Drohnen-Offensive: Berliner Start-up will Tausende Bundeswehrsoldaten ausbilden
VonMax Nebel
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Stark Defence kündigt massive Ausbildung für Bundeswehrsoldaten an. Das Start-up will Europas Drohnenproduktion revolutionieren.
Berlin – Die Bundeswehr will im Eiltempo aufrüsten – und setzt dabei auf ein junges Berliner Start-up. Der Drohnenhersteller Stark Defence plant, Tausende Soldaten auszubilden und „zehntausende Systeme“ zu liefern. „Innerhalb eines Jahres können wir Tausende komplett zertifizierte Systeme mit Gefechtskopf liefern“, sagte Geschäftsführer Uwe Horstmann der Deutschen Presse-Agentur.
Bundeswehr-Drohnenpiloten im vergangenen Juli bei einer Übung im Innovationslabor Erding, beobachtet von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Derweil präsentierte das Berliner Start-up Stark Defence im selben Monat in London seine Kamikazedrohne „Virtus“ – Symbol für Europas neue Drohnenoffensive.
Das Unternehmen entwickelt sogenannte Loitering Munition – Kamikazedrohnen, die über einem Zielgebiet kreisen und auf Kommando angreifen können. Die Bundeswehr testet derzeit Stark Defences Modell „Virtus“, das bereits im Ukraine-Krieg im Einsatz ist. In Kombination mit komplexen Aufklärungssystemen prägen solche Waffen die Kriegsführung nahe der Front, wie die Erfahrungen aus dem ukrainischen Einsatz zeigen.
Drohnen-Offensive: Start-up will Tausende Bundeswehrsoldaten ausbilden
Die Drohne Virtus fliegt mit bis zu 120 Stundenkilometern und kann eine Stunde über einem Gefechtsfeld kreisen. Ihr fünf Kilogramm schwerer Sprengkopf trifft Ziele in bis zu 100 Kilometern Entfernung. Der finale Angriffsbefehl wird laut Unternehmen weiterhin vom Menschen erteilt.
Horstmann, selbst Reserveoffizier, will die Bundeswehr bei der Ausbildung unterstützen. Man könne Tausende Soldaten in der Bedienung unbemannter Systeme schulen, erklärte er. Stark Defence arbeite eng mit der NATO zusammen und wird vom NATO Innovation Fund – einem milliardenschweren Risikokapitalfonds der Allianz zur Förderung sicherheitsrelevanter Technologien – als Anbieter „wegweisender Lösungen“ gelistet.
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Stark Defence: Von der Start-up-Szene in die Rüstungsindustrie
Horstmann, einst Mitgründer des Berliner Wagniskapitalfonds Project A, übernahm 2025 die Führung von Stark Defence. Der Manager will das Start-up zum europäischen Marktführer machen und die Produktion von Tausenden auf Hunderttausende Systeme skalieren. Das Modell setzt auf Software-Integration und schnell verteilbare Fertigungskapazitäten in Europa.
Bereits bei NATO-Manövern in Portugal demonstrierte Stark Defence unbemannte Boote der Vanta-Reihe. Alle Systeme sind über die firmeneigene KI-Plattform „Minerva“ vernetzt und sollen Land-, Luft- und Seeoperationen koordinieren. Ziel ist ein Verbund, in dem unbemannte Systeme gemeinsam komplizierte Einsätze fliegen.
Stark Defence – das neue Drohnen-Start-up der Bundeswehr
Gründung: 2024 in Berlin
Mitarbeiter: rund 250 (Stand: 2025)
Spezialisierung: Entwicklung unbemannter Waffensysteme („Loitering Munition“)
Leitsystem: KI-Plattform Minerva für koordinierte Luft-, Land- und See-Einsätze
Ziel: Aufbau einer skalierbaren europäischen Drohnenproduktion
Kooperationen: Bundeswehr, NATO Innovation Fund, Quantum Systems
Besonderheit: Entwickelt Systeme mit Künstlicher Intelligenz, die mehrere Drohnen im Verbund steuern können
Unternehmensmotto: „Für eine starke NATO“ (Quelle: stark-defence.com)
Bundesregierung will zehn Milliarden Euro in Drohnen investieren
Auch die Politik drückt aufs Tempo. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, so tagesschau.de, in den kommenden Jahren zehn Milliarden Euro in Drohnentechnik zu investieren. Deutschland bietet zugleich an, die Führung beim „European Air Shield“ zu übernehmen.
Die EU-Kommission präsentierte vier große Aufrüstungsprojekte bis 2030, notiert ZDFheute – darunter eine „European Drone Defence Initiative“ mit gestaffelter Erkennung, Verfolgung und Neutralisierung feindlicher Drohnen. Erste Teile sollen bis Ende 2026 einsatzbereit sein, das Gesamtsystem bis Ende 2027.
Drohnenkrieg verändert Europas Rüstungslandschaft
Laut der FAZ zählt Stark Defence neben dem Münchner Konkurrenten Helsing zu den wichtigsten neuen Rüstungsfirmen Europas. Beide entwickeln Kampfdrohnen mit Künstlicher Intelligenz, die direkt mit Aufklärungssystemen zusammenarbeiten. So können sie Ziele schneller erkennen und angreifen – ein Prinzip, das gemäß Handelsblatt bereits in der Ukraine mit Unterstützung von Quantum Systems erprobt wurde.
Die NATO setzt auf Abschreckung durch Masse und Geschwindigkeit. Man müsse in der Lage sein, unbemannte, kosteneffiziente und sehr stark softwaregetriebene Systeme in Massen zu produzieren, sagt Horstmann gegenüber der dpa – mit dem Ziel, einen Angriff auf Europa zu verhindern beziehungsweise für Abschreckung zu sorgen. Der Ansatz lautet: kosteneffizient, softwaregetrieben, skalierbar.
Innovation in der Rüstung in Zeiten des Ukraine-Kriegs: „Virtus“ als Symbol einer neuen Ära
Fachleute warnen indes vor überzogenen Erwartungen. „Drohnen sind keine Wunderwaffen“, betont Sicherheitsexperte Tobias Fella gegenüber ZDFheute und verweist auf Wetter und elektronisches Stören („Jamming“). Auch Generalinspekteur Carsten Breuer stellt klar, schreibt Perspektive Online, dass Drohnen nur Teil eines breiteren Fähigkeitsmixes sind.
Stark Defence setzt derweil auf schnelle Iterationen „wie in der Softwarebranche“. Das Unternehmen verweist auf einen „Responsible by Design“-Ansatz nach NATO-Prinzipien für KI und Autonomie – von der Entwicklung bis zur Außerdienststellung. Ziel ist, Innovationstempo und ethische Leitplanken zu verbinden.
Erprobung und Abwehr von Drohnen: Bundeswehr zieht Konsequenzen
Die Erprobung unter realistischen Bedingungen bleibt in Deutschland schwierig, weil massive Störsignale den zivilen Luftverkehr beeinträchtigen könnten. Zugleich häuften sich zuletzt Drohnenvorfälle an Flughäfen, was die Debatte über schärfere Regeln und mehr Unterstützung durch die Bundeswehr befeuert hat. Innenpolitisch werden Gesetzesverschärfungen und ein koordinierter Drohnenschutz diskutiert.
Parallel treibt die Bundeswehr die bodengebundene Abwehr voran. Geplant ist eine Großbestellung des Flugabwehrsystems „Skyranger 30“, mit dem auch Schwarmangriffe abgewehrt werden sollen; ein Prototyp wird erprobt, Lieferungen sind ab 2026 bis 2028 vorgesehen. Rheinmetall, so tagesschau.de, verweist auf die Fähigkeit, pro System einen Luftraumsektor von mehreren Quadratkilometern abzudecken. (Quellen: dpa, FAZ, Handelsblatt, ZDFheute, InvestmentWeek, tagesschau.de, Perspektive Online, Stark Defence) (chnnn)