„Westlicher Niedergang“

Banken-Krise um Credit Suisse spielt Putin in die Hände

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Putin versucht die Bankenprobleme des Westens zu seiner Gunst zu verwenden. Eine Finanzkrise könne die westliche Unterstützung der Ukraine beeinflussen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschieben.

München/New York - In der USA werden zur Zeit Erinnerungen an das Jahr 2008 geweckt. In den USA befinden sich die Silicon Valley Bank und weitere Banken in der Krise. Auch in Europa bleibt die Finanz-Lage angespannt. Die Großbank Credit Suisse kündigte an, sich 50 Milliarden Franken der Schweizer Nationalbank zu leihen, um die Liquidität zu stabilisieren. Die schwierige Banken-Situation im Westen kommt für Russlands Präsident Wladimir Putin genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn dieser kann von seinen aktuellen Problemen im Ukraine-Krieg gekonnt ablenken und vermuten, dass der Westen die Ukraine nicht mehr lange finanzieren werden kann.

Banken-Krise um Credit Suisse spielt Putin in die Hände: Er will „westlichen Niedergang“ zeigen

„Was Putin will, ist ein Narrativ der Unordnung in den USA und in Europa, ob es sich bei dieser Unordnung um Proteste im Stil des 6. Januar, politische Polarisierung oder Wirtschaftskrise handelt“, sagte der Historiker Michael Kimmage der Newsweek. „Er will nur zeigen, dass es einen westlichen Niedergang gibt und dass der Westen die Ukraine nicht langfristig unterstützen kann“, so Kimmage. Dies müsse nicht der Wahrheit entsprechen, aber Putin wolle diese Geschichte dennoch erzählen. Diese Art von Ereignissen sind definitiv nützlich für die russische Öffentlichkeit“, sagte Kimmage.

Der russische Präsident Wladimir Putin.

Für Putin bietet die Finanzschieflage auch die Möglichkeit einer Ablenkung. In Bachmut kommt es derzeit zu schweren Kämpfen und Verlusten für die ukrainische und russische Seite. Die Bilder aus Bachmut zeigen, der russischen Bevölkerung die Brutalität des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. „Es ist nicht so, dass Putin mit dieser besonderen Krise aus diesem Problem herauskommen wird, aber die Aufmerksamkeit wird sich auf etwas anderes konzentrieren“, erklärte Kimmage. Es ist ein Ereignis, mit dem Russland in keinerlei Verbindung steht.

Mögliche Finanzkrise im Westen: Was passiert mit der Ukraine?

Sollte es zu einer Finanzkrise kommen, könnte diese einen Einfluss auf die westliche Unterstützung der Ukraine haben. „Die finanziellen Turbulenzen werden Europa wirtschaftlich schwächen, und das wird es schwieriger machen, die Kriegsanstrengungen weiterzutragen“, erklärte Alessandro Rebucci, Professor für internationale Finanzen und angewandte Makroökonomie an der Johns Hopkins Universität, der Newsweek. Kimmage und Rebucci sind sich dennoch einig, dass die Motivation, die Ukraine zu unterstützen, politischer Natur sind und nicht von wirtschaftlichen Faktoren abhinge.

Russland würde von einer möglichen Finanzkrise kaum tangiert. Selbst wenn die Credit Suisse zusammenbreche und es zu einer Wirtschaftskrise in der EU kommen würde, hätte dies „wenig Einfluss auf die russischen Banken oder das russische Finanzsystem“, wie Gary Hufbauer, vom Peterson Institute for International Economics sagte. Russland sei durch die auferlegten Sanktionen aus dem Westen bereits „gut isoliert“. Auch ohne Finanzkrise offenbart der Haushaltsbericht in Moskau Putins Probleme. (vk)

Rubriklistenbild: © Alexey Maishev/IMAGO

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