Nach Treffen bei Trump: Ex-Terrorist al-Scharaa will Vereinbarung über den IS treffen
VonFelix Durach
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Christian Stör
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Beim Treffen zwischen Trump und Syriens Übergangspräsidenten al-Scharaa wurde auch die Beziehung zu Israel besprochen – Gespräche soll es vorerst nicht geben.
Update, 11. November, 6.30 Uhr: Nach dem Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa wurden weitere Details bekannt. Zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sagte Al-Scharaa dem US-Sender Fox News nach seinem Treffen mit Trump, es gebe Gründe für die US-Militärpräsenz in seinem Land, betonte aber laut Übersetzung: „Das muss jetzt in Absprache mit der syrischen Regierung geschehen“. Man müsse „diese Angelegenheiten besprechen und eine Vereinbarung über den IS treffen“.
Ein weiteres, mit Spannung erwartetes Thema: Die Beziehung zum Nachbarland Israel. In dem Interview schloss al-Schaara aber vorerst direkte Gespräche zur Normalisierung der Beziehungen mit Jerusalem aus. Angesprochen auf Trumps Wunsch, dass auch Syrien den sogenannten Abraham-Abkommen für eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten beitreten sollte, wies al-Scharaa auf Israels andauernde Besetzung der Golanhöhen hin. Die Bedingungen für Damaskus seien daher andere als für jene Staaten, die sich dem Abkommen bereits angeschlossen hätten, sagte der Übergangspräsident.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels
Update, 23.04 Uhr: Aus der US-Regierung heißt es nach dem Treffen zwischen Trump und Ahmed al-Scharaa: Präsident Trump wolle sein Versprechen halten und Syrien „eine Chance auf Größe“ geben. Die Regierung verlängerte demnach die Aussetzung bestimmter Sanktionen um ein halbes Jahr. Ganz aufgehoben wurden sie jedoch nicht, wie aus einem Dokument des Finanzministeriums hervorgeht. Die Lockerungen sollten Syriens Wiederaufbau und Stabilität fördern.
Eine erwartete Ankündigung al-Scharaas, dass sein Land sich an der US-geführten Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen werde, wurde zunächst nicht offiziell bestätigt. Außenminister Asaad al-Schaibani, der ebenfalls im Weißen Haus empfangen wurde, bezeichnete das Treffen als konstruktiv. Es sei monatelang vorbereitet worden.
Aus dem Außenministerium hieß es zudem, beide Seiten hätten sich auf die Umsetzung eines Fahrplans zur Zusammenarbeit verständigt. Ziel sei die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen auf Botschafterebene, die Wiedereröffnung gemeinsamer Institutionen sowie die Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Historischer Besuch im Weißen Haus: Treffen von Syriens Präsident al-Scharaa und Trump läuft
Update, 20:42 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat als ersten syrischen Staatschef seit 1946 den Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Weißen Haus empfangen. Das historische Treffen fand für den US-Präsidenten ungewöhnlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die USA hatten den per Haftbefehl gesuchten früheren Terroristen Al-Scharaa erst am Freitag von ihrer Terrorliste gestrichen, um das Treffen zu ermöglichen. „Der syrische Präsident ist im Weißen Haus eingetroffen“, wurde lediglich von US-Seite offiziell verkündet. „Das Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident al-Scharaa hat begonnen.“
Zum Inhalt des Gesprächs wurden zunächst keine Angaben gemacht. Laut dem US-Syriengesandtem Tom Barrack soll unter anderem ein Abkommen über Syriens Beitritt zur US-geführten Anti-IS-Koalition unterzeichnet werden. Al-Scharaas islamistische HTS-Miliz war ursprünglich ein Al-Qaida-Ableger, hatte sich jedoch bereits vor Jahren von dem Extremistennetzwerk distanziert.
Von der Terrorliste ins Weiße Haus: Syriens Präsident al-Scharaa trifft heute Trump
Erstmeldung vom 10. November: Washington, DC – Große Ehre für Ahmed al-Scharaa: Knapp ein Jahr nach dem Sturz von Baschar al-Assad besucht Syriens Übergangspräsident am heutigen Montag (10. November) das Weiße Haus. Besonders bemerkenswert: Noch bis Freitag stand der frühere Dschihadist auf der globalen Terrorliste der USA. Ein Besuch war deshalb zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht möglich.
US-Präsident Donald Trump lobte seinen Gast im Vorfeld des Treffens bereits überschwänglich: „Er leistet doch sehr gute Arbeit. Das ist eine raue Gegend und er ist ein taffer Typ, aber wir kommen hervorragend miteinander aus“, sagte Trump kürzlich. Es habe eine Menge Fortschritt gegeben, fügte er hinzu.
USA ziehen Kopfgeld auf al-Scharaa vor dem Treffen heute mit Trump zurück
Die USA hatten einst sogar ein Kopfgeld von zehn Millionen US-Dollar auf al-Scharaa ausgesetzt. Nach dem Sturz Assads durch eine Rebellenallianz unter Führung Scharaas und mit dessen Amtsantritt wurde es zurückgezogen. Der Interimspräsident hat sich nach eigenen Aussagen von seiner Vergangenheit losgesagt und pflegt ein weltgewandtes Image. Nach seiner Ankunft in den USA am Wochenende ließ er sich etwa beim Basketballspiel mit ranghohen US-Militärs filmen. Der von Außenminister Asaad al-Schaibani bei Instagram geteilte Clip erhielt innerhalb von Stunden Tausende Likes.
Man erkenne die Fortschritte an, die die syrische Führung nach Assads Sturz und vielen Jahren der Unterdrückung erzielt habe, erklärte das US-Außenministerium nach Aufhebung der Sanktionen. Al-Scharaa arbeite daran, Vermisste ausfindig zu machen, Terrorismus und Drogenhandel zu bekämpfen und Sicherheit in der Region zu schaffen.
Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen
Heute Gespräch mit Trump: al-Scharaa in Stichpunkten
Name
Ahmed al-Scharaa
Einstiger Kampfname
Abu Mohammed al-Dscholani
Geboren
29. Oktober 1982
Geburtsort
Riad, Saudi-Arabien
Ehepartnerin
Latifa Al-Droubi (verh. 2012)
Gegründete Organisation
al-Nusra-Front
Amt
Präsident von Syrien (seit 29. Januar 2025)
Heute Gespräch zwischen Trump und al-Scharaa: Normalisierung der Beziehungen zu Israel?
In dem Gespräch zwischen Trump und al-Scharaa dürfte es auch um das syrische Verhältnis zu Israel gehen. Im Rahmen seiner Ambitionen in der Region will Trump am liebsten auch eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Syrien und Israel sehen. Nachdem er im Mai die Aufhebung der US-Sanktionen gegen Syrien verkündet hatte, ermunterte er Syrien, auch Israel anzuerkennen.
Nach dem Sturz Assads hatten die neuen Machthaber eine Offenheit für eine Annäherung an Israel signalisiert. Seit Monaten laufen unter anderem unter US-Vermittlung bereits Verhandlungen zu einem möglichen Sicherheitsabkommen. Al-Scharaa betonte jedoch, dass ein Abkommen keine Normalisierung der Beziehungen mit Israel bedeute.
Seit der Unabhängigkeit Syriens im Jahr 1946 ist noch kein Präsident des Landes in den USA empfangen worden. Syrische Medien und Kabinettsmitglieder bezeichneten das Treffen daher bereits vorab als „historisch“. (Quellen: Instagram, dpa, AFP) (cs)