenn sie auf Bäumen wachsen würden. Dann würde es immer noch keine Termine geben.“
In Krömers Fall ging die Suche nach einem Therapieplatz in nur zehn Tagen sehr schnell, doch seine anfängliche Beobachtung lässt sich mit Zahlen belegen: Therapieplätze sind knapp, es kann Monate dauern, bis Betroffene eine Behandlung beginnen können. Und die Corona-Pandemie hat die Lage noch verschärft. Wissenschaftler:innen fordern deswegen politische Maßnahmen.
Krömer erzählt, was am Ende wirklich geholfen hat
Als Krömer seine Therapie beginnt, empfiehlt ihm der Arzt Übungen, wie Kopfschütteln-, Kreisen und Atemübungen. Als sie später über Erektion und Impotenz sprachen, habe der Arzt etwas „sehr einleuchtendes“ zu ihm gesagt, schreibt Krömer:
Es gibt zwei Zentren, das Gehirn und das Geschlecht. Und momentan ist es bei Ihnen so, dass das Geschlechtszentrum mit Ihrem Gehirn kommuniziert und sagt: ‚Pass mal auf, solange du da oben noch Probleme hast und den ganzen Tag am Rumdenken bist, lass mich mal bitte in Ruhe. Krieg mal deinen Scheiß da oben im Kopf gut hin und dann kannst du dich gerne wieder bei uns hier unten melden. Bis dato ist hier absolute Funkstelle angesagt.
Das andauernde Grübeln über seine Probleme habe ihn blockiert, denkt Krömer. Doch mit diesem Wissen und den Übungen habe sich die Impotenz wieder gelegt. Im Verlauf des Buches schildert der Autor, wie ihm Jahre später die Alkoholsucht und Depression diagnostiziert wurde und dass er heute versteht, wie das alles zusammenhänge.
Doch auch zu Beginn der Suchttherapie sträubte sich Krömer zunächst und begann die erste Sitzung mit den Worten: „Das ist ja eine Frechheit, ich bin doch kein Alkoholiker!“
Rubriklistenbild: © Stefan Schmidbauer/IMAGO. Bearbeitung: BuzzFeed Germany


