„Auf frischer Tat ertappt“

Anschlag gegen Selenskyj geplant? Ukraine präsentiert mutmaßliche Russland-Kollaborateurin

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Der ukrainische Geheimdienst SBU präsentiert öffentlichkeitswirksam eine mögliche Kollaborateurin - es ist von einem geplanten Attentat auf Selenskyj die Rede.

Kiew - Ukrainische Geheimdienste haben eine Frau festgenommen - wegen des Verdachts, Russland bei einem geplanten Attentat auf Wolodymyr Selenskyj unterstützt zu haben. Die Festgenommene soll im Lager eines ukrainischen Militärstützpunkts gearbeitet haben, wie der ukrainische Dienst SBU am Montag (7. August) mitteilte. Angeblich hat sie dort versucht, Details zu Zeitplan und Ablauf eines Besuchs Selenskyjs in der Region Mykolajiw zu erhalten.

Die Frau habe für russische Geheimdienste relevante Erkenntnisse über die Pläne Selenskyjs gesammelt, erklärte der Geheimdienst SBU. Sie soll Russland dabei geholfen haben, einen „schweren Luftangriff auf die Region Mykolajiw vorzubereiten“. Der SBU veröffentlichte auch ein verwackeltes Foto der von Agenten festgehaltenen Frau sowie Textnachrichten und handschriftliche Notizen zu militärischen Aktivitäten.

Ukraine-Krieg: Angeblich Anschlagsplan gegen Selenskyj - Spionin in Militär-Lager?

Die in der Kleinstadt Otschakiw am Schwarzen Meer lebende Frau habe zudem versucht, Informationen über den Standort ukrainischer Systeme der elektronischen Kriegsführung und Munitionslager zu erhalten. Gerade die elektronische Kriegsführung war in den vergangenen Wochen in den Blickpunkt gerückt.

Wolodymyr Selenskyj Anfang Juni bei seiner Reise nach Mykolajiw, Cherson und Dnipropetrowsk.

Der Frau wird nun den Angaben zufolge die unbefugte Weitergabe von Informationen über Truppenbewegungen zur Last gelegt. Laut dem Geheimdienst drohen ihr dafür bis zu zwölf Jahre Haft. Selenskyj selbst schrieb am Montag im Online-Dienst Telegram, der Geheimdienst habe ihn über den Anschlagsversuch und den „Kampf gegen Verräter“ in der Ukraine unterrichtet.

Mutmaßliche Russland-Spionin „auf frischer Tat ertappt“ - Geheimdienste erheben immer wieder Vorwürfe

Selenskyj hatte die Region Mykolajiw im Juni nach dem Teilbruch des Kachowka-Damms besucht. Der Stausee hatte damals weite Teile der Südukraine überschwemmt. Auch Ende Juli, nach russischen Angriffen mit mehreren Toten, war der ukrainische Präsident in der Region zu Gast.

Der SBU nahm die Frau eigenen Angaben zufolge nicht sofort nach ihrer Enttarnung fest - sondern beobachtete sie zunächst weiter, um Informationen über ihre russischen Kontaktpersonen und die „ihr zugewiesenen Aufgaben“ zu erhalten. Um den Besuch Selenskyjs in der Region Mykolajiw abzusichern, seien „zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen“ worden.

Die Verdächtige sei später „auf frischer Tat ertappt“ worden, als sie versucht habe, ihre Erkenntnisse an russische Geheimdienste zu übermitteln. Ukrainische Behörden geben regelmäßig Festnahmen in der Ukraine lebender Menschen bekannt, denen Kollaboration mit der russischen Armee vorgeworfen wird. (AFP/fn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/PRESIDENT OF UKRAINE/apaimages

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