Warnung vor „falscher Hoffnung“

Bei Trump-Rückzieher hat EU Plan B für Ukraine-Krieg

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Donald Trump könnte sich aus den Ukraine-Verhandlungen zurückziehen und Sanktionen gegen Putins Russland lockern. Die EU will dann reagieren.

Brüssel – Zwar hat Donald Trump gerade einen Deal mit der Ukraine geschlossen, der nach Worten seines Ministers „historisch“ ist und den Ende des Ukraine-Kriegs bringen soll – doch ob sein Plan aufgeht, ist ungewiss. Schließlich muss derjenige mitspielen, der den Krieg begonnen hat und ihn auch beenden könnte: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Trump arbeitet seit Amtsantritt an ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs, bisher vergeblich. Nacht für Nacht greift Russland weiterhin die Ukraine an, Drohnen zerstören Häuser, Raketen töten Zivilisten. Die Ukraine will zudem einen Friedensplan von Trump, der das Land klar benachteiligen würde, nicht einfach akzeptieren.

Trump droht mit Rückzug aus Verhandlungen zum Ukraine-Krieg – EU will dann reagieren

Trump könnte nach 100 Tagen im Amt deshalb bald die Geduld verlieren bei den Ukraine-Verhandlungen. Ein Sprecher von US-Außenminister Marco Rubio sagte am Dienstag (29. April): „Wenn es keine Fortschritte gibt, werden wir uns als Vermittler aus diesem Prozess zurückziehen.“ 

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte nun in der Financial Times, man sehe Anzeichen dafür, dass die USA erwägen, bei den Ukraine-Verhandlungen auszusteigen. Trump könnte seine Strategie ändern und eher versuchen, sich Russland wieder anzunähern und die Wirtschaftsbeziehungen zu Putin zu stärken. Sanktionen der USA gegen den Aggressor Russland könnten dann fallen.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Trump könnte Sanktionen gegen Rissland beenden – EU-Staaten könnten ihm folgen wollen

Einige EU-Länder könnten das als Einladung sehen, der USA zu folgen, so Kallas. Sie könnten in Brüssel fordern, dass die EU-Sanktionen ebenfalls aufgehoben werden fallen. „Es ist klar, dass solche Diskussionen in einigen Mitgliedstaaten stattfinden und vielleicht auch die Hoffnung besteht, dass wir [die Ukraine] nicht mehr wirklich unterstützen müssen“, sagte die estnische Politikerin.

Insbesondere aus Ungarn droht Gegenwind: Ministerpräsident Viktor Orbán gilt als Putin-Freund und könnte die EU blockieren, wenn im Juli eine Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland beschlossen werden sollen.

Plan B gegen Russland im Ukraine-Krieg, wenn Trump sich aus Verhandlungen zurückzieht

Für diesen Fall habe man einen „Plan B“ in der Tasche, erklärte Vize-EU-Kommissionspräsidentin Kallas. Mit diesem soll der wirtschaftliche Druck auf Russland, den Ukraine-Krieg zu beenden, aufrechterhalten werden, auch wenn die USA sich wieder Moskau annähern. Die nationalen Regierungen der EU-Staaten könnten Sanktionen dann individuell beschließen, um ein Veto aus Ungarn zu umgehen. Sie könnte zum Beispiel russische Staatsvermögen auf ihrem Territorium einfrieren.

Dieser „Plan B“ solle aber nur notfalls in Kraft treten, so Kallas. Zunächst verfolge man Plan A: Die Trump-Regierung zu einer weiteren Unterstützung der Ukraine zu bringen sowie die Haltung der EU-Staaten in Hinblick auf Sanktionen gegen Russland einheitlich zu halten.

Falls Donald Trump und Wladimir Putin (r., bei einem Treffen 2018) sich wieder annähern, hat die EU einen Plan, so die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (l.).

Kallas warnt vor „falscher Hoffnung“ in Bezug auf Putin im Ukraine-Krieg

Kallas betonte, es sei eine „falsche Hoffnung“ einiger EU-Länder, dass eine Unterstützung der Ukraine gegen Putins Aggressionen nicht mehr notwendig sei: Russland investiere mehr als neun Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in das Militär. Putin werde diese Investitionen auch weiterhin einsetzen wollen.

Sollte die US-Unterstützung der Ukraine wegfallen, wollen die EU-Staaten deshalb finanziell einspringen: Deutschland und 15 weitere EU-Staaten haben beschlossen, eine Ausnahmeregelung innerhalb der EU-Schuldenregeln zu nutzen, um ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Dies teilte der EU-Ministerrat am Mittwoch (30. April) mit.

EU-Länder wollen wegen Russland und Trump mehr in Verteidigung investieren

Die EU-Kommission hatte den Mitgliedsstaaten davor angeboten, eine entsprechende Klausel zu nutzen. Sie erlaubt den Ländern, vier Jahre lang ungeachtet der europäischen Schuldenregeln bis zu 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung auszugeben. Folgende Länder wollen ihre Verteidigungsausgaben wegen der Bedrohung durch Russland auf diese Weise erhöhen:

  • Deutschland
  • Belgien
  • Bulgarien
  • Tschechien
  • Dänemark
  • Estland
  • Griechenland
  • Kroatien
  • Lettland
  • Litauen
  • Ungarn
  • Polen
  • Portugal
  • Slowenien
  • Slowakei
  • Finnland

Estland will sich an Bodentruppen in der Ukraine beteiligen

Estland würde sich außerdem mit Soldaten an einer möglichen europäischen Friedenstruppe in der Ukraine beteiligen. Nach Angaben von Regierungschef Kristen Michal seien die Planungen für die „Koalition der Willigen“ in vollem Gange und das baltische EU- und Nato-Land bereit, eine Einheit von Bodentruppen bereitzustellen. (smu mit Material von dpa)

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