Drei Szenarien denkbar

Ampel sinkt weiter in die Notlage: Unvorhersehbare Zukunft – was nun drohen könnte

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Die Ampel-Koalition gerät immer tiefer in Dispute. Raffen sich die Partner noch einmal zusammen oder droht der Bruch? Drei Szenarien.

Frankfurt – Knapp drei Jahre nach ihrer Wahl steht die Ampel-Koalition endgültig vor dem Scheideweg. Auch von den Mitgliedern der Koalition wurde das Bündnis längst als Übergangslösung abgetan. Nach der Bundestagswahl 2025 werden SPD, Grüne und FDP wohl wieder getrennte Wege gehen – das scheint sicher. Doch die Zweifel werden immer lauter, ob die Ampel überhaupt noch so lange durchhält. Zwei am Dienstag separat stattfindende Treffen mit Wirtschaftsvertretern zeigen der Öffentlichkeit einmal mehr die Zerstrittenheit des Bündnisses. Die Sprengung der Koalition könnte kurz bevorstehen. Wie geht es mit der Bundesregierung weiter? Drei Szenarien sind denkbar.

Droht der Ampel-Koalition der Bruch? In Fraktionskreisen kursieren schon erste Termine für eine vorgezogene Neuwahl.

Ampel-Koalition vor dem Bruch: Wirtschaftsgipfel heizen Streit zwischen Scholz und Lindner an

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) trifft sich am Dienstag im Kanzleramt mit Industrieverbänden, Gewerkschaften und großen Unternehmen, um über Wege raus aus dem wirtschaftlichen Tief zu beraten. Nicht auf der Gästeliste: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) – ein öffentlicher Affront gegen die Ampel-Partner.

FDP-Chef Lindner rief deswegen seinerseits einen eigenen Wirtschaftsgipfel ins Leben, der wenige Stunden zuvor gegenüber vom Kanzleramt abgehalten werden soll. Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken kritisierte Lindners Vorgehen am Montag bei RTL/ntv als „kindisch“. Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) nannte die Abwesenheit von Lindner und Habeck „bezeichnend“ für den Zustand der Ampel. Die Nerven liegen zum Teil bereits blank – doch reicht es für den Bruch der Koalition?

Haushalt 2025 als Knackpunkt für Ampel-Bruch – steht die Koalition vor dem Aus?

Entscheidend für den Fortbestand der Ampel dürften erst einmal die Verabschiedung des Haushalts für das Jahr 2025 werden. Schon im vergangenen Jahr führten die Debatten über den Haushalt die Ampel-Koalition über Wochen hinweg an ihre Belastungsgrenzen. Auch in diesem Jahr droht erneut Ärger. Denn die Steuereinnahmen im Bund fallen geringer aus als angedacht, weswegen Linder mit einem einstelligen Milliarden-Betrag rechnet, der noch eingespart werden muss. Auch wenn die Haushaltspolitiker der Ampel-Fraktionen einem Spiegel-Bericht zufolge noch optimistisch sind, scheint der Streit um die Einsparungen vorprogrammiert. Abhängig von den Ergebnissen der Haushaltsdebatten sind drei Szenarien denkbar.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Ampel-Szenario 1: Koalition hält bis zur Bundestagswahl 2025 durch

Sollten sich die Ampel-Partner auf einen Haushalt für das Jahr 2025 einigen können, stünde einer Fortsetzung der Koalition erst einmal nichts im Weg. Denn klar ist auch: Niemand in der Ampel dürfte aktuell Interesse an Neuwahlen haben. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa kommt die Kanzler-Partei SPD nur noch auf 15 Prozent. Den Grünen droht bei 11 Prozent das Abrutschen in die Einstelligkeit und die FDP würde mit 4 Prozent Stand jetzt sogar den Einzug in das Parlament verpassen.

Die Ampel könnte somit versuchen, sich in die parlamentarische Sommerpause zu „hinüberzuretten“ und dann nach der Bundestagswahl 2025 getrennte Wege gehen. Der designierte Co-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, sagte zuletzt im Handelsblatt über den Zustand der Koalition: „Die Ampel ist schon wie eine Ehe im Trennungsjahr: Man weiß, dass die Liebe nicht wiederkommt, aber man hat schon noch Verantwortung für die Kinder.“ Dieser Verantwortung könnten die Ampel-Partner noch gerecht werden wollen.

Ampel-Szenario 2: Koalition zerbricht am Haushalt – vorgezogene Neuwahlen im Frühjahr

Die Fortsetzung der Regierungsarbeit ist aber nur mit einem verabschiedeten Bundeshaushalt denkbar. Erster Stichtag dürfte dabei der 14. November sein. Da ist die Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss angesetzt, in der laut Website des Bundestags „die letzten und strittigsten Fragen geklärt werden“ sollen. Eine ausbleibende Einigung könnte hierbei endgültig das Ende der Ampel-Koalition einleiten. Dann würde Deutschland vor Neuwahlen stehen. Hierfür könnte Scholz im Parlament die Vertrauensfrage stellen und Bundespräsident Steinmeier bei deren Scheitern anschließend vorgezogene Neuwahlen ansetzen.

Als möglicher Termin für die Wahlen könnte sich der 2. März anbieten, wenn mit der Bürgerschaftswahl in Hamburg die einzige Landtagswahl im Jahr 2025 angesetzt ist. Der Deutschlandfunk berichtete am Dienstag wiederum, dass der 9. März in Koalitionskreisen bereits als Termin für vorgezogene Neuwahlen kursiert. Großer Profiteur könnte in diesem Fall die CDU von Friedrich Merz sein, die in den Umfragen deutlich in Front liegt.

Ampel-Szenario 3: FDP steigt aus der Koalition aus – Zweierbündnis macht weiter

Ein drittes Szenario denkbar, falls sich die Ampel zwar auf einen Haushalt einigen kann, im Nachgang aber an anderen Streitigkeiten zerbricht. Ein denkbarer Spaltpilz wäre dabei die erneute Aufnahme von Schulden für Wirtschaftshilfen. Entscheidender Akteur dürfte hierbei FDP-Chef Lindner sein, der seine Partei aus der Koalition herausführen könnte, um weiteren Schaden abzuwenden.

Dann könnten SPD und Grüne bis zur Bundestagswahl 2025 als Zweier-Bündnis in einer Minderheitsregierung weitermachen. Für Mehrheiten im Bundestag bräuchte man dann aber punktuell die Unterstützung von CDU oder FDP, die das Minderheitsbündnis tolerieren müssten. Ein instabiles, aber nicht undenkbares Szenario für die verbleibenden Monate der Legislaturperiode.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) könnte seine Partei aus der Ampel-Koalition herausführen.

Zerstrittene Ampel-Koalition: Wirtschaftsvertreter ärgern sich über „Wahlkampftaktik“

Auch wenn die Wirtschaftsgipfel am Dienstag wohl nicht das Ende der Ampel-Koalition besiegeln werden, könnten sie dieses jedoch weiter einleiten. Genervt von den ewigen Streitigkeiten der Ampel-Regierung zeigten sich zumindest auch die Wirtschaftsvertreter. „Ein gemeinsamer, schlüssiger und abgestimmter Regierungsplan ist nötig – keine zersplitterte Partei- oder Wahlkampftaktik“, beklagte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, am Dienstag gegenüber der dpa. Viel Zeit bleibt der Koalition dafür jedoch nicht mehr. (fd)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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