VonAlexander Eser-Rupertischließen
In Deutschland tobt die Debatte um die Laufzeitverlängerung verbliebener AKWs. Aus dem europäischen Ausland kommen bisweilen klare Forderungen.
Berlin – Die Debatte um die Laufzeitverlängerung der letzten noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland wird hitzig geführt. In der Diskussion werden nun vermehrt Stimmen aus der Politik anderer EU-Länder laut, die auf längere Laufzeiten drängen. Selbst bei den Grünen scheint das Unverhandelbare wieder verhandelbar zu sein. Wie geht es weiter, mit der Atomkraft in Deutschland? Die Gaskrise in Deutschland verschiebt den Diskurs zu Atomkraft – deutlich.
Atomkraft in Deutschland: EU-Länder drängen vermehrt auf Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken
Mit Blick auf die Atomkraft in Deutschland schalten sich immer mehr EU-Länder in die Debatte um Laufzeitverlängerungen der letzten Atomkraftwerke ein. In einigen der Staaten wächst der Unmut über das Festhalten der Ampel unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Atomausstieg. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, fordern immer mehr EU-Länder, die verbliebenen AKWs doch nicht Ende des Jahres abzuschalten. Eigentlich sollten die drei noch laufenden Atomkraftwerke am 31. Dezember 2022 vom Netz gehen, inzwischen wackelt jedoch auch das Nein der Ampelkoalition beim Thema Laufzeitverlängerung.
Die Forderungen aus einigen Ländern gehen in Anbetracht der Energiekrise noch weiter: Manche Staaten verlangen, auch die Reaktivierung der kürzlich abgeschalteten Atomkraftwerke zu prüfen. Zuletzt war in Deutschland 15 Prozent des Stroms von Gaskraftwerken erzeugt worden. Verschiedene EU-Länder befinden daher, der Weiterbetrieb deutscher Atomkraftwerke würde beim Einsparen von Gas helfen – so könnten mehr Reserven gebildet werden. Der slowakische Wirtschaftsminister Richard Sulík erklärte laut dpa etwa, „Wenn Deutschland Gas sparen möchte, dann möge es doch bitte seine Atomkraftwerke weiterlaufen lassen - beziehungsweise die drei, die letztes Jahr abgeschaltet wurden, die könnten ja wieder ans Netz gehen.“
Atomkraft in Deutschland: Streckbetrieb verbliebener AKWs plötzlich wieder verhandelbar
Aus Polen gab es zuletzt gar Vorschläge, deutsche AKWs zu pachten. Die Themen Laufzeitverlängerung und Atomkraft in Deutschland spalten die Ampel. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird nicht müde zu betonen, einen besonderen Mangel gäbe es bei Gas und Wärme für die Industrie – nicht Strom. Dennoch gibt es offenbar auch seitens vieler Grüner mittlerweile die Bereitschaft zumindest zu prüfen, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang der Streckbetrieb von AKWs im Zuge der Gaskrise, die zum Gasnotstand werden könnte, helfen würde. Es könnte sein, dass auch die Grünen in der Debatte um Streckbetrieb nachgeben.
Grünen-Parteichefin Ricarda Lang hatte kürzlich erklärt, man müsse derzeit „alle Maßnahmen prüfen.“ Unter anderem aus der FDP gibt es zahlreiche Stimmen, die in der Laufzeitverlängerung einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit sehen. Selbst FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler will indes nicht am Atomausstieg generell rütteln. Er erklärte gegenüber der dpa: „Auch wenn wir kurzfristig über den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke wohl nicht herumkommen werden, sollte sich niemand falsche Hoffnungen über eine Renaissance der Kernenergie in Deutschland machen.“ Köhler erklärte zudem, es handle sich „lediglich um eine Laufzeitverlängerung um wenige Monate, eventuell auch bis ins Jahr 2024 hinein.“
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