VonDaniel Dillmannschließen
Der Mord an Charlie Kirk beschäftigt die USA. Während die Angst vorm Bürgerkrieg umgeht, gießt Trump mit seiner Reaktion Öl ins Feuer.
Update vom 12. September, 5.30 Uhr: Nach dem gewaltsamen Tod des US-Aktivisten Charlie Kirk droht das US-Außenministerium Ausländern mit Konsequenzen, sollten sie im Internet Gewalt rechtfertigen. Vize-Außenminister Christopher Landau schrieb auf der Plattform X – ohne Kirks Namen zu nennen: „Angesichts des schrecklichen Mordes an einer führenden politischen Persönlichkeit gestern möchte ich betonen, dass Ausländer, die Gewalt und Hass verherrlichen, in unserem Land keine willkommenen Besucher sind.“
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter




Update, 16.40 Uhr: Im EU-Parlament kam es aufgrund einer Gedenkaktion wegen des Mordes an Charlie Kirk zu einer Auseinandersetzung. Der Abgeordnete Charlie Weimers von der rechtspopulistischen Partei Schwedendemokraten wollte am Donnerstag in Straßburg einen Teil seiner Redezeit für einen Moment der Stille nutzen. Die Sitzungsleiterin Katarina Barley unbrach Weimers jedoch, woraufhin Unruhe im Plenum ausbrach.
Weimers wisse, dass Parlamentspräsidentin Roberta Metsola eine Schweigeminute aus Verfahrensgründen abgelehnt habe, sagte die deutsche Sozialdemokratin Barley. Die Rechtsaußen-Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR), der die Schwedendemokraten angehören, quittierte Barleys Einschreiten mit lautem Klopfen auf ihren Sitzpulten im Plenarsaal. Der Rest der Abgeordneten applaudierte Barley.
Weimers hatte Metsola vor der Sitzung schriftlich um einen Moment der Stille gebeten. „Unser Recht auf freie Rede kann nicht ausgelöscht werden“, schrieb er. Der Schwede warf dem Parlament Voreingenommenheit vor und wies auf die Schweigeminute hin, die dort 2020 für George Floyd abgehalten wurde, dessen Ermordung durch einen US-Polizisten weltweite Proteste ausgelöst hatte.
Trumps Reaktion auf Kirks Tod: Trump macht die politischen Linken der USA für Mord verantwortlich
Update, 15.15 Uhr: Die Reaktion Donald Trumps auf den Tod Charlie Kirks ließ nicht lange auf sich warten. Zunächst sprach der US-Präsident der Familie Kirks sein Beileid aus. Kurz darauf erklärte Trump in einem Post auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social die politische Linke für schuldig an der Tragödie. Die habe mit ihren Nazi-Vergleichen Leute wie Kirk dämonisiert. „Diese Art von Rhetorik ist direkt verantwortlich für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land erleben, und sie muss sofort aufhören“, schrieb Trump. Ob das aber auch für ihn persönlich gelte, ließ er offen.
In der Vergangenheit hatte Trump die politische Konkurrenz regelmäßig diffamiert. Joe Bidens Kabinett bezeichnete er als „Gestapo“, Kamala Harris mal als Faschistin, mal als Kommunistin. Trump beschränkte sich in seiner Aufzählung politisch motivierter Attentate zudem nur auf die, deren Opfer dem rechten Spektrum angehörten. In Teilen der US-Medien löste Trumps Reaktion Entsetzen aus. Der Journalist Josh Marshall nannte Trumps Worte „widerlich und typisch für diesen Tyrannen“. Sein Kollege, der britischstämmige Mehdi Hasan, warf Trump und seinem Umfeld vor, zu „planen, zynisch und offen, diese Tragödie und diesen Mord zu nutzen, um gegen Demokraten, die Linke und ihre politischen Gegner vorzugehen.“
Update, 13.44 Uhr: Auch in Europa schlägt das vermeintliche Attentat auf Charlie Kirk hohe Wellen. Der rechte ungarische Präsident Viktor Orbán machte für den Mord an Kirk die „progressiv-liberale Linke“ verantwortlich. In einem Beitrag auf X schrieb Orbán: „Der Tod von Charlie Kirk ist das Ergebnis der internationalen Hasskampagne der progressiv-liberalen Linken. Diese hat zu den Angriffen auf Robert Fico, Andrej Babiš und nun auch auf Charlie Kirk geführt. Wir müssen dem Hass Einhalt gebieten! Wir müssen die Hass schürende Linke stoppen!“
FBI-Direktor reagiert auf Mord an Charlie Kirk – und stiftet Verwirrung
Update, 12.58 Uhr: Der Mord an Charlie Kirk bestimmt weiter die Schlagzeilen in den USA. Verwirrung löst dabei die Reaktion von FBI-Direktor Kash Patel unmittelbar nach dem Vorfall in Utah aus. NBC-Korrespondent Ken Dilanian zeigte sich bei einem Interview auf MSNBC fassungslos über Patels Kommunikation: Zunächst verkündete der FBI-Chef, der Täter sei gefasst, nur um zwei Stunden später zu erklären, die Person sei nach Verhören wieder freigelassen worden. „Das passiert einfach nicht in solchen Situationen“, sagte Dilanian. Zudem berichtete er, dass FBI-Agenten von Terrorismus-Ermittlungen zu Einwanderungs-Einsätzen umgeleitet worden seien.
Attentat auf Charlie Kirk: Tod des rechts-konservativen Aktivisten löst Fassungslosigkeit aus
Erstmeldung vom 11. September 2025: Orem - Der rechtskonservative Aktivist Charlie Kirk ist tot. Der 31 Jahre alte YouTuber und Podcaster wurde während einer Veranstaltung an der Utah Valley Universtiy in der Stadt Orem im US-Bundesstaat Utah erschossen. Kirk galt als Galionsfigur der jungen Generation innerhalb der von Donald Trump ins Leben gerufenen „Make America Great Again“-Bewegung. Kirk hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
Der Mord an dem MAGA-Influencer Kirk löste in den USA neben Beileidsbekundungen in beiden politischen Lagern auch wütende Reaktionen aus. Noch ist der Täter nicht gefasst. Auch sein Motiv ist bislang unbekannt. Vor allem aus dem rechten Umfeld meldeten sich dennoch direkt mehrere Stimmen, die zum Kampf gegen die Linke aufforderten, Rache für den Mord an Kirk forderten oder gleich den Krieg zwischen Rechts und Links in den USA erklärten.
Reaktionen auf Mord an Charlie Kirk: „Wir befinden uns im Krieg“
So geschehen in der Livestream-Show von Steve Bannon. Der ehemalige Berater des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump forderte seine Verbündete auf, „eisern“ und „entschlossen“ zu bleiben. „Charlie Kirk ist ein Kriegsopfer. Wir befinden uns in diesem Land im Krieg“, so Bannon. Noch deutlicher wurde Alex Jones. Der wegen Verleumdung mehrfach verurteilte Gründer des Social-Media-Formats „Infowars“ meldete sich in einem Video aus seinem Auto nach dem Tod Kirks zu Wort. „Sie werden angreifen“, warnte Jones mit Blick auf den politischen Gegner. Kurz darauf veröffentlichte Jones einen weiteren Clip, in dem er die Demokraten direkt für den Mord an Kirk verantwortlich machte: „Notfallwarnung! Der demokratische Deep State hat Charlie Kirk getötet, in einem verzweifelten Versuch, die populistische Redefreiheit und die Rekrutierung konservativer/nationalistischer Wähler an Hochschulen zu unterbinden.“
Doch nicht nur in den besonders radikalen Kreisen rund um Donald Trump wird die Rhetorik nach dem Mord an Kirk schärfer. Das gilt auch für den etablierten rechtskonservativen Sender Fox News. Moderator Jesse Watters sah wie Bannon die USA bereits im Bürgerkrieg und forderte in seiner Show „The Five“ Vergeltung für den Tod Kirks. „Es passiert jetzt. Es gibt Transgender-Schützen, es gibt Unruhen in Los Angeles. Sie befinden sich im Krieg mit uns. Ob wir es akzeptieren wollen oder nicht, sie befinden sich im Krieg mit uns. Und was werden wir dagegen tun? Wie viel politische Gewalt werden wir tolerieren? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen.“
Die Antwort auf diese Fragen gab Watters dann auch selbst: „Wir sind traurig. Wir sind wütend. Und wir sind entschlossen. Und wir werden Charlies Tod auf die Weise rächen, wie Charlie gerächt werden wollte.“ Seiner martialischen Reaktion schloss sich in derselben Show der rechte Comedian Greg Gutfield an. „Wenn Sie dachten, Sie könnten eine Bewegung zum Schweigen bringen, werden Sie ein böses Erwachen erleben“, sagte er. „Sie haben uns verdammt noch mal wachgerüttelt.“
Mord an Charlie Kirk löst Tumulte im US-Kongress aus
Auch die Reaktionen im US-Kongress auf den Tod von Charlie Kirk stehen sinnbildlich für den tiefen Spalt, der zwischen den politischen Lagern innerhalb der USA verläuft. Eine Schweigeminute für Kirk, die Sprecher Mike Johnson im US-Repräsentantenhaus verkündete, endete im Wortgefecht zwischen einer Abgeordneten der Republikaner und mehreren Demokraten. Anna Paulina Luna, Abgeordnete aus dem Bundesstaat Florida und Mitarbeiterin von Kirks Organisation „Turning Point USA“: „Ihr seid schuld daran!“, rief sie ihren Kollegen zu. Anschließend brach kurzzeitiges Chaos im Plenarsaal aus. „Das ist verdammt noch mal eure Schuld!“, schrie Luna. Johnson musste die Schweigeminute nach etwa 30 Sekunden abbrechen.
Charlie Kirk: Biographie des getöteten MAGA-Influencers
Charlie Kirk war ein einflussreicher US-amerikanischer rechtspopulistischer Aktivist, Podcaster und Autor, der am 10. September 2025 bei einem Attentat in Utah ums Leben kam. Der 1993 in Arlington Heights, Illinois, geborene Kirk gründete bereits mit 18 Jahren die konservative Organisation Turning Point USA, die sich zunächst als Interessensvertretung für republikanische Studenten etablierte und später zu einer der einflussreichsten politischen Bewegungen im rechten Spektrum der USA entwickelte.
Kirk baute über die Jahre enge Verbindungen zu Donald Trump auf und wurde zu einem seiner wichtigsten Verbündeten. Er unterstützte Trump bereits 2016 und war maßgeblich an dessen Wiederwahlkampagne 2020 beteiligt. Turning Point USA organisierte Busladungen von Trump-Anhängern zur Kundgebung vor dem Kapitolssturm am 6. Januar 2021. Trump berief Kirk 2023 in eine Kommission zur Förderung „patriotischer Erziehung“ und würdigte ihn nach seinem Tod als „großartig und legendär“. Kirk war auch am umstrittenen Project 2025 beteiligt, einem Plan zur Umgestaltung der US-Regierung für eine mögliche zweite Trump-Präsidentschaft.
Der Aktivist nutzte geschickt soziale Medien zur Verbreitung seiner politischen Botschaften und erreichte Millionen von Followern auf YouTube, TikTok und Instagram. Seine Debattenvideos mit College-Studenten wurden millionenfach aufgerufen. Kirk vertrat kontroverse Positionen, leugnete den menschengemachten Klimawandel und unterstützte Verschwörungserzählungen über die Präsidentschaftswahl 2020. Am 10. September 2025 wurde er während einer Veranstaltung an der Utah Valley University von einem Scharfschützen erschossen, als er gerade eine Frage zu Schusswaffengewalt beantwortete.
Quelle: Wikipedia, Turning Point USA
Dass die Reaktionen auf Charlie Kirks Tod geprägt sind, von gegenseitigen Schuldzuweisungen, dient als Beleg für die tiefe Spaltung der politischen Lager in den USA. Der linke TV-Sender MSNBC trennte sich spontan von seinem politischen Analysten Matthew Dowd. Der hatte Kirks „hasserfüllte Worte“ für das Attentat verantwortlich gemacht.
Wütende Reaktionen auf Mord an Charlie Kirk überschatten moderate Stimmen
Im Angesicht dieser heftigen Reaktionen auf den Tod Charlie Kirks gehen die moderaten Stimmen auf beiden Seiten unter. Utahs Gouverneur, der Republikaner Spencer Cox, sprach von einem „politischen Attentat“, doch rief dabei sowohl Demokraten als auch Republikaner zur Mäßigung auf: „Nichts, was ich sage, kann uns als Land vereinen. Nichts, was ich im Moment sagen kann, kann reparieren, was kaputt ist. Wir brauchen dringend Führungskräfte in unserem Land, aber mehr noch als Führungskräfte brauchen wir einfach jeden einzelnen Menschen in diesem Land, der darüber nachdenkt, wo wir stehen und wo wir hinwollen, und sich fragt: ‚Ist es das? Ist es das, was 250 Jahre uns gebracht haben?‘“
Ähnlich äußerten sich auch der linkspolitisch einzuordnende Late Show Host Stephen Colbert. Er sprach zu Beginn seiner aktuellen Sendung Kirks Familie sein Beileid aus und verdammte jede Art von politischer Gewalt. Genau das taten auch die ehemaligen Berater Barack Obamas und heutigen Podcast-Moderatoren Jon Favreau, Jon Lovett, Dan Pfeiffer und Tommy Vietor in ihrer Show „Pod Save America“. Doch auch ihre Aufrufe zu Mäßigung und der Rückkehr zum zivilen Dialog über politische Ideen dürften angesichts der aufgeladenen politischen Stimmung in den USA verpuffen. (Quellen: Daily Beast, MSNBC, Fox News, CNN, Turning Point USA, Wikipedia) (dil)
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