„Architekt des Misserfolgs“: Juso-Chef attackiert Klingbeil nach SPD-Pleite
VonLea Winkler
schließen
Die SPD hatte sich für die Bundestagswahl rosigere Ergebnisse erhofft. Juso-Chef Philipp Türmer schiebt die Niederlage der SPD-Spitze in die Schuhe.
Berlin – Die Union mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz geht als stärkste Kraft aus der vorgezogenen Bundestagswahl hervor. Die SPD erleidet eine herbe Niederlage: Mit einem Verlust von über 9 Prozent seit der letzten Wahl landet sie nur auf Platz drei und erzielt das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte. Viele Bürgerinnen und Bürger machen die schlechte Arbeit der Ampel-Koalition dafür verantwortlich. Selbst aus den eigenen Reihen kommt scharfe Kritik.
Lars Klingbeil will nach SPD-Niederlage Fraktionschef werden: „fatales“ Vorgehen
Am Wahlabend verkündete Lars Klingbeil im Interview in der ARD, dass nach der „krachenden Wahlniederlage“ Modernisierungsschritte beim Programm und Personal der SPD notwendig seien. Die Sozialdemokratie müsse wieder handlungsfähig werden. Er selbst sehe sich dabei als führende Person. In seiner Zeit als SPD-Generalsekretär habe er bereits bewiesen, „dass ich die Partei voranbringen kann.“
Das SPD-Präsidium hat Parteichef Lars Klingbeil als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion vorgeschlagen. Er werde am Mittwoch in Absprache mit dem bisherigen Fraktionschef Rolf Mützenich um dessen Nachfolge kandidieren. „Parteivorsitz und Fraktionsvorsitz werden dann in einer Hand liegen“, so der 47-Jährige. Für Juso-Chef Philipp Türmer jedoch ein „fatales“ Vorgehen: „Als erste Reaktion greift einer der Architekten des Misserfolgs nach dem Fraktionsvorsitz.“ Der angekündigte Generationswechsel dürfe „keine Metapher sein für: ‚Ich‘“. Der nächste Parteitag könne „der richtige Ort“ für eine Neuaufstellung und Neuausrichtung der SPD sein.
Bundestagswahl 2025: Freude, Frust, Krimis – die wichtigsten Entscheidungen aus Bayern
Nach der Bundestagswahl heftige Kritik an SPD-Parteispitze: Klingbeil schuld an Wahlniederlage
Die Wahlkampagne der SPD sei eine „einzige Stolperpartie“ gewesen, erklärte Türmer im Spiegel-Interview. Schon die Auswahl des Kanzlerkandidaten sei ein falsch gewesen. „Auch danach ist es uns nicht gelungen, gute Forderungen des Wahlprogramms in den Mittelpunkt zu stellen.“ Mit Olaf Scholz als Kandidaten habe sich die SPD das „Gesicht der Ampel“ aufgebürdet. Die Verantwortung trage die Parteispitze um Lars Klingbeil und Saskia Esken – nicht nur für die Kandidatenwahl und den Wahlkampf, sondern auch für die Wahlniederlage.
Kommt nach der Bundestagswahl die „GroKo“? „Der Ball liegt jetzt bei der Union“
Friedrich Merz und die Union haben nicht die absolute Mehrheit erreicht und müssen mit mindestens einer weiteren Partei koalieren. Die AfD hat Merz kategorisch ausgeschlossen. Eine Koalition mit der SPD wäre möglich. „Der Ball liegt jetzt bei der Union. Friedrich Merz muss zu Verhandlungen einladen. Wenn es dazu kommt, erwarte ich harte Gespräche. Die SPD muss mit klaren, roten Linien reingehen“, erklärt Türmer.
Türmers Forderungen:
Friedrich Merz müsse sich für die „De-facto-Zusammenarbeit“ mit der AfD entschuldigen
Das Schließen aller Binnengrenzen sei keine Option
Individuelles Recht aus Asyl soll gewahrt werden
95 Prozent der Einkommensteuerzahler sollen entlastet werden
Mindestlohn auf 15 Euro erhöhen
Investitionen und Verteidigungsausgaben müssen von der Schuldenbremse ausgenommen und kreditfinanziert werden
Bürgergeld soll bestehen bleiben
Türmer erklärte im Spiegel-Interview weiter, dass Wählerinnen und Wähler immer noch mit den sozialdemokratischen Grundwerten übereinstimmten, im Moment jedoch kein Zuhause in der SPD fänden. Sie würden der Partei nicht vertrauen. Man müsse sich fragen, woran das liege, die Inhalte schärfen und die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Seiner Ansicht nach könne ein Grundsatzprogrammprozess diese Aufgabe leisten. (lw)