Nach Schlappe bei der Bundestagswahl: Grünen könnte bei Hamburg-Wahl nächster Rückschlag drohen
VonFelix Durach
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Nach der Bundestagswahl droht den Grünen ein weiterer Rückschlag. Bei der Hamburg-Wahl könnten sie auf den dritten Platz abrutschen – auch wegen der Linken.
Hamburg – Die politische Landschaft in Hamburg steht vor einer spannenden Phase. Nur eine Woche nach der Bundestagswahl werden die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt erneut zur Wahlurne gebeten, um ihre Stimmen bei der Bürgerschaftswahl 2025 abzugeben.
Vor der Hamburg-Wahl 2025: Wählerwanderung zur Linken – Grüne bangen um zweiten Platz
Die Ergebnisse der Bundestagswahl könnten einen Hinweis auf die bevorstehenden Entscheidungen bei der Hamburg-Wahl geben und bereiten den Grünen deswegen Kopfzerbrechen. Wird die Partei nach den Verlusten auf Bundesebene auch bei der Bürgerschaftswahl 2025 ins Hintertreffen geraten?
Hamburg hat sich in den letzten Jahren als politisch linke Hochburg in Deutschland etabliert. Seit der Wahl 2020 regiert eine Koalition aus SPD und Grünen mit einer deutlichen Mehrheit im Hamburger Senat. Doch diese rot-grüne Zusammenarbeit könnte nach der Bürgerschaftswahl 2025 enden. Die Grünen blicken besorgt auf den Aufstieg der Linken, die nach einem beeindruckenden Comeback mit 8,8 Prozent in den Bundestag eingezogen ist. Diese Entwicklung könnte sich auch bei der Hamburg-Wahl fortsetzen, da die Linke vor allem viele Stimmen von den Grünen abschöpfen konnte.
Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Zweite Bürgermeisterin von Hamburg, steht während des Landesparteitages von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg auf der Bühne im Bürgerhaus Hamburg-Wilhelmsburg.
Sorge bei den Grünen: Spitzenkandidatin startet vor Bürgerschaftswahl 2025 Appell
Katharina Fegebank, die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl 2025, hat daher zu Beginn der Wahlwoche einen eindringlichen Appell an die Wähler gerichtet: „Wer nächsten Montag nicht wie heute früh mit einer Stillstands-GroKo (Bündnis aus SPD und CDU, Anm. d. Red.) aufwachen will, muss Grün wählen!“, zitiert das Hamburger Abendblatt Fegebank. Sie warnte weiter: „In einer Koalition von Union und SPD im Bund werden die drängenden Zukunftsthemen nicht vorkommen. Das kann auch in Hamburg passieren.“
Der Kampf um den zweiten Platz bei der Hamburg-Wahl könnte entscheidend dafür sein, wer als Juniorpartner in eine SPD-geführte Koalition eintritt. Die SPD unter Bürgermeister Peter Tschentscher muss zwar Verluste hinnehmen, bleibt aber mit 32 Prozent in den Umfragen klar stärkste Kraft. Eine schwarz-rote Koalition, wie von Fegebank befürchtet, ist also möglich.
Umfrage zur Hamburg-Wahl: SPD hofft bei Bürgerschaftswahl 2025 auf klaren Sieg
Partei
ARD-Vorwahlumfrage (20. Februar 2025)
SPD
32 Prozent
Grüne
18 Prozent
CDU
17 Prozent
Linke
10 Prozent
AfD
10 Prozent
FDP
3 Prozent
BSW
3 Prozent
Volt
3 Prozent
Andere
4 Prozent
Quelle: Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD; Erhebungszeitraum 17. bis 19. Februar 2025, 1.308 Befragte; Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Nach der Hamburg-Wahl: Tschentscher könnte bei Koalitionspartnern die Wahl haben
Selbst wenn Tschentscher die Zusammenarbeit mit den Grünen fortsetzen möchte, könnten sich die Grünen in einer deutlich schwächeren Verhandlungsposition wieder finden, sollte die CDU ihre den Rang als zweitstärkste Kraft ablaufen.
Das zentrale Problem ist vor allem die erwartete Wählerwanderung von den Grünen zur Linken. In der ARD-Umfrage erreicht die Linkspartei 10 Prozent. Das Bundestagswahlergebnis in Hamburg, bei dem die Linke 14,4 Prozent der Zweitstimmen erhielt, deutet darauf hin, dass die Partei bei der Hamburg-Wahl für die Grünen zum Problem werden könnte.
Jubel und Entsetzen: Promis und Politiker reagieren auf Bundestagswahl
„Riesen-Energieschub“ für die Linke vor der Hamburg-Wahl: Steht die nächste Überraschung bevor?
Die Hamburger Linke zeigt sich vor der Wahl euphorisch. „Das ist ein Riesen-Energieschub für die Bürgerschaftswahl. Ich bin beflügelt zu sehen, dass die Themen, die wir gesetzt haben, so gut ankommen“, erklärte die Spitzenkandidatin Heike Sudmann gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Sudmann erwartet jedoch keinen massiven Zustrom von Grünen-Wählern. „In Hamburg ist ja vieles anders als im Bund. Ich weiß gar nicht, ob wir hier so besonders stark von Grünen-Wählern profitieren oder auch andere anlocken, wie Nichtwähler oder SPD-Wähler.“
Bei der Bundestagswahl wechselten knapp 700.000 Wähler von den Grünen zur Linkspartei. Ein ähnlicher Trend bei der Hamburg-Wahl könnte die Grünen auf den dritten Platz verdrängen. In jedem Fall könnte Peter Tschentscher als lachender Dritter aus der Wahl hervorgehen. Der SPD-Bürgermeister hätte dann die Wahl, mit welchem Partner er eine Koalition eingehen möchte – ein Szenario, von dem die meisten SPD-Politiker aktuell nur träumen können. (fd)