Putins Wirtschaft gerät unter Druck: Selenskyj will Attacken auf Russland ausweiten
VonJekaterina Jalunina
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Drohnenangriffe der Ukraine auf Russland treffen Infrastruktur und Russlands Wirtschaft und erhöhen den Druck auf Präsident Putin.
Kiew/Moskau – Die Ukraine wehrt sich seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Immer wieder greift Kiew inzwischen auch Ziele tief im russischen Hinterland an – vor allem mit Drohnen. So hatte Russland in der Nacht auf den 27. Oktober nach eigenen Angaben einen größeren ukrainischen Drohnenangriff auf die Hauptstadt Moskau abgewehrt. Solche Angriffe auf zentrale Infrastruktur und Energieanlagen treffen nicht nur militärische Ziele, sondern belasten auch Russlands Wirtschaft und erhöhen den Druck auf das Land und auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine Talsperre in Russland mit Drohnen angegriffen. In seiner abendlichen Videobotschaft kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj zudem eine mögliche Ausweitung der ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffe im Ukraine-Krieg an. „Die Fähigkeiten für weitreichende Angriffe sind ein Bestandteil (unserer) Unabhängigkeit und werden zum größten Bestandteil für die Garantie des Friedens“, sagte Selenskyj. Zuvor hatte der ukrainische Präsident mit dem Armee-Oberkommando die Ziele für Angriffe bis Ende des Jahres besprochen. Dabei sei auch eine „geografische Ausweitung“ der Attacken vorgesehen, wie Selenskyj betonte.
Ukraine-Krieg: Ukraine greift Energieanlagen im russischen Hinterland an
Die Talsperre der russischen Großstadt Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine ist nach Moskauer Behördenangaben durch ukrainische Drohnen beschädigt worden. Der Wasserstand in dem künstlichen See sei um einen Meter gesunken, teilte die zuständige russische Wasserbehörde der Agentur Tass zufolge mit. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow rief die Bewohner von Orten unterhalb des Staudamms zu Vorsicht auf. Für den Staudamm wurde eine Notsituation festgestellt.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien und andere Energieanlagen zuletzt intensiviert. Die gezielten Angriffe gegen Russlands Wirtschaft setzen sich damit fort. Erst kürzlich hatten ukrainische Drohnen die russische Energieinfrastruktur getroffen. Nach Angaben des Kyiv Independent griff die Armee unter Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits am 20. Oktober eine Gasanlage in Orenburg, über 900 Kilometer von der Ukraine entfernt, an.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Dabei kam es zu einem Brand, die Anlage wurde beschädigt und musste vorerst den Betrieb einstellen. Parallel berichteten russische Medien von einem Brand in einer Ölraffinerie in der Region Samara. Diese Attacken treffen zentrale Einrichtungen der Energieversorgung und erhöhen den Druck auf Russlands Wirtschaft weiter.
Trump friert Vermögen russischer Ölkonzerne ein – massiver Schlag gegen Russlands Wirtschaft
Die wirtschaftliche Abkehr vom Westen infolge des Ukraine-Krieges und der Sanktionen gehört zu den größten Umwälzungen, die Russlands Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Trump hatte in der vergangenen Woche Sanktionen gegen die beiden größten russischen Erdölkonzerne Lukoil und Rosneft verkündet. Sämtliche Vermögenswerte der Unternehmen in den USA werden eingefroren, US-Firmen dürfen keine geschäftlichen Beziehungen zu beiden Konzernen unterhalten. Unternehmen, die weiterhin Handel treiben, haben einen Monat Zeit, ihre Beziehungen zu beenden, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Andernfalls drohen indirekte Sanktionen, darunter der Ausschluss vom Zugang zu Banken, Handelspartnern, Speditionsunternehmen und Versicherungen in den USA.
Lukoil und Rosneft, die rund 55 Prozent der gesamten russischen Erdölförderung ausmachen, wurden zudem auf die vom US-Finanzministerium geführte SDN-Sanktionsliste gesetzt, die auch von zahlreichen weiteren Staaten befolgt wird. Die gezielten Maßnahmen treffen einen zentralen Pfeiler von Russlands Wirtschaft.
US-Präsident Donald Trump begründete die Sanktionen mit ausbleibenden Fortschritten bei den Bemühungen um Ukraine-Friedensgespräche mit Russland. Kurz zuvor hatte er ein geplantes Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Budapest abgesagt. Putin bezeichnete die Sanktionen als „schwerwiegend“, fügte aber hinzu, sie würden keine „bedeutende Wirkung“ auf die Wirtschaft entfalten. (Quellen: Tass, dpa, Kyiv Independent, afp, tagesschau) (jal)