Biden will Israel bestimmte Waffen nicht mehr liefern. US-Senator Graham hat kein Verständnis dafür – und kontert mit einem Vergleich zu Hiroshima und Nagasaki.
Washington D.C. – Die geplante israelische Großoffensive gegen die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens dürfte die heikelste Angelegenheit im Rahmen des Krieges in Israel seit dem blutigen Angriff der Hamas am 7. Oktober sein. Denn in der Stadt an der Grenze zu Ägypten halten sich derzeit mehr als eine Million palästinensische Flüchtlinge auf, die aus anderen Teilen des Streifens geflüchtet sind.
Die Regierung von US-Präsident Joe Biden ist gegen einen Angriff auf die Stadt. Aus Washington heißt es, Israel habe keinen glaubwürdigen Plan zur Evakuierung von Zivilisten vorgelegt. Vor kurzem hat die Biden-Regierung nun erstmals die Lieferung von schweren Bomben an Israel gestoppt, um hohe Verluste unter Zivilisten zu verhindern, sollte es trotz Protesten aus den USA eine israelische Offensive geben.
Biden stoppt Lieferung von schweren Bomben an Israel: Senator Graham zeigt sich erzürnt
Dieses Vorgehen kommt nicht bei allen in den USA gut an. Das Argument: Israel werde im Krieg gegen die Hamas geschwächt. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham gehört zu denen, die sich erzürnt über die Entscheidung zeigen. In einer Befragung im US-Senat konfrontierte er am vergangenen Mittwoch (8. Mai) Verteidigungsminister Lloyd Austin und Generalstabschef Charles Brown.
„Israel wurde in den letzten Wochen vom Iran, von der Hisbollah und der Hamas getroffen“, sagte Graham und verwies darauf, dass alle den jüdischen Staat zerstören wollen. Darauf folgten emotional aufgeladene Worte. Mit seinen Händen gegen den Tisch hauend und wütender Stimme betonte er: „Und Sie sagen mir, dass Sie Israel sagen werden, wie sie kämpfen sollen und was sie nutzen und nicht nutzen können, während alle um sie herum alle Juden töten wollen?“
Die USA würden einen Preis zahlen, so Graham, „wenn wir in einer Zeit von großen Schwierigkeiten die Waffen, die zur Zerstörung der Feinde des Staates Israel notwendig sind, stoppen“. Es sei „obszön“, es sei „absurd“, kritisierte der republikanische Senator die Entscheidung der Biden-Regierung.
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Israels Gaza-Offensive: US-Senator Graham zieht Vergleich zum Zweiten Weltkrieg und Atombomben
Dabei zog er auch einen Vergleich zur Entscheidung im Zweiten Weltkrieg, die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki mit Atomwaffen anzugreifen. „Hätten Sie das Abwerfen von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki unterstützt?“, fragte er Brown. Der antwortete nach erneuten Nachhaken von Graham: „Nun, es hat den Krieg gestoppt.“ Verteidigungsminister Austin sagte, er teile die Meinung des Generalstabschefs.
Im Interview mit dem US-Sender NBC News sagte er nun, warum er den Vergleich zog. „Als wir nach Pearl Harbor als Nation drohten, zerstört zu werden, haben wir uns dazu entschieden, den Krieg zu beenden, indem wir Hiroshima und Nagasaki mit Nuklearwaffen bombardiert haben“, erklärte Graham. Es sei „die richtige Entscheidung“ gewesen. Damit hätten die USA schließlich den „Krieg mit existenzieller Bedrohung“ beendet.
Ähnlich gehe es nun in Israel zu. „Ich denke, für Israel ist es in Ordnung alles nötige zu tun, um als jüdischen Staat am Leben zu bleiben“, unterstrich Graham und appellierte: „Also Israel, mach alles, was du machen musst.“ Schon im November 2023 war Graham wegen Aussagen in einem CNN-Interview kritisiert worden. Dort hatte er gesagt, man dürfe Israel keine Grenze für zivile Verluste im Gazastreifen setzen - und erneut mit dem Zweiten Weltkrieg argumentiert.
„Hätte uns jemand nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt, ob es eine Grenze dafür gibt, was wir tun würden, um sicherzugehen, dass Japan und Deutschland die Welt nicht einnehmen?“, so der Senator. Daher dürfe es auch keine Grenze dafür geben, „was Israel den Menschen, die die Juden massakrieren wollen, antun sollte“. Graham hatte festgestellt: „Die Antwort ist Nein, es gibt keine Grenze.“ (bb)