„Jede Einheit ein Drohnenträger“

Vorbild Ukraine: NATO übt Weitblick auf See und geht Risiken ein

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18 schwarm- und „strikefähige“ „Future Combat Surface Systems“ – Bundeswehr baut stark auf Drohnen, während deutsche Werften eifrig um Aufträge werben.

Rostock – „Wir fügen neue Bedrohungen hinzu, aber wir werden die alten nie los“, sagte Konteradmiral Ignacio Cuartero, wie das US-amerikanische Magazin National Defense berichtet. Der Direktor für Konzepte und Fähigkeiten des Militärstabs der EU benannte als neue Bedrohungen gegen Schiffe beispielsweise Wladimir Putins Drohnen. Anfang des Jahres berichtete das deutsche Militärmagazin hartpunkt, dass auch die Marine als Teilstreitkraft der Bundeswehr künftig ihre Fähigkeiten durch die Nutzung unbemannter Systeme erweitern wolle – jetzt soll die NATO auch bald die Taktik der Verteidiger im Ukraine-Krieg übernehmen können. Mit deutscher Technik.

Lehre aus Ukraine-Krieg: Entwicklung von Fähigkeiten zur Aufklärung, Überwachung und Erkundung

Wie das Unternehmen FLANQ Anfang September bekannt gab, sei der in Rostock ansässige Anbieter maritimer Verteidigungslösungen eine Partnerschaft eingegangen mit CiS, einem ebenfalls aus Rostock operierenden Entwickler autonomer Luftsysteme. Beide Unternehmen planen die Entwicklung einer integrierten Fähigkeit, die den Start und die Bergung unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAVs) von unbemannten Überwasserschiffen (Unmanned Surface Vehicles, USVs) aus ermögliche. Also das, was die Ukraine schon in Ansätzen im Schwarzen Meer erfolgreich praktiziere. „Die Zusammenarbeit folgt auf erfolgreiche Tests einer CiS Orka-Drohne, die bei autonomen Operationen auf offenem Wasser von einem 3,6 Meter langen FLANQ USV startete und dorthin zurückkehrte“, schreibt Akhsan Erico Elezhar.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Laut dem Autor des Magazins Defense Post sei das Ziel die Entwicklung von Fähigkeiten zur Aufklärung, Überwachung und Erkundung von maritimen Operationen im gesamten europäischen Raum; daneben solle die Lösung modular und skalierbar sein. Also eventuell könnten Kampfaufträge folgen und die dann auch in einem größeren Rahmen. Vorbild ist auch hier die Ukraine in ihrem täglichen, auf Improvisation und Innovation gestützten Abwehrkampf: Beispielsweise ist die Magura V-Überwasserdrohne zu einer der gefährlichsten Waffen dieses Krieges geworden. Inzwischen kann sie auch einen Raketenwerfer tragen, was ihre Reichweite und Gefährlichkeit potenziert. Eigentlich heißt das Boot „Maritime Autonomous Guard Unmanned Robotic Apparatus“ und ist in ihrer jetzigen Ausführung bereits die fünfte Generation.

Bundeswehr-Initiative: Ersatz für bemannte Schiffe in „langweiligen, schmutzigen und gefährlichen“ Jobs

Vor dem Ukraine-Krieg wäre eine Magura-Drohne Science Fiction gewesen, anfangs des Ukraine-Krieges sei sie „als Ersatz für bemannte Schiffe in ,langweiligen, schmutzigen und gefährlichen‘ Jobs“ eingesetzt worden, wie Bryan Clark schreibt. „Heute können Seedrohnen in jedem Glied der ,Kill Chain‘, die von der Erkennung eines Ziels bis zu dessen Beschuss mit einer Waffe reicht, Skalierbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit bieten“, so der Analyst des U.S.-Thinktanks „Hudson Institute“ in einer Publikation des Verbands „Advanced Technology for Humanity (IEEE)“. Verschiedene europäische Nationen ziehen jetzt in der Entwicklung nach, darunter auch die Bundeswehr.

„Mit diesem Plan werden die Bündnispartner und die NATO eine neue Denkweise und einen besseren Ansatz für Verteidigungsinnovationen entwickeln – sie werden in frühen Phasen mehr Risiken eingehen, um schneller bessere Ergebnisse zu erzielen.“

NATO, „Summary of NATO‘s Rapid Adoption Action Plan“, 25. Juni 2025

Die Deutsche Marine wolle künftig unbemannte Überwasserfahrzeuge in Kombination mit anderen bemannten und unbemannten Einheiten einsetzen, berichtet das Magazin hartpunkt. „Nach den Vorstellungen der Marineplaner sollen bereits im Einsatz befindliche Überwassereinheiten mit mindestens 18 schwarm- und ,strikefähigen‘ ,Future Combat Surface Systems‘ (FCSS) ergänzt werden“, schreibt aktuell hartpunkt-Autor Lars Hoffmann. Davor liefen und laufen auch weiter Tests durch die Streitkräfte unter realistischen Einsatzbedingungen – Operational Experimentation (OPEX) genannt, wie Hoffmann berichtet. Ihm zufolge sollen die Tests für Unterwasser-Drohnen bereits abgeschlossen sein, die für Überwasserfahrzeuge hätten überraschende Ergebnisse gezeitigt. Die als Favoriten gehandelten Anwärter aus Norwegen und Israel hätten auf ihre Teilnahme verzichtet.

Zukunft, ahoi! Die Korvette Oldenburg der Deutschen Marine beim Auslaufen vom Ostseebad Warnemünde im August 2023 vor dem mandatierten Auslandseinsatz UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) vor der libanesischen Küste. Wie alle Korvetten der K130-Klasse soll sie künftig von zwei Überwasserdrohnen verstärkt werden.

Jetzt würden zwei Unternehmen aus Deutschland in die Tests gehen, wie hartpunkt berichtet. Zum einen ein Konsortium aus der in Rostock sitzenden Werft Tamsen-Maritim sowie dem Kieler Navigationsexperten Anschütz; zum anderen die Fassmer-Werft aus der niedersächsischen Wesermarsch, die wohl ST Engineering aus Singapur als Partner gewonnen habe, vermutet hartpunkt. Voraussetzung der Teilnahme an der Ausschreibung soll gewesen sein, dass die Modelle einen Technologiereifegrad der Klasse Neun erreicht haben sollten, also erprobt und für den vollständigen kommerziellen Einsatz nutzbar. Die Überwasser-Kampfdrohne soll eine 30-Millimeter-Kanone tragen können und ist Teil der unter „Kurs Marine 2025“ firmierenden Strategie einer zukunftsfähigen deurtschen Marine.

Pistorius‘ Drohnen-Plan: „Mindestens“ 18 Einheiten davon sollten angeschafft werden

Den Planungen entsprechend würden die Überwasserdrohnen im Verbund mit den Korvetten der Klasse 130 operieren, schreibt Hoffmann. „Mindestens“ 18 Einheiten davon sollten angeschafft werden; bei neun Korvetten würde jedes Schiff von zwei Drohnen unterstützt werden. „Future Combat Surface Systems (FCSS), Large Remote Missile Vessels (LRMV), Large Uncrewed Underwater Vehicles (LUUV) und VTOL-UAV (Vertical Take-Off and Landing Unmanned Aerial Vehicle) sind nicht mehr Vision, sondern gewollte Realität. Der Leitsatz lautet: ‚Every unit a drone carrier‘“ (Deutsch: „Jede Einheit ein Drohnenträger“), schreiben Holger Schlüter und Hans-Uwe Mergener über die Aussagen von Marineinspekteur Vizeadmiral Jan Kaack zur gewünschten Drohnen-Realität in der Marine der Zukunft.

Diese Realität soll 2029 eingetreten sein, die Marineführung kalkuliert zu diesem Zeitpunkt mit einer denkbaren russischen Offensive gegen die NATO. „Ausgerechnet die Marine lernt vom landbasierten Krieg gegen die Ukraine“, so Schlüter und Mergener im Magazin Marineforum. Die Drohnen sollten „Durchhaltefähigkeit und Wirkung“ erzielen. „Es bleibt dem Marinechef auch nicht viel anderes übrig, denn bis 2029 wird keine der geplanten Fregatten, Tender und weiterer notwendiger Erneuerungen fertig werden“, machen die beiden Autoren und ehemaligen Marine-Offizieren deutlich. Von einem Boom-Markt schreibt der Bremer Weser-Kurier (WK). „Unbemannte Systeme ermöglichen der Marine auf der Grundlage moderner Waffentechnologie eine deutliche Steigerung des Abschreckungspotenzials, vor allem in der Ostsee“, zitiert der WK einen Marine-Sprecher.

Wegen Putins Provokationen: NATO hat einen neuen Beschaffungsansatz beschlossen

Hintergrund ist, dass auch die in Bremen ansässige Lürssen-Wert mit ihrer Marineschiffbausparte Naval Vessel Lürssen (NVL) ins Drohnen-Geschäft einsteigt – die unbemannten Überwasserschiffe sollen dann bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut werden. Für den zügigen Beginn habe NVL mit der britischen Kraken Technology Group ein Joint Venture gegründet, schreibt WK-Autor Peter Hanuschke. Seinen Informationen zufolge wolle NVL damit in den militärischen wie zivilen Markt einsteigen mit Booten zwischen acht und 15 Metern Länge vor allem für Aufgaben der Seeraumüberwachung. Mehrere hundert Einheiten pro Jahr würden möglich, zitiert der Weser-Kurier den NVL-Sprecher Oliver Grün. Einer der Kunden wird wohl die NATO werden.

Im Rahmen der Task Force X zwischen dem 9. und 27. 2025 Juni habe das nordatlantische Verteidigungsbündnis eine Reihe unbemannter Systeme in der Ostsee erprobt, haben die Naval News berichtet. „Diese Initiative stärkt die maritime Sicherheitslage des Bündnisses, verbessert das Lagebewusstsein, verstärkt die Überwachung und schützt kritische Unterwasserinfrastruktur“, schreibt die NATO dazu in einer Pressemitteilung. Die Einberufung einer Taskforce sowie die Erprobung ist Teil der Anforderungen des neuen Rapid Adoption Action Plan (RAAP) des Bündnisses. Damit hat die NATO am 25. Juni in Den Haag während ihres Gipfeltreffens einen neuen Beschaffungsansatz beschlossen. Offenbar ein Hoffnungsschimmer für die Militärs und Planungssicherheit für Rüstungsproduzenten.

Die Abschreckungs- sowie die Verteidigungsfähigkeit steht auch in der Ostsee auf dem Spiel. Die seit dem Beitritt Schwedens zur NATO im März 2024 erhoffte „Eingemeindung“ der Ostsee als NATO-Meer ist durch Putins provokantes Auftreten seiner Schattenflotte sowie der teilweisen Eskortierung durch russische Marine zunächst noch bedroht. Mit dem Rapid Adoption Action Plan will die NATO größere Handlungsfreiheit gewinnen, wie sie in ihrer offiziellen Zusammenfassung zum Beschluss des RAAP formuliert: „Mit diesem Plan werden die Bündnispartner und die NATO eine neue Denkweise und einen besseren Ansatz für Verteidigungsinnovationen entwickeln – sie werden in frühen Phasen mehr Risiken eingehen, um schneller bessere Ergebnisse zu erzielen.“ (Quellen: NATO, Hudson Institute/Advanced Technology for Humanity, National Defense, hartpunkt, Defense Post, Naval News, Marineforum, Weser-Kurier) (hz)

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