Medienbericht

„Gefahr für den Westen“: China wirbt unsere Kampfpiloten ab - Verteidigungsministerium ist alarmiert

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Cockpit eines Airbus A-400M der Luftwaffe (Archivbild): China soll gezielt Nato-Piloten abwerben.

Ein Medienbericht legt nahe, dass China in Deutschland versucht, Kampfpiloten abzuwerben. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor China.

Berlin – Von einer „Gefahr für den Westen“ war die Rede, als im vergangenen Jahr britische Regierungsbeamte erstaunliche Informationen an die Medien weitergaben: China versuche, ehemalige und aktive britische Luftwaffenpiloten zu rekrutieren, damit diese ihre chinesischen Kollegen zu militärischen Abwehrmethoden schulen und ihnen zeigen, wo die Schwächen westlicher Kampfjets und Helikopter liegen. Bei rund 30 ehemaligen Piloten habe das schon geklappt, berichteten im Oktober mehrere Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in London.

Nun macht sich auch in Deutschland Sorge breit, Peking könne hierzulande ebenfalls militärisches Personal abwerben. Bundeswehrangehörige, ehemalige Nachrichtendienstmitarbeiter sowie besonders Nato-Piloten stünden im Zentrum der chinesischen Bemühungen, berichtete unlängst die Welt am Sonntag. Die Nato-Piloten sollten – ganz ähnlich wie im Falle von Großbritannien – dabei helfen, den Kampf gegen westliche Militärflugzeuge und -hubschrauber zu üben. Angeworben würden sie häufig über Flugschulen im Ausland – auch das eine Parallele zum britischen Fall. Wie oft das geklappt hat, ist nicht bekannt.

Reichen die deutschen Gesetze aus?

Laut Welt am Sonntag wurden die chinesischen Anwerbetätigkeiten in Deutschland bekannt, nachdem Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags öffentlich schärfere Richtlinien für Beamte gefordert hatten, die aus sicherheitsrelevanten Bereichen des öffentlichen Dienstes in die Privatwirtschaft wechseln.

Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte der Zeitung mit, man wolle „prüfen, ob die bisherigen Gesetze und Regelungen, die solch ein Verhalten unterbinden sollen, ausreichen, oder ob wir gesetzlich nachschärfen müssen“. Bislang müssen gemäß Soldatengesetz Kampfpiloten Jobs im sicherheitsrelevanten Sektor nur anzeigen, wenn die neue Aufgabe mit der dienstlichen Tätigkeit in den fünf Jahren zuvor im Zusammenhang steht. Sollte die ursprüngliche Tätigkeit länger zurückliegen, entfällt die Anzeigepflicht. Kampfpiloten gehen meist im Alter von etwa 50 Jahren in den Ruhestand.

Chinas Staats- und Parteichef: So stieg Xi Jinping zum mächtigsten Mann der Welt auf

Chinas heutiger Staatschef Xi Jinping (2. von links) mit anderen Jugendlichen im Mao-Anzug
Xi Jinping wurde am 15. Juni 1953 in Peking geboren. Als Sohn eines Vize-Ministerpräsidenten wuchs er sehr privilegiert auf. Doch in der Kulturrevolution wurde er wie alle Jugendlichen zur Landarbeit aufs Dorf geschickt. Das Foto zeigt ihn (zweiter von links) 1973 mit anderen jungen Männer in Yanchuan in der nordwestlichen Provinz Shaanxi. Dort soll Xi zeitweise wie die Einheimischen in einer Wohnhöhle gelebt haben. © imago stock&people
Xi Jinping steht vor der Golden Gate Bridge in San Francisco
Xi Jinping 1985 vor der Golden Gate Bridge in San Francisco: Damals war er als junger Parteichef des Landkreises Zhengding in der nordchinesischen Agrarprovinz Hebei Delegationsleiter einer landwirtschaftlichen Studienreise nach Muscatine im US-Bundesstaat Iowa. Dort nahm die Gruppe nach offiziellen Berichten „jeden Aspekt der modernen Landwirtschaft unter die Lupe“. Anschließend reiste Xi weiter nach Kalifornien. Es war sein erster USA-Besuch. © imago stock&people
Xi Jingping und Peng Liyuan
Zweites Eheglück: Xi Jinping und seine heutige Ehefrau, die Sängerin Peng Liyuan, Anfang 1989. Zu dieser Zeit war Xi Vizebürgermeister der ostchinesischen Hafenstadt Xiamen. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Xis erste Ehe war nach nur drei Jahren an unterschiedlichen Lebenszielen gescheitert. Seine erste Frau, die Diplomatentochter Ke Lingling, zog in den 1980er-Jahren nach Großbritannien. © imago
Xi Jinping gräbt mit Parteikollegen an einem Damm zur Verstärkung eines Deiches in Fujian
Aufstieg über die wirtschaftlich boomenden Küstenregionen: 1995 war Xi Jinping bereits stellvertretender Parteichef der Taiwan gegenüberliegenden Provinz Fujian – und noch ganz volksnah. Im Dezember 1995 arbeitet er mit an der Verstärkung eines Deiches am Minjiang-Fluss. © Imago/Xinhua
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt Chinas Vizepräsident Xi Jinping das Regierungsviertel in Berlin
Vizepräsident Xi Jinping 2009 im Kanzleramt bei Angela Merkel: Die deutsch-chinesischen Beziehungen waren unter Merkel relativ eng und von wirtschaftlicher Zusammenarbeit geprägt. Merkel und Xi reisten aus Berlin weiter nach Frankfurt, um die dortige Buchmesse zu eröffnen. China war als Ehrengast geladen. © GUIDO BERGMANN/Pool/Bundesregierung/AFP
Die Vizepräsidenten Xi Jinping aus China und Joe Biden aus den USA halten T-Shirts mit einer Freundschaftsbekundung in die Kamera
Ein Bild aus besseren Zeiten: Aus ihrer jeweiligen Zeit als Vizepräsidenten kamen Joe Biden und Xi Jinping mehrmals zusammen. Im Februar 2012 demonstrierten sie bei einer Reise Xis nach Los Angeles in einer Schule „guten Willen“ zur Freundschaft mit T-Shirts, die ihnen die Schüler überreicht hatten. Damals fehlten Xi nur noch wenige Monate, um ganz an die Spitze der Kommunistischen Partei aufzusteigen. © FREDERIC J. BROWN/AFP
Ein alter Mann in Shanghai schaut auf Xi bei seiner ersten Rede als Parteichef im Fernseher.
Xi Jinping hat es geschafft: Zum Ende des 18. Parteitags am 15. November 2012 wurde Xi als neuer Generalsekretär der Kommunisten präsentiert – und ganz China schaute zu. Xi gelobte in seiner ersten kurzen Rede als Parteichef, die Korruption zu bekämpfen und ein „besseres Leben“ für die damals 1,3 Milliarden Menschen des Landes aufzubauen.  © PETER PARKS/AFP
Der neue Staatschef Xi Jinping geht hinter seinem Vorgänger Hu Jintao zu seinem Platz in der Großen Halle des Volkes in Peking.
Übernahme auch des obersten Staatsamtes: Xi Jinping wurde auf dem Nationalen Volkskongress im März 2013 Präsident und schloß damit den Übergang von seinem Vorgänger Hu Jintao (vorn im Bild) zur Xi-Ära ab. © GOH CHAI HIN/AFP
Chinas Präsident und seine Ehefrau Peng Liyuan gehen über den Flughafen Orly in Paris.
Xi Jinpings Ehefrau Peng Liyuan ist die erste First Lady Chinas, die auch öffentlich in Erscheinung tritt. Hier kommt das Ehepaar zu einem Staatsbesuch in Frankreich an. Die Gattinnen von Xis Vorgängern hatten sich nie ins Rampenlicht gedrängt. Vielleicht auch, weil Maos politisch aktive dritte Ehefrau Jiang Qing nach dem Tod des „Großen Vorsitzenden“ als Radikale verurteilt worden war. © YOAN VALAT/Pool/AFP
Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas auf dem Weg zum Parteitag in Peking
So sehen KP-Funktionäre aus: Delegierte des 19. Parteitags auf dem Weg zur Großen Halle des Volkes in Peking im Oktober 2017. Auf diesem Parteitag gelang es dem Staats- und Parteichef, seine „Xi Jinping-Gedanken zum Sozialismus Chinesischer Prägung in der Neuen Ära“ in die Parteiverfassung aufzunehmen. Er war der erste nach Mao, der zu Lebzeiten in der Verfassung eine Theorie mit seinem Namen platzieren konnte. Einen Kronprinzen präsentierte Xi auf dem Parteitag nicht – entgegen den normalen Gepflogenheiten. © GREG BAKER/AFP
Xi Jinping nimmt in einer Staatslimousine „Rote Fahne“ die Parade zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China ab.
70 Jahre Volksrepublik China: Staatschef Xi Jinping nahm 2019 in einer offenen Staatslimousine Marke „Rote Fahne“ die Militärparade in Peking zum Jahrestag der Staatsgründung ab. © GREG BAKER/AFP
Wirtschaftsforum in Wladiwostok
Xi Jinping pflegt eine offene Freundschaft zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin – bis heute, trotz des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Putin und Xi teilen die Abneigung gegen die von den USA dominierte Weltordnung. Hier stoßen sie 2018 bei einem gemeinsamen Essen auf dem Wirtschaftsforum von Wladiwostok, auf dem sich Russland als Handelspartner und Investitionsziel im asiatischen Raum präsentierte, miteinander an. © Sergei Bobylev/POOL TASS Host Photo Agency/dpa
Xi Jinping besucht im weißen Kittel ein Labor und lässt sich die Impfstoffentwicklung erklären
Ende 2019 brach in China die Corona-Pandemie aus. Im April 2020 informierte sich Xi Jinping in einem Labor in Peking über die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung. Xi ist bis heute überzeugt, dass China die Pandemie besser im Griff hat als der Rest der Welt. Seine Null-Covid-Politik beendet er nicht, wohl auch wegen der viel zu niedrigen Impfquote unter alten Menschen. © Ding Haitao/Imago/Xinhua
Xi Jinpings Konterfei lächelt von einem Teller mit rotem Hintergrund
Auf dem 20. Parteitag im Oktober 2022 ließ sich Xi Jinping zum dritten Mal zum Generalsekretär der Kommunisten ernennen. Damit ist er der mächtigste Parteichef seit Mao Zedong. © Artur Widak/Imago

Auch Verfassungsschutz warnt vor China

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) zeigt sich derzeit wegen chinesischer Aktivitäten im Ausland alarmiert. BfV-Präsident Thomas Haldenwang berichtete am Montag bei einem Symposium seiner Behörde in Berlin von einer „hohen Intensität“ bei den Aufklärungsaktivitäten der chinesischen Nachrichtendienste. Dabei stünde vor allem der Transfer von Know-how im Zentrum. „Aber für das erklärte Ziel der globalen, politischen, militärischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Führungsrolle setzt Peking auch für Spionageoperationen unverändert enorme menschliche und finanzielle Ressourcen ein.“

Neben komplexen Cyberangriffen sei zudem „ein gesteigertes Interesse an der Ausspähung der deutschen Politik auf allen Feldern“ zu beobachten. Im Vergleich etwa zu Russland – das laut BfV ebenfalls aggressiv versucht, hierzulande Einfluss zu nehmen – handle China „weitaus diskreter, strategischer und mit langfristiger Zielsetzung“, so Haldenwang.

Chinas Außenpolitik wird zunehmend aggressiver

Der Verfassungsschutzchef hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die gewachsenen Herausforderungen durch China hingewiesen. Im Streit um eine Beteiligung der chinesischen Staatsreederei Cosco an einem Terminal des Hamburger Hafens sagte Haldenwang im vergangenen Herbst, sein Amt warne schon seit geraumer Zeit, „dass wir uns nicht in Abhängigkeit begeben dürfen“. Auch wenn die Bedrohung durch den Kreml derzeit akuter sei, stelle Peking langfristig gesehen die größere Gefahr für Deutschland dar. „Russland ist der Sturm, China der Klimawandel“, sagte Haldenwang im Oktober. „Und insofern werden wir uns auf diesen Klimawandel auch in den kommenden Jahren einzustellen haben.“

Seit dem Amtsantritt von Xi Jinping im Jahr 2012 verfolgt China eine deutlich aggressivere und selbstbewusstere Außenpolitik als in den Jahrzehnten zuvor. So erhöhte Peking stetig den Druck auf Taiwan – China betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil des eigenen Staatsgebiets, der notfalls mit Gewalt mit dem Festland vereinigt werden müsse. Im Südchinesischen Meer kommt es zudem immer wieder zu Zusammenstößen mit anderen Staaten der Region. China betrachtet einen Großteil des Meeres als eigenes Hoheitsgebiet. (sh)

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