Russland setzt iranische Qaem-5-Lenkbomben gegen die Ukraine ein – „Neues Level“
VonLukas Rogalla
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Russland nutzt im Ukraine-Krieg laut einem Bericht erstmals eine hochmoderne Lenkbombe aus dem Iran. Der Westen warnt Teheran vor weiteren Militärhilfen.
Moskau – Im Ukraine-Krieg setzt Russland weiter auf Luftangriffe gegen Infrastruktur, aber auch zivile Objekte. Bei russischen Angriffen in den Grenzregionen Charkiw und Sumy kommen verschiedene Waffen zum Einsatz, darunter zunehmend Lenkbomben, die für die ukrainische Luftverteidigung schwer zu stoppen sind.
Die meisten dieser Bomben kommen aus Russland selbst. Putins Streitkräfte haben auch neue, hochmoderne Fliegerbomben erhalten, und zwar aus dem Iran. Diese werden nun offenbar im Krieg verwendet.
Russland nutzt Lenkbombe und Drohne aus dem Iran gegen die Ukraine
Am vergangenen Wochenende (25./26. Mai) soll eine Drohne vom Typ Qods Mohadscher-6 in der russischen Oblast Kursk, nahe der ukrainischen Grenze, abgestürzt sein. Das berichtet Julian Röpcke von der Bild auf X. Ein Video auf der Plattform soll das abgestürzte Flugobjekt mitsamt Bewaffnung in Form einer iranischen Bombe zeigen.
Wow!
➡️A Qods Mohajer-6 UAV, fully armed with Qaem air-to-ground bombs, crashed in *drums* #Kursk oblast near Ukraine.
Die Mohadscher-6 ist schon länger im Ukraine-Krieg im Einsatz. Nach dem Kauf einer unbekannten Zahl iranischer Drohnen durch Russland wird sie regelmäßig über der Ukraine gesichtet. Eine solche Drohne war beispielsweise im Juli 2023 über der Krim abgeschossen und auch schon in den ersten Kriegsmonaten bei Odessa erbeutet worden. Neu soll nun allerdings ihre Bewaffnung sein. Die Mohadscher-6 in Kursk war Röpcke zufolge mit einer der neuesten iranischen Lenkbomben ausgestattet, nämlich mit der Qaem-5.
Die Bombe hat der Iran erst 2019 in Betrieb genommen, berichten iranische Medien. Sie verfügt laut dem Iran unter anderem über einen Infrarot- sowie einen Lasersucher und könne bei jeder Wetterlage präzise ihr Ziel treffen. Die Qaem-Bombe muss in Höhe von ca. 1200 bis 3000 Metern abgeworfen werden und hat dabei eine Reichweite von 12 bis 40 Kilometern. Die Qaem-5 ist 108 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 15,2 Zentimetern. Zusammen mit ihrem Sprengkopf kommt sie auf ein Gewicht von 20 Kilogramm.
„Neues Level“: Iran und Russland vertiefen Kooperation bei Aufrüstung
Die iranische Unterstützung für Russland in Form von Waffen habe ein „neues Level“ erreicht, meint Röpcke. Bei diesem Einsatz sei ein Drohnenangriff auf die Oblast Sumy vorgesehen gewesen, allerdings sei sie aus unbekannten Gründen bereits in Kursk abgestürzt, berichtet die Ukrajinska Prawda.
Dieses vom iranischen Ministerium für Verteidigung zur Verfügung gestellte Foto zeigt die drei vom Iran hergestellten Luft-Luft-Raketen „Balaban“, „Yasin“ und „Ghaem“ („Qaem“), die bei einer Enthüllungszeremonie 2019 vorgestellt wurden. Auch Russland soll im Besitz von Qaem-Bomben sein. (Archivfoto)
Waffen im Ukraine-Krieg: Westen verurteilt Unterstützung Russlands aus dem Iran
Wegen der „militärischen Unterstützung des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine“ hat die EU Sanktionen gegen den Iran verhängt. „Die Europäische Union verurteilt auf das Schärfste jede Art militärischer Unterstützung durch Iran, einschließlich der Lieferung unbemannter Fluggeräte (Drohnen) (…) und hält diese Unterstützung für inakzeptabel“, heißt es aus Brüssel.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Auch die G7-Staaten hatten diesbezüglich eine Erklärung abgegeben: „Wir sind äußerst besorgt über Berichte, nach denen Iran die Lieferung von ballistischen Raketen und diesbezüglicher Technologie an Russland in Erwägung zieht. Wir rufen Iran auf, dies nicht zu tun, da es eine erhebliche materielle Eskalation seiner Unterstützung des Krieges Russlands in der Ukraine darstellen würde“, heißt es. „Sollte Iran tatsächlich ballistische Raketen oder diesbezügliche Technologie an Russland liefern, sind wir darauf vorbereitet, rasch und in abgestimmter Weise zu reagieren, auch mit neuen und schwerwiegenden Maßnahmen gegen Iran.“ (Lukas Rogalla)