Russland vertuscht Verluste von Nordkorea-Soldaten in Kursk
VonSimon Schröder
schließen
Dass nordkoreanische Soldaten in Kursk sind, ist schon lange bekannt. Gegen die Truppen der Ukraine schlagen sich die Soldaten mehr schlecht als recht.
Moskau/Kiew – Laut einigen Berichten aus der Ukraine und dem Pentagon sollen die nordkoreanischen Soldaten in Kursk auch erstmals an Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg beteiligt gewesen sein. Am 16. Dezember bestätigte das Pentagon, dass die ersten Nordkoreaner an der Front in der Ukraine getötet und verwundet wurden. „Wir gehen davon aus, dass nordkoreanische Soldaten in Kursk gekämpft haben … wir haben Hinweise darauf, dass sie Verluste erlitten haben, sowohl Tote als auch Verwundete“, so der Pentagon-Sprecher und Generalmajor Pat Ryder.
Nach ukrainischen Angaben belaufen sich die Verluste Nordkoreas auf mindestens 30 Mann. Diese Zahlen können jedoch nicht unabhängig überprüft werden. Die nordkoreanischen Truppen sind weiterhin in Kursk stationiert, wo sie die russische Armee unterstützen. John Kirby, Sprecher des „Nationalen Sicherheitsrats“, äußerte sich aus dem Weißen Haus und betonte, dass die Bewegungen der nordkoreanischen Truppen genau beobachtet werden. Erstmals nehmen die Kämpfer Kim Jong-uns aktiv am Kampfgeschehen teil.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Selenskyj mit Anschuldigungen an Russland: Putin versucht Nordkorea-Verluste zu verheimlichen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigte Russland und insbesondere Wladimir Putin, die Verluste der Nordkoreaner verheimlichen zu wollen. Er äußerte sich zur Situation in Kursk: „Es gibt keinen einzigen Grund für die Nordkoreaner in diesem Krieg zu sterben. Der einzige Grund ist Putins Wahnsinn, der Russland eingenommen hat und diesen Krieg vorantreibt.“
Selenskyj behauptete am Montag, die Russen würden die Gesichter der gefallenen koreanischen Soldaten „verbrennen“. Der Kyiv Independent berichtete über ein Video, das russische Soldaten zeigt, wie sie ihre gefallenen nordkoreanischen Kameraden verbrennen. Die Echtheit des Videos konnte jedoch nicht bestätigt werden.
Ukraine-Krieg: Nordkoreaner auf dem Schlachtfeld an der Ukraine-Front
Die Verluste der Nordkoreaner im Ukraine-Krieg sollen vom vergangenen Wochenende stammen, als in einigen kleinen russischen Dörfern Scharmützel ausgetragen wurden. Der ukrainische Geheimdienst (GUR) gab an, dass die Gruppengröße, mit der sich die Truppen über das Schlachtfeld bewegten, zu groß gewesen sei. Dies sei ein Indikator dafür, dass es sich um nordkoreanische Truppen handelte. Die russische Armee agiert normalerweise in kleineren Gruppen, um das Risiko zu minimieren, von ukrainischen Angriffen getroffen zu werden. Die Nordkoreaner hingegen wirkten völlig unvorbereitet und unkoordiniert.
Ein Drohnenkommandeur mit dem Rufzeichen Boxer äußerte sich über den Angriff: „Die Nordkoreaner rennen über die Felder und es sind so viele von ihnen. Sie verstehen nicht, was hier passiert“, zitiert die Washington Post den Soldaten. Das letzte Mal, dass die nordkoreanische Armee aktiv an einem Krieg teilnahm, liegt 70 Jahre zurück. Das „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) kommentierte den Einsatz der nordkoreanischen Truppen in Kursk: „Dieser Einsatz ist historisch für Nordkorea, das bisher zwar Beratungs- oder Spezialistengruppen ins Ausland geschickt hat, aber noch nie eine große Bodentruppe.“
„Historischer“ Einsatz für Kims Truppen in Russland – Fortschritte Putins in der Ukraine
Das nordkoreanische Militär war in der Vergangenheit an kleineren Konflikten beteiligt, wie beispielsweise am Bürgerkrieg in Syrien, als Kim Jong-un kleinere Spezialeinheiten zur Unterstützung des syrischen Diktators Baschar al-Assad in den Nahen Osten entsandte. Seit dem Korea-Krieg war das Land jedoch nicht mehr an einer solchen Konfrontation wie an der Ukraine-Front beteiligt.
Laut einem Bericht auf Forbes haben die Nordkoreaner an einem einzigen Tag bereits vier Prozent ihrer Kampfkraft in Kursk verloren. Forbes beruft sich dabei auf mehrere lokale Journalisten und Regierungsquellen aus Kiew. Bei einem Angriff auf ein russisches Dorf, das von der Ukraine in Kursk gehalten wird, waren etwa 500 Nordkoreaner beteiligt. Obwohl es der Angriffstruppe gelang, die rund 100 Ukrainer aus ihren Stellungen zu vertreiben, soll dabei etwa die Hälfte der Nordkoreaner gefallen sein, berichtet der ukrainische Journalist Andriw Tsaplienko auf Telegram. Insgesamt sollen in Kursk zwischen 10 und 12.000 Nordkoreaner stationiert sein.
In den letzten Monaten hat die russische Armee im Ukraine-Krieg versucht, Territorium zu gewinnen. Aktuell scheint dies auch zu gelingen. Doch die Gewinne an der Ukraine-Front haben einen hohen Preis für die russische Armee. Im November verzeichnete Russland Rekordverluste im Ukraine-Krieg. Nun scheinen auch die nordkoreanischen Truppen betroffen zu sein. (sischr)