Russland-Drohnen über Polen: Ließ Wladimir Putin mögliche Angriffe trainieren?
VonPatrick Mayer
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Die Entrüstung über Wladimir Putins Drohnen-Eklat gegen Polen dauert an. Brisant: Dort, wo die Drohnen abstürzten, waren polnische Armee-Stützpunkte nicht fern.
Polnischen Angaben zufolge kamen bei der Luftraum-Verletzung durch Russland in der Nacht auf den 10. September mindestens 19 Drohnen zum Einsatz. Sie waren offenbar nicht mit Sprengstoff bestückt. Zumindest gibt es keine Berichte darüber. So halten die Spekulationen an. Dienten die vergleichsweise großen Drohnen als Lockvogel? Als eine Art Test? Welche Flugabwehr-Waffen setzt die NATO ein? Hat sie überhaupt genug Luftabwehr in Polen?
Wladimir Putins Drohnen über Polen: Sie stürzten im Umfeld von NATO-Stützpunkten ab
Warschau erklärte, dass verschiedene Bauteile zweifelsfrei auf Drohnen des Kreml-Regimes hindeuten. Kursierenden Fotos und daraus folgenden Einschätzungen zufolge soll es sich um Drohnen des Typs Gerbera handeln. Die russische Mehrzweck-Flugdrohne kann als Kamikaze-Drohne eingesetzt werden und Aufklärungsmissionen durchführen. Sie kann ferner genutzt werden, um die elektronische Kampfführung eines potenziellen Gegners zu stören.
Wollte Putin wissen, ob die NATO diese nutzt, um ihr Gebiet zu schützen? Es war das erste Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die benachbarte Ukraine, dass Putins Drohnen über dem Territorium der Verteidigungsallianz und der Europäischen Union (EU) gezielt abgeschossen wurden, nachdem es schon zuvor mehrmals zu Luftraum-Verletzungen seitens der Russen gekommen war. Diesmal sollen sich laut Welt jedoch fünf der Drohnen dem großen Militärflughafen Rzeszow genähert haben.
Kampfpanzer K2 Black Panther der polnischen Armee sind in Braniewo stationiert. (Symbolfoto) Unweit soll eine von Wladimir Putins Drohnen abgestürzt sein.
Alarmierte und an der NATO-Ostflanke stationierte niederländische F-35-Kampfjets hätten drei dieser Drohnen vom Himmel geholt, zwei weitere seien aus noch nicht geklärten Umständen abgestürzt, heißt es in dem Bericht. Ausgerechnet Rzeszow. Von diesem ostpolnischen Standort aus werden im Ukraine-Krieg rund 90 Prozent der westlichen Waffen-Lieferungen an Kiew abgewickelt. Und nicht nur das.
Mitten in Polen: NATO-Kampfjets schießen Wladimir Putins Drohnen vor Flughafen ab
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bricht von hier aus zu Staatsreisen auf, außerhalb des ukrainischen Luftraums, wegen der russischen Bedrohung dort. Kann das mit Putins Drohnen folglich noch ein Zufall sein? In Rzeszow sind seit Monaten zwei Patriot-Flugabwehr-Batterien der deutschen Bundeswehr mit rund 200 Soldatinnen und Soldaten stationiert. Sie waren am Abschuss der Drohnen nicht unmittelbar beteiligt. Weil ihre Flugabwehrraketen für die Drohnen mit einer Spannweite von 2,5 Metern viel zu teuer sind?
Und deshalb am Boden blieben? Noch eine Erkenntnis für Putin? Ebenfalls brisant: Wie der Radiosender RMF24 berichtete, sei eine der Drohnen in Nowe Miasto an der Pilica südwestlich von Warschau dicht an einer Kaserne der polnischen Territorialverteidigung abgestürzt. Und: Einer bei bild.de veröffentlichten Karte zufolge, ging eine weitere russische Drohne in der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Ostsee zu Boden.
Die Fundstelle lag demnach unweit der Suwalki-Lücke, jenem rund 104 Kilometer langen Landkorridor an der polnisch-litauischen Grenze zwischen der russischen Exklave Kaliningrad und Belarus. Und: Der Drohnenabsturz ereignete sich demnach zwischen der Großstadt Danzig und Braniewo. Im großen Ostseehafen von Danzig kommen ebenfalls Waffen-Lieferungen für die Ukrainer an.
Die Amerikaner schickten etwa mit gewaltigen Frachtern unter Ex-Präsident Joe Biden (Demokraten) die berüchtigten Bradley-Schützenpanzer dorthin. In Braniewo ist indes die 9. polnische Panzerbrigade (benannt nach König Stephan Báthory) beheimatet. Es ist ein starker Kampfverband mit aus Südkorea gelieferten Panzern K2 Black Panther, der die polnische Grenze zum russischen Kaliningrad sichert. Noch so ein Zufall? (Quellen: Military Watch Magazine, bild.de, Welt.de, Gazeta, polnisches Innenministerium, tagesschau.de) (pm)