SPD ziert sich

Eine Groko, die keine mehr ist: Welche Koalitions-Alternativen Merz jetzt hat

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Nach der Bundestagswahl beginnen die Sondierungen für Koalitionen. Merz wird wohl mit der SPD verhandeln. Welche Alternativen hat er, wenn er scheitert?

Berlin – Nach der Bundestagswahl ist klar, dass die Union mit 28,5 Prozent stärkste Partei ist. Klar ist noch nicht, was CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz mit diesem Ergebnis und denen der übrigen Parteien machen wird. Wobei er eigentlich nur eine Alternative hat, wenn er der neue Kanzler werden will: eine Koalition mit der SPD einzugehen.

Merz steht vor Koalitionsfrage nach der Bundestagswahl und hat kaum Alternativen

Damit hat sich für die Union ein großer Wunsch erfüllt: Dass es für eine schwarz-rote Mehrheit im Bundestag nach der Wahl reicht. Und das war haarscharf: Hätte das BSW von Sahra Wagenknecht nur 14.000 Stimme mehr gehabt, wäre sie ebenfalls im Bundestag. Die Sitzverteilung wäre dann anders gewesen und Merz hätte noch einen dritten Koalitionspartner gebraucht.

Weil die FDP ebenfalls rausgeflogen ist, wären nur die Grünen übrig geblieben. Merz hätte vor dem Schlamassel gestanden, dass er das wahrmachen hätte müssen, was er und vor allem CSU-Chef Markus Söder keinesfalls wollten: Eine Koalition mit den Grünen.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Große Koalition aus Union und SPD: Begriff nicht mehr aktuell – „Große“ wäre Bündnis mit AfD

Nun läuft es also wohl darauf hinaus, was viele noch als Große Koalition im Gedächtnis haben: Eine Koalition aus schwarz und rot, aus Union und SPD. Wobei der Begriff Große Koalition, kurz: Groko, heute nicht mehr zutrifft. „Groß“ wäre solch eine Koalition nur, wenn sich die beiden zahlenmäßig größten Parteien des Bundestags darin zusammenfinden würden.

Die SPD ist aber mit 16,4 Prozent nur auf dem dritten Platz, hinter der AfD mit 20,8 Prozent. Eine Große Koalition wäre laut den Ergebnissen der Bundestagswahl 2025 also eine aus CDU/CSU und AfD – ein schwarz-blaue. Eine solche will Merz aber auf keinen Fall. Wegen der in der AfD herrschenden Ausländerfeindlichkeit, Europa-Skepsis und Putin-Treue würde er damit „die Seele der Union verkaufen“, wiederholte der CDU-Chef mehrfach.

Aus einstiger Großen Koalition wird dünne Mehrheit von CDU/CSU und SPD

Aus der einstigen Groko zwischen SPD und Union ist nach der Bundestagswahl eine dünne Mehrheit geworden: SPD und Union kommen nach dem vorläufigen Endergebnis auf 328 von 630 Sitzen im Parlament. Dass, wie der Begriff „Große Koalition“ suggeriert, mit schwarz-rot eine große Mehrheit der Wahlberechtigten in der Regierung abgedeckt wird, ist jetzt nicht mehr der Fall. So schreibt auch schon die Welt am Tag nach der Wahl: „Der technische Terminus für solch ein Zwei-Parteien-Bündnis lautet ,Kleine Koalition‘. An diese korrekte Bezeichnung sollten sich die Deutschen gewöhnen.“

Eine Koalition aus Union und SPD steht nach der Bundestagswahl im Raum. Verhandeln wird Friedrich Merz (r.) womöglich mit Lars Klingbeil.

Dass es überhaupt zu schwarz-rot nach der Wahl kommt, ist aber alles andere als ausgemacht: Die SPD hat bei der Bundestagswahl derart viele Federn gelassen, dass nicht alle in der Partei der Meinung sind, ein erneutes Regieren täte ihr gut. Olaf Scholz will sich an den Sondierungen nicht beteiligen, und führende SPD-Politiker stellten bereits klar, dass sie zuerst ihre Mitglieder befragen wollen, ob eine Koalition mit Merz wirklich eingegangen werden soll. Was aber, wenn die Basis Nein sagt?

Alternativen von Merz zu Koalition mit SPD: Minderheitsregierung oder Neuwahlen

Alternativen für Koalitionen hat Merz kaum. Mit der AfD will er nicht, mit den Grünen allein reicht es nicht. Es bliebe rechnerisch ein Bündnis aus Union, Grünen und Die Linke. Mit der linken Partei in eine Koalition will Merz aber sicherlich auch nicht – und diese auch nicht mit ihm. Zu riesig sind die inhaltlichen Differenzen.

Also eine Minderheitsregierung? Davon spricht man, wenn eine Partei zwar gewinnt, aber keinen Koalitionspartner für eine Mehrheit im Bundestag findet. Merz müsste sich damit immer wieder wechselnde Mehrheiten im Bundestag für seine Vorhaben suchen. Er wäre ein denkbar schwacher Kanzler, und gemeinsame Abstimmungen mit der AfD wohl programmiert. Dies will Friedrich Merz nach eigenen Aussagen unbedingt verhindern. Es blieben wohl auf lange Sicht nur Neuwahlen, falls rot-schwarz scheitern sollte. (smu)

Rubriklistenbild: © Imago (Montage)

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