Misstrauen in Politik

Negativrekord für Ansehen von Staat und Regierung: Ampel-Koalition verliert Vertrauen

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Die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz ((SPD) hat das Vertrauen vieler Menschen verloren.
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Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland den Staat für nicht in der Lage halten, seine Aufgaben zu erfüllen.

Berlin – Es ist ein neuer Tiefpunkt für die derzeitige Bundesregierung, aber auch für die staatlichen Organisationen generell: 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger halten den Staat für überfordert, nur noch ein Viertel von ihnen glaubt, dass er seine Aufgaben erfüllen kann. Das ist das Ergebnis der einer aktuellen repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes dbb jährlich durchführt. Befragt wurden im Mai 2024 dafür insgesamt 2001 Menschen.

Im Ergebnis hat sich ein Negativtrend fortgesetzt, der seit Jahren anhält. 2019 sagten 61 Prozent der Befragten, dass der Staat nicht mehr in der Lage sei, seine Aufgaben zu erfüllen. Diese Zahl ging während der Corona-Pandemie zwischenzeitlich zurück – um danach umso stärker anzusteigen, bis zum derzeitigen Negativrekord. Die Menschen im Osten sind dabei noch skeptischer als die im Westen: 77 im Osten glauben, dass der Staat überfordert ist, im Westen sind es 69 Prozent.

Umfrage für den Deutschen Beamtenbund: Unterschiedliche Stimmung zwischen Partei-Klientelen

Deutliche Unterschiede gibt es bei den Anhänger:innen der verschiedenen Parteien – wobei der Dissens innerhalb der Ampel-Koalition beträchtlich ist. Bei den Menschen, die der FDP nahestehen, sind 85 Prozent der Meinung, dass der Staat handlungsunfähig ist. Bei der SPD sind es 54, bei den Grünen 50 Prozent. Generell sind Menschen mit höherem Bildungsabschluss weniger pessimistisch in dieser Frage. Doch auch bei ihnen glaubt die Mehrheit, dass der Staat seinen Aufgaben nicht mehr gerecht wird. Getoppt wird das Negativimages des Staates bei FDP-Anhänger:innen nur durch jene, die der AfD nahestehen: Von ihnen halten 90 Prozent den Staat für überfordert.

Bei welchen Themen der Staat überfordert sei, wurde von Forsa ohne Vorgaben abgefragt. Am meisten genannt (30 Prozent) wurde die Migrations- und Asylpolitik. Danach kommen Schul- und Bildungspolitik (19 Prozent) und die innere Sicherheit (13 Prozent). 12 Prozent der Befragten sehen den Staat bei Klima- und Umweltschutz, 11 Prozent bei der sozialen Sicherheit überfordert.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
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Robert Habeck auf Deutschlandtour.
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Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Allerdings machten die Befragten einen bemerkenswerten Unterschied. Das betonte der Vorsitzende des Beamtenbundes, Ulrich Silberbach, bei der Vorstellung der nunmehr 18. dbb-Bürgerbefragung. „Während wir jedes Jahr neue Negativrekorde über schwindendes Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates melden, steigt gleichzeitig das Ansehen der Beschäftigten“, sagte er. Das gilt auch für die Beamtinnen und Beamten: Ihnen wurde im Vergleich zu 2023 weniger häufig attestiert, mürrisch oder arrogant zu sein. Allerdings hält nur eine Minderheit (48 Prozent) die Beamtenschaft für hilfsbereit, gar nur 40 Prozent für unbestechlich.

Umfrage zeigt: Müllabfuhr, Bibliotheken und Museen besitzen hohes Ansehen

Interessanterweise sind die meisten Befragten nicht der Meinung, dass der Staat zu viel Geld kostet. Dieser Aussage schließen sich 43 Prozent an, 48 Prozent sahen dies anders. Das größte Ansehen genießen die Beschäftigten bei Straßenreinigung und Müllabfuhr und in den Bibliotheken und Museen. Am unbeliebtesten sind die Bundesministerien. Eher schlecht schneiden auch Schulen, Arbeits- und Sozialämter ab.

Die wichtigsten Aufgaben des Staates sehen die Befragten auch in diesem Jahr in der Aufrechterhaltung der sozialen Gerechtigkeit, der Verbesserung der Infrastruktur, der Modernisierung des öffentlichen Dienstes – sowie der Stärkung der Bundeswehr. Dafür sind die Themen Klimaschutz und erneuerbare Energien im Ranking zurückgefallen.

Immer wieder interessant ist das Ranking der beliebtesten Berufsgruppen. Spitzenreiter sind hier wie in den Vorjahren die Feuerwehrleute. Sie haben zu 94 Prozent ein hohes bis sehr hohes Ansehen. Danach folgen die Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte. Auch Polizeibeamte und das Erziehungspersonal ist hoch angesehen. Den größten Sprung bei der Beliebtheit machten Richter:innen und Soldat:innen: Beide Berufsgruppen kletterten um 5 Prozentpunkte nach oben. Am Ende des Rankings finden sich wie jedes Jahr die Politiker:innen und Politiker. Immerhin rangieren sie noch vor den Beschäftigten in Werbeagenturen oder Versicherungen.

Staatsbedienstete fühlen sich laut Umfrage unter Druck

Einen Schwerpunkt in der Befragung bildeten die Belastungen bei einzelnen Tätigkeiten und worauf sie beim Arbeiten Wert legen. Den meisten gilt ein angenehmer Kollegenkreis als wichtig (67 Prozent), deutlich dahinter rangierten flexible Arbeitszeiten (43 Prozent) und zusätzliche finanzielle Leistungen wie etwa Weihnachtsgeld oder Inflationsausgleich (39 Prozent). Für 31 Prozent ist mobiles Arbeiten sehr wichtig. Mehr Urlaub (16 Prozent) oder eine Verkürzung der Arbeitszeit (14 Prozent) werden deutlich seltener genannt.

Dennoch ist für Silberbach genau das ein zentraler Aspekt für den öffentlichen Dienst. Er verweist darauf, dass gerade die Beamtinnen und Beamten sich psychisch besonders belastet fühlen. Von ihnen gaben 61 Prozent an, sich durch den Job „sehr stark“ oder „eher stark“ psychisch belastet zu fühlen. Die meisten von ihnen sind dies wegen Überstunden und Mehrarbeit, ergab die Forsa-Umfrage. Silberbach fordert daher eine Arbeitszeitverkürzung für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst – vor allem bei der Polizei, Schulen und im Gesundheitsdienst.

Gerade die öffentlich Bediensteten hätten die zunehmende Verrohung in der Gesellschaft auszubaden, sagte er. „Hinzu kommen die Belastungen, die sich durch den wachsenden Personalmangel und ständig neue Aufgaben und Bürokratie im Öffentlichen Dienst ergeben“, sagte er am Mittwoch (26. Juni). „Arbeitsverdichtung, Überstunden, Doppelschichten – das macht die Leute krank!“ Beschäftigte im öffentlichen Dienst wünschten sich daher häufiger eine Vier-Tage-Woche oder zusätzliche Urlaubstage als jene in der Privatwirtschaft, so Silberbach. „Kein Wunder, sie arbeiten im Schnitt ja auch länger als andere Berufsgruppen“, sagte der Gewerkschaftschef. Bundesbeamte müssten seit 2006 wöchentlich 41 Stunden ableisten. „Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die durch nichts mehr begründet ist als durch die Ignoranz der Dienstgebenden.“ Wer hier nicht für Entlastung sorge, sie entweder blind oder rücksichtslos. (Christine Dankbar)

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