„Feministisches Trio“ soll Linke erstmals in den Landtag in Baden-Württemberg bringen
VonSonja Thomaser
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Historische Chance für die Linke bei der Wahl in Baden-Württemberg: Mit drei jungen Spitzenkandidatinnen will die Partei am 8. März 2026 erstmals die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.
Baden-Württemberg steht vor einer möglichen politischen Zeitenwende: Die Linke, die in ihrer Geschichte noch nie im Landtag des Südweststaats vertreten war, hat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 erstmals realistische Chancen auf den Einzug ins Parlament.
Das Spitzentrio zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026: Mersedeh Ghazaei (von l. nach r.), Kim Sophie Bohnen und Amelie Vollmer steht beim Landesparteitag auf dem Podium.
Angeführt wird die Partei von einem selbsternannten „feministischen Spitzentrio“, so der SWR – drei jungen Frauen, die mit ihren Kernthemen bezahlbares Wohnen, Gesundheit und Bildung punkten wollen.
Linke ist vor Baden-Württemberg-Wahl konstant bei sieben Prozent in Umfragen
Die Zeichen stehen günstig für die Linke: Aktuelle Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg sehen die Partei konstant bei sieben Prozent – deutlich über der entscheidenden Fünf-Prozent-Hürde. Bei der letzten Landtagswahl 2021 scheiterte die Linke noch klar mit nur 3,6 Prozent der Stimmen.
Baden-Württemberg-Trend Januar 2026
im Vergleich zu Oktober 2025
Grüne
23 Prozent (+ 3)
CDU
29 Prozent (+/- 0)
SPD
8 Prozent (- 2)
FDP
5 Prozent (+/- 0)
AfD
20 Prozent (- 1)
Linke
7 Prozent (+/- 0)
Sonstige
8 Prozent (+/- 0)
Quelle: Repräsentative des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von SWR und Stuttgarter Zeitung vom 22.1.2026. Befragt wurden 1.168 Personen (686 Telefoninterviews und 482 Online-Interviews) vom 14. bis 20. Januar 2026.
„Feministisches Spitzentrio“ der Linken für die Landtagswahl in Baden-Württemberg
Das Führungstrio der baden-württembergischen Linken verkörpert einen Generationswechsel: Kim Sophie Bohnen (26) hat bezahlbares Wohnen als Herzensthema. Die Heidelbergerin führt die Landesliste an und macht die Wohnungspolitik zu ihrem zentralen Anliegen. Ihr Wahlkampfmotto: „Mieten runter“. Bohnen wurde mit 88,1 Prozent der Delegiertenstimmen auf Platz eins gewählt, wie der SWR berichtet. Die gelernte Bankkauffrau studierte Politikwissenschaften und Soziologie und wurde durch den Kontakt mit finanziell schwer belasteten Bankkunden politisiert.
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Amelie Vollmer (22) ist fokussiert auf das Gesundheitswesen – besonders im ländlichen Raum. Die Offenburgerin steht auf Listenplatz zwei (90,3 Prozent Zustimmung laut SWR). Als jüngste Kandidatin bringt sie bereits Erfahrung mit: Schon 2021 kandidierte sie laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg mit 18 Jahren für den Landtag und war damals landesweit die jüngste Bewerberin. Vollmer fordert: „Keine Krankenhausschließungen mehr, denn Gesundheit ist keine Ware.“
Mersedeh Ghazaei (28) steht für Bildung für alle. Die Stuttgarterin auf Platz drei (67,8 Prozent Zustimmung laut SWR) stammt aus einer iranischen Arbeiterfamilie und setzt sich für Bildungsgerechtigkeit ein. Die Philosophie- und Anglistik-Absolventin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Linken-Bundestagsabgeordneten und fordert gebührenfreie Kitas sowie faire Bezahlung im Bildungsbereich.
Mitgliederboom und junger Nachwuchs bei der Linken in Baden-Württemberg
Der Erfolg der Linken spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider: 2025 verdoppelte die Partei in Baden-Württemberg ihre Mitgliederzahl und zählt nun 10.440 Mitglieder, wie der SWR berichtet. Besonders bemerkenswert: 52 Prozent sind 30 Jahre alt oder jünger – ein Zeichen für den Generationswechsel, den auch das Spitzentrio verkörpert.
Die ambitionierten sozialpolitischen Pläne der Linken – von kostenlosem Schulessen bis hin zu gebührenfreien Kitas – sollen durch Umverteilung finanziert werden. „Wer mehr hat, kann auch mehr geben“, argumentiert Spitzenkandidatin Bohnen laut SWR und verweist auf mögliche Vermögens- und Erbschaftssteuern.
Einzug der Linken bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hätte historische Bedeutung
Sollte die Linke tatsächlich in den Landtag einziehen, wäre dies ein historisches Ereignis für Baden-Württemberg. Die Partei würde nicht nur ihre politische Präsenz im Südwesten etablieren, sondern auch die Zusammensetzung des Parlaments deutlich verjüngen und den Frauenanteil erhöhen.