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Nach Drohnenangriff auf Moskau: Prigoschin wütet gegen „stinkende Bastarde“ 

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Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hat nach einem Drohnenangriff auf Moskau die russische Militärführung und ihre Waffenbeschaffung kritisiert.

Moskau – Ein Vorfall in Moskau, bei dem Drohnen über einem Nobel-Wohnviertel der russischen Hauptstadt gesichtet und abgeschossen wurden, hat das Land in Aufruhr versetzt. Einmal mehr hat der Vorfall auch den Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, auf den Plan gerufen. Dieser meldete sich kurz nach der versuchten Attacke über seinen Telegram-Kanal zu Wort, beschimpfte Militärführung und Verwaltungsapparat des Verteidigungsministeriums und ließ durchblicken, dass Russland dem Gegner stellenweise massiv unterlegen sein könnte.

Nach einer Übersetzung der Nachrichtenseite t-online beschimpfte Prigoschin die für die Sicherheit Russlands zuständigen Stellen etwa als „stinkende Bastarde“ und „Arschlöcher“. Zudem warf er ihnen vor, nicht weiter zu sein als „Bürokraten, die ein tolles Leben genießen“.

Mit Beschimpfungen und Schuldzuweisungen hat sich Wagner-Chef Prigoschin nach dem Angriff auf Moskau an die russische Militärführung gewandt. (Archivfoto)

Prigoschin mit heftiger Kritik nach Angriff auf Moskau: „Lasst eure Häuser brennen“

In seiner Kritik, die wohl auch Russlands Machthaber Wladimir Putin gelten sollte, gab sich Prigoschin betont volksnah und zeigte sich besorgt, dass ähnliche Attacken auch der ärmeren russischen Zivilbevölkerung drohen könnte. So fragte er etwa, was normale Bürger tun sollten, „wenn bewaffnete Drohnen in ihre Fenster fliegen?“.

Betont gleichgültig gab sich der Oligarch dagegen gegenüber den gutbetuchten Bewohner:innen des Moskauer Nobelviertels Rubljowka, wo laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters auch Putin ein Luxusanwesen besitzen soll: „Falls sie (Anm. die Drohnen) zu euren Häusern nach Rubljowka fliegen, lasst eure Häuser brennen“. Dem Verteidigungsministerium Russlands warf Prigoschin vor, noch nichts getan zu haben, das Russland voranbringen könnte. Zudem warf Prigoschin der Militärführung auch vor, bei der Entwicklung von Drohnen „Jahre, vielleicht Jahrzehnte, hinter unseren Gegnern zurück“ zu liegen.

Drohnen über Moskau: Schoigu lobt – Putin fordert Ausbau der Flugabwehr

Während Moskau über den Angriff als ein Terrorakt seitens der Ukraine spricht, weist Kiew nach übereinstimmenden Medienberichten die Anschuldigungen von sich. Wie der britische Guardian berichtet, soll es sich Videoaufnahmen zufolge bei mindestens einer der Drohnen um ein Modell der durch die Ukraine gefertigten UJ22 gehandelt haben. Laut russischen Angaben sollen am frühen Dienstagmorgen acht Drohnen über Moskau abgeschossen worden sein. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa wurden mehrere Wohngebäude geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Neben Prigoschin, der in den letzten Tagen und Wochen immer wieder aus mehreren Gründen heftige Kritik an der Staats- und Militärführung äußert und damit bereits Spekulationen über Putschpläne hervorgerufen hat, haben sich auch Putin und sein Verteidigungsminister Sergei Schoigu zu dem mutmaßlichen Angriff auf Moskau geäußert. Doch auch diese beiden verhalten sich nicht sonderlich einig. Während Schoigu nach dem Drohnenangriff die Leistung der russischen Flugabwehr lobte, betonte Putin in einem Auftritt im Staatsfernsehen, dass das Flugabwehrsystem dringend verbessert und ausgebaut werden müsse. (saka mit dpa)

Rubriklistenbild: © Handout/AFP

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