Bürgerschaftswahl 2025

Nach Schlappe bei der Bundestagswahl: Grünen könnte bei Hamburg-Wahl nächster Rückschlag drohen

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Nach der Bundestagswahl droht den Grünen ein weiterer Rückschlag. Bei der Hamburg-Wahl könnten sie auf den dritten Platz abrutschen – auch wegen der Linken.

Hamburg – Die politische Landschaft in Hamburg steht vor einer spannenden Phase. Nur eine Woche nach der Bundestagswahl werden die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt erneut zur Wahlurne gebeten, um ihre Stimmen bei der Bürgerschaftswahl 2025 abzugeben.

Vor der Hamburg-Wahl 2025: Wählerwanderung zur Linken – Grüne bangen um zweiten Platz

Die Ergebnisse der Bundestagswahl könnten einen Hinweis auf die bevorstehenden Entscheidungen bei der Hamburg-Wahl geben und bereiten den Grünen deswegen Kopfzerbrechen. Wird die Partei nach den Verlusten auf Bundesebene auch bei der Bürgerschaftswahl 2025 ins Hintertreffen geraten?

Hamburg hat sich in den letzten Jahren als politisch linke Hochburg in Deutschland etabliert. Seit der Wahl 2020 regiert eine Koalition aus SPD und Grünen mit einer deutlichen Mehrheit im Hamburger Senat. Doch diese rot-grüne Zusammenarbeit könnte nach der Bürgerschaftswahl 2025 enden. Die Grünen blicken besorgt auf den Aufstieg der Linken, die nach einem beeindruckenden Comeback mit 8,8 Prozent in den Bundestag eingezogen ist. Diese Entwicklung könnte sich auch bei der Hamburg-Wahl fortsetzen, da die Linke vor allem viele Stimmen von den Grünen abschöpfen konnte.

Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Zweite Bürgermeisterin von Hamburg, steht während des Landesparteitages von Bündnis 90/Die Grünen Hamburg auf der Bühne im Bürgerhaus Hamburg-Wilhelmsburg.

Sorge bei den Grünen: Spitzenkandidatin startet vor Bürgerschaftswahl 2025 Appell

Katharina Fegebank, die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bürgerschaftswahl 2025, hat daher zu Beginn der Wahlwoche einen eindringlichen Appell an die Wähler gerichtet: „Wer nächsten Montag nicht wie heute früh mit einer Stillstands-GroKo (Bündnis aus SPD und CDU, Anm. d. Red.) aufwachen will, muss Grün wählen!“, zitiert das Hamburger Abendblatt Fegebank. Sie warnte weiter: „In einer Koalition von Union und SPD im Bund werden die drängenden Zukunftsthemen nicht vorkommen. Das kann auch in Hamburg passieren.“

Ein Blick auf die aktuelle Sonntagsfrage zur Hamburg-Wahl zeigt, dass Fegebanks Sorgen nicht unbegründet sind. Laut einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD liegen die Grünen bei 18 Prozent, nur knapp vor der CDU.

Der Kampf um den zweiten Platz bei der Hamburg-Wahl könnte entscheidend dafür sein, wer als Juniorpartner in eine SPD-geführte Koalition eintritt. Die SPD unter Bürgermeister Peter Tschentscher muss zwar Verluste hinnehmen, bleibt aber mit 32 Prozent in den Umfragen klar stärkste Kraft. Eine schwarz-rote Koalition, wie von Fegebank befürchtet, ist also möglich.

Umfrage zur Hamburg-Wahl: SPD hofft bei Bürgerschaftswahl 2025 auf klaren Sieg

ParteiARD-Vorwahlumfrage (20. Februar 2025)
SPD32 Prozent
Grüne18 Prozent
CDU17 Prozent
Linke10 Prozent
AfD10 Prozent
FDP3 Prozent
BSW3 Prozent
Volt3 Prozent
Andere4 Prozent

Quelle: Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD; Erhebungszeitraum 17. bis 19. Februar 2025, 1.308 Befragte; Schwankungsbreite2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent

Nach der Hamburg-Wahl: Tschentscher könnte bei Koalitionspartnern die Wahl haben

Selbst wenn Tschentscher die Zusammenarbeit mit den Grünen fortsetzen möchte, könnten sich die Grünen in einer deutlich schwächeren Verhandlungsposition wieder finden, sollte die CDU ihre den Rang als zweitstärkste Kraft ablaufen.

Das zentrale Problem ist vor allem die erwartete Wählerwanderung von den Grünen zur Linken. In der ARD-Umfrage erreicht die Linkspartei 10 Prozent. Das Bundestagswahlergebnis in Hamburg, bei dem die Linke 14,4 Prozent der Zweitstimmen erhielt, deutet darauf hin, dass die Partei bei der Hamburg-Wahl für die Grünen zum Problem werden könnte.

Jubel und Entsetzen: Promis und Politiker reagieren auf Bundestagswahl

Friedrich Merz Bundestagswahl
Der Sieger der Bundestagswahl 2025 ist die Union. Das wiederum bedeutet, dass der nächste Bundeskanzler wohl auf den Namen Friedrich Merz hören wird. Zahlreiche Prominente und Politiker reagierten - ganz unterschiedlich - auf den Sieg des CDU-Chefs. © Christoph Reichwein/dpa
Hollywood-Star Ralf Moeller
Hollywood-Star Ralf Moeller gehörte zu den ersten Gratulanten von Merz. Der Schauspieler bekannt aus Filmen wie Gladiator gab dem CDU-Chef auch direkt ein paar Ratschläge mit auf den Weg. © Christian Charisius/dpa
FPÖ-Chef Herbert Kickl und Viktor Orban
Keine Glückwünsche an Friedrich Merz, dafür warme Worte für die AfD, kamen nach der Bundestagswahl aus Österreich und Ungarn. FPÖ-Chef Herbert Kickl (m.) sprach von einem „riesigen Loch“, das nun in der „Brandmauer der Einheitsparteien“ klaffe. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán (r.) wendete sich direkt an Alice Weidel und gratulierte der AfD-Spitzenkandidatin zur Verdopplung ihrer Stimmenanteile. © Tobias Steinmaurer/dpa
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.
Schauspieler Ralf Möller unterstützte bereits im Vorfeld der Wahl den CDU-Kandidaten Friedrich Merz. Gemeinsam ließen sich der Schauspieler und der Politiker bei einer Tischlerei in Berlin ablichten.  © Michael Kappeler
US-Präsident Donald Trump
Auch aus den USA trudelten Glückwünsche an Friedrich Merz ein. „Es sieht so aus, als hätte die konservative Partei in Deutschland die mit Spannung erwartete Wahl gewonnen“, schrieb Donald Trump nach der Bundestagswahl auf Truth Social. Es sei „ein großartiger Tag für Deutschland und die Vereinigten Staaten“, so der US-Präsident © John McDonnell/dpc
Elon Musk vor der Wahl für die AfD
Im Gegensatz dazu hatte sich Trumps Verbündeter Elon Musk vor der Wahl für die AfD ausgesprochen. Der Multimilliardär war sogar per Videoschalte beim Parteitag der Rechtspopulisten dabei. Nach der Wahl kommentierte Musk das gute Ergebnis der AfD bei Jung- und Erstwählern auf X mit den Worten: „Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit.“ © Hendrik Schmidt/dpa
Micky Beisenherz bei Maischberger
Micky Beisenherz hat in einer ersten Reaktion auf die Bundestagswahl das Bündnis Sahra Wagenknecht thematisiert. „BSW. Bundestag. Schön wär’s“, schrieb der Fernsehmoderator auf X, kurz nachdem die ersten Prognosen eingegangen waren, die das BSW unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde zeigten. © IMAGO/Thomas Bartilla
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.
Aufgrund von Umfragewerten rechnet die CDU mit einem Wahlsieg. Entsprechend groß ist der Zulauf der Wahlparty.  © Moritz Maier
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf?
Im Mittelpunkt der Wahlparty der CDU: Tritt der Spitzenkandidat Friedrich Merz hier als zukünftiger Kanzler auf? © Moritz Maier
Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken
Und tatsächlich: Kaum laufen die ersten Prognosen zur Bundestagswahl ein, reagieren Ines Schwerdtner, Heidi Reichinnek und Jan van Aken (Die Linke) mit ausgelassenem Jubel. © Carsten Koall/dpa
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.
Bei ihrer Wahlparty machen sich Mitglieder der Linken bereit, den überraschenden Wiedereinzug ins Parlament zu bejubeln.  © Sophia Sichtermann
Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl
Aus Russland kamen verhaltene Reaktionen auf die Bundestagswahl 2025. Außenminister Sergej Lawrow, hier mit seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baerbock, blieb ebenso stumm wie Staatschef Wladimir Putin. Einzig Regierungssprecher Dimitri Peskow gab ein knappes Statement ab: „Jedes Mal [wenn es eine neue Regierung gibt], hoffen wir auf einen nüchterneren Blick auf die Realität, auf Themen von beiderseitigem Interesse und gegenseitigem Nutzen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle
Jan Böhmermann, hier mit dem Rundfunk Tanzorchester in der Frankfurter Jahrhunderthalle, reagierte auf Blue Sky, dem inoffiziellen Nachfolger von X (ehemals Twitter), auf die Bundestagswahl. Der Moderator beschäftigte sich dabei vor allem mit den Wahlverlierern: Sahra Wagenknechts BSW und Christian Lindners FDP. © Boris Roessler/dpa
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truc
Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens Energy und Daimler Truck, reagierte verhalten auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Der neuen Regierung, mutmaßlich unter der Führung von Friedrich Merz, stünde ein „harter Kampf“ bevor, um Deutschlands Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das sagte der Unternehmenschef beim US-Sender CNBC. © THOMAS KIENZLE/AFP
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun
Arnd Franz (l.), Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Mahle, hier in Stuttgart mit Vorstandskollegen Markus Kapaun (r.) sieht nach der Bundestagswahl raschen Handlungsbedarf für die neue Regierung. „Aus unserer Sicht ist es wirklich an der Zeit zu handeln, und nach der gestrigen Wahl wünschen wir uns, dass sich die neue deutsche Regierung schnell zusammenfindet und dann entschlossene, sofortige Maßnahmen ergreift und auch eine lange, klare, langfristige Vision und einen Fahrplan aufstellt, um Europas Wirtschaft wirklich wieder auf Kurs zu bringen“, so der CEO im US-Fernsehsender CNBC. © Bernd Weißbrod/dpa
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.
Rennfahrer Ralf Schumacher ist für die Union. Er wünscht sich eine „eine konservativere und realistischere Politik“ in Deutschland, sagte er gegenüber der Bild.  © Rolf Vennenbernd
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.
Schlagerstar Roland Kaiser ist als SPD-Mitglied bekannt. „Der Sozialdemokrat ist tief in mir drin“, sagte der Sänger gegenüber der Bild.  © Carsten Koall
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.
Schauspielerin Jenny Elvers sagte gegenüber der Bild, dass sie die CDU wähle. Sie appelierte dabei „an alle, wählen zu gehen“.  © Georg Wendt/dpa
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.
Schauspieler und Rapper Massiv hat vor der Wahl bereits seine Unterstützung für das Bündnis Sahra Wagenknecht gegeben. Beim Thema Waffenlieferungen und Nahostkonflikt sei er genau auf einer Linie mit dem BSW, sagte er vor der Bundestagswahl.  © Jens Büttner/dpa
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.
Fußballer Roman Weidenfeller unterstützt die Union. „Meine Stimme für Merz, damit Deutschland wieder Tabellenführer wird“, sagte er der Bild-Zeitung.  © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.
Schauspieler Bruno Eyron votiert bei der Bundestagswahl 2025 für die FDP von Ex-Finanzminister Christian Lindner.  © IMAGO/Breuel-Bild
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.
Ex-Skispringer Sven Hannawald hat nach eigenen Angaben schon immer die Union gewählt habe. Für ihn seien CDU/CSU die Einzigen, die eine in Zukunft wieder funktionierende Wirtschaft garantieren könnten.  © Hendrik Schmidt/dpa
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“
Der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht zur Union: „Ich wähle selbstverständlich CDU und gebe Herrn Merz meine Stimme, weil wir eine starke CDU brauchen und eine erfahrene Person, damit wir endlich wieder eine Führung haben, die unser Land gerade auch gegenüber den USA verantwortungsbewusst und mit Weitsicht führt!“  © Bernd Weißbrod/dpa
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.
Sänger Thomas Anders erklärt, dass er die politische Position von Friedrich Merz und der CDU unterstütze. Die Union biete seiner Meinung nach Lösungen für Deutschlands Zukunft.  © Thomas Frey/dpa
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“
Schauspielerin Uschi Glas gibt ihre Stimme der Union. „In Bayern hat die CSU auch sehr viel an Innovationen auf die Beine gestellt, was ich ganz toll finde.“ © Felix Hörhager/dpa

„Riesen-Energieschub“ für die Linke vor der Hamburg-Wahl: Steht die nächste Überraschung bevor?

Die Hamburger Linke zeigt sich vor der Wahl euphorisch. „Das ist ein Riesen-Energieschub für die Bürgerschaftswahl. Ich bin beflügelt zu sehen, dass die Themen, die wir gesetzt haben, so gut ankommen“, erklärte die Spitzenkandidatin Heike Sudmann gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Sudmann erwartet jedoch keinen massiven Zustrom von Grünen-Wählern. „In Hamburg ist ja vieles anders als im Bund. Ich weiß gar nicht, ob wir hier so besonders stark von Grünen-Wählern profitieren oder auch andere anlocken, wie Nichtwähler oder SPD-Wähler.“

Die Bundestagswahl hatte bereits Auswirkungen auf die Hamburger Linke. Cansu Özdemir, die zusammen mit Sudmann das Spitzenduo für die Bürgerschaftswahl 2025 bildet, zog völlig überraschend über die Landesliste in den Bundestag ein und steht nun vor einem Dilemma.

Bei der Bundestagswahl wechselten knapp 700.000 Wähler von den Grünen zur Linkspartei. Ein ähnlicher Trend bei der Hamburg-Wahl könnte die Grünen auf den dritten Platz verdrängen. In jedem Fall könnte Peter Tschentscher als lachender Dritter aus der Wahl hervorgehen. Der SPD-Bürgermeister hätte dann die Wahl, mit welchem Partner er eine Koalition eingehen möchte – ein Szenario, von dem die meisten SPD-Politiker aktuell nur träumen können. (fd)

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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