Doppel-Panne beim Regierungsflugzeug

Flieger-Klappe auf, Reise tot: Warum Baerbock Australien absagt – und nicht den Linienflug nimmt

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Pannen am Regierungsflugzeug lassen die Außenministerin stranden. Dann will sie auf einen Linienflug umsteigen. Doch der Plan geht nicht auf.

Abu Dhabi – Annalena Baerbock war sauer. „Wir haben alles versucht: leider ist es logistisch nicht möglich, meine Indo-Pazifik-Reise ohne den defekten Flieger fortzusetzen. Das ist mehr als ärgerlich“, teilte die Politikerin der Grünen am Dienstagmorgen (15. August) auf Twitter/X mit. Dabei wollte die Bundesaußenministerin zu diesem Zeitpunkt eigentlich in Australien sein. Doch nach wiederholten technischen Schwierigkeiten mit dem Regierungsflieger musste sie ihre Reise in die Pazifik-Region endgültig abbrechen.

Gleich zweimal innerhalb von 24 Stunden hatte Annalena Baerbock zuvor versucht, mit einem Airbus der Flugbereitschaft nach Australien zu kommen. Doch eine Doppel-Panne mit der Bundeswehr-Maschine machte die Dienstreise nach Australien, Neuseeland und Fidschi am Ende unmöglich.

Doppel-Panne am Flugzeug: Baerbock bricht Reise in Pazifik-Region ab

Grund für die zwei Abbrüche waren nach Angaben der Luftwaffe Defekte an den Flügelklappen, die auch nach dem zweiten Start in Abu Dhabi wieder auftraten. „Wenn Sie auf die Monitore schauen, dann werden Sie auch das gleiche Flugverhalten wie gestern wiedererkennen. Wir sind gerade am Kreisefliegen. Uns ist tatsächlich leider das gleiche Problem, was wir gestern hatten, wieder passiert“, sagte der Flugkapitän in der Nacht zu Dienstag nach Angaben eines Reporters der Deutschen Presse-Agentur an Bord der Maschine.

Nach der ersten Panne schien Annalena Baerbock noch guter Dinge.

Der Flieger war nach dem Start um 1.00 Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) in Abu Dhabi zu Anfang zwar gestiegen, nahm aber kein Tempo auf. 15 Minuten nach dem Abheben drehte der Airbus vom Typ A340-300 dann erneut vom Kurs ab und flog zurück in Richtung des Wüstenemirats, wo er schließlich um 2.57 Uhr Ortszeit wieder landete. Er mache das schon ein paar Jahre, sagte der Kapitän, „aber sowas ist auch in der Geschichte der Flugbereitschaft noch nicht passiert“.

Es war die zweite derartige Panne binnen 24 Stunden. Bereits am frühen Montagmorgen, drei Minuten nach dem Abheben um 3.33 Uhr Ortszeit (1.33 Uhr MESZ), hatte der Flugkapitän einen Defekt beim Einfahren der Klappen festgestellt. Nachdem die Crew in einem zweistündigen Manöver über dem Wüstenemirat und dem Meer rund 80 Tonnen Kerosin aus dem vollgetankten Flieger abgelassen hatte, landete er um 5.33 Uhr Ortszeit wieder in Abu Dhabi. Die Luftwaffe hat inzwischen reagiert und beschlossen, den Pannenflieger einzumotten.

Baerbock will auf Linienflugzeug umsteigen – Lösung nicht praktikabel

Selbst nach der zweiten Panne gab Baerbock noch nicht klein bei. Die Außenministerin wollte die Reise unbedingt ein drittes Mal versuchen. Wenn die Bundeswehr es nicht schaffe, fliege man eben Linie, lautete die Devise ihres Begleittrosses. Deshalb sollte Baerbock nach Angaben ihrer Delegation am Vormittag von Abu Dhabi aus mit ihrem Team per Linienflug direkt zur australischen Metropole Sydney aufbrechen. Doch am Ende erwies sich das als nicht praktikabel.

Noch in der Nacht waren Baerbocks Delegation und die mitreisenden Journalistinnen und Journalisten gebeten worden, sich zur Abfahrt zum Flughafen um 08.00 Uhr in der Lobby des Hotels zu treffen. Die zu diesem Zeitpunkt völlig überraschende Entscheidung zum Abbruch der Reise fiel erst, als der gesamte Tross bereits abfahrbereit in der Lobby stand.

Es sei „leider nicht mehr möglich“ gewesen, die geplanten Reisestationen der Indo-Pazifik-Reise nach dem Ausfall des Flugzeugs der Flugbereitschaft „mit den noch verfügbaren Optionen logistisch darzustellen“, erklärte das Auswärtige Amt. Aus der Delegation war von einer am Ende schweren Entscheidung die Rede. „Das ist alles sehr misslich“, hieß es.

In den kommenden Monaten werde es darauf ankommen, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen. So müssten voraussichtlich hochrangige Beamte nach Australien, Neuseeland und Fidschi zu Gesprächen und wichtigen Terminen reisen. Die abgebrochene Reise müsse nachgearbeitet werden. Der Indo-Pazifik bleibe Schwerpunkt für die Bundesregierung. Pläne für eine neue Reise gebe es aber noch nicht, erklärte das Auswärtige Amt gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. (cs/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Florian Gärtner/Imago

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