VonKarsten-Dirk Hinzmannschließen
Markige Worte vom ukrainischen Geheimdienstchef: Er sagt den Sieg über Russland für spätestens Ende 2024 voraus.
Kiew – Kyrylo Budanow lässt keinen Zweifel aufkommen: Russland halte im Ukraine-Krieg kein Jahr mehr durch. Das hat der Generalleutnant und Chef des Militärischen Sicherheitsdienstes beim „Yalta European Strategy“-Kongress (YES) in Kiew gesagt, wie unter anderem newsweek.com berichtet: Die russische Führung habe sich mit der groß angelegten Invasion überhoben. Budanow wollte angesichts von Drohnenangriffen der Ukraine gar „sichere Anzeichen von Panik“ unter der russischen Bevölkerung erkennen. Gleichzeitig möchte er strategische Bombardements ausweiten.
Er sehe den Feind „physisch am Boden“, sagte Budanow, langer Widerstand sei nicht mehr zu erwarten: „Aufgrund unserer Daten bin ich persönlich der Meinung, dass der Krieg kein länger dauernder Konflikt sein wird.“ Er hält den Krieg bis Ende 2024 für gewonnen und die international anerkannten Grenzen der Ukraine für wiederhergestellt.
Ukraine-Krieg: Budanow will gewinnen anstatt zu verhandeln
Kompromisse nach Verhandlungen betrachtet der Geheimdienstler nach eigenen Angaben als schlichtes „Einfrieren der bewaffneten Auseinandersetzungen“, wie er sagte. Deshalb sieht er auch keine Alternative zur Fortsetzung der strategischen Bombardements Russlands durch ukrainische Drohnen. Zuletzt hatten Drohnen der Ukraine sogar die Moskauer Innenstadt getroffen. Budanows Äußerungen werfen damit auch einen Schatten auf die Diskussionen über die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern aus Deutschland.
Aktuell diskutiert die Bundesregierung, ob sie Kiew das Taurus-System im Ukraine-Krieg liefern wird. Damit ließen sich Ziele weit hinter der Front in Russland treffen, was die Zweifel von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) begründet. Er bremst die Lieferung aufgrund von deren Reichweite. Die jüngsten Äußerungen Budanows deuten tatsächlich eher darauf, dass er die russischen Angreifer in die Knie zwingen will anstatt an den Verhandlungstisch. Ein Einschlag westlicher Waffen auf russischem Staatsgebiet – auch auf völkerrechtswidrig von Russland besetzten Gebieten wie der Krim – könnte Russland als Aggression durch das nordatlantische Verteidigungsbündnis Nato werten und entsprechend beantworten.
Ukraine will weiter in Russland bombardieren: Putins Föderation „nicht mehr in der Form“ von vor der Invasion
Ohnehin hatte sich der amerikanische Generalleutnant Ben Hodges ganz klar für „strategisches Bombardement“, wie er sagte, ausgesprochen: Strategisches Bombardieren zielt rein auf Infrastruktur – Munitionsfabriken, Ölraffinerien, Depots und ähnliches. Neben dem materiellen Schaden sollen die Drohnen-Angriffe aber auch die Nerven der Gegner zermürben und damit den Druck auf den obersten russischen Kriegsherren Wladimir Putin erhöhen. Verbunden mit Sabotage-Akten sind strategische Bombardierungen Hodges zufolge ein essenzieller Teil von Offensiven auf dem Boden.
Der ukrainische Sicherheitschef spekuliert genau darauf: dass dadurch das russische Regime zu bröckeln beginnt und die militärische Front von innen zusammenfällt – das macht er letztendlich auch am Wagner-Aufstand fest und der öffentlichen Kritik von deren inzwischen verstorbenem Führer Jewgeni Prigoschin an Kreml-Chef Wladimir Putin. Budanow: „Die russische Föderation ist nicht mehr in der Form, in der sie vor der Invasion gewesen ist.“
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