VonJens Kiffmeierschließen
CDU, SPD, Grüne, Linke – wer koaliert mit wem? Die Grüne Jarasch meldet nach der Berlin-Wahl ihren Führungswillen an – zum Verdruss im Wahlvolk.
Berlin – Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Rot-Grün-Rot – oder doch sogar Grün-Rot-Rot? Nach der Berlin-Wahl liegen viele Koalitionsoptionen auf dem Tisch. Zwar hat die CDU mit Spitzenkandidat Kai Wegner die Landtagswahl klar und deutlich vor den bisherigen Regierungsparteien gewonnen. Doch schon die ersten Hochrechnungen ließen mehrere Regierungsbündnisse zu. In den kommenden Tagen blühen den Parteien komplizierte Sondierungsgespräche.
Die Grünen wollen in den Verhandlungen eine tragende Rolle spielen. Diesen Anspruch unterstrich Spitzenkandidatin Bettina Jarasch noch am Wahlabend. „Wir werden es schaffen, mit einer progressiven Koalition weiterzumachen in dieser Stadt. Ich möchte diese Koalition anführen“, rief sie auf der Wahlparty in der Heinrich-Böll-Stiftung ihren Anhängerinnen und Anhänger zu. Unter dem Jubel und heftigen Applaus der Parteifreunde betonte sie: „Wir wissen auch, dass das, was vor uns liegt, noch kompliziert wird. Nicht nur heute Abend. Auf jeden Fall wissen wir, dass wir komplizierte Verhandlungen vor uns haben werden.“
Berlin-Wahl 2023: Wer regiert in der Hauptstadt – Zoff um Koalition beginnt
Dabei gibt es bei der Berlin-Wahl 2023 einen klaren Gewinner: die CDU. Laut Hochrechnungen lagen die Christdemokraten bei 28,2 Prozent, während sich SPD und Grüne mit jeweils 18,4 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei lieferten. Erst das vorläufige Endergebnis brachte Klärung - um 105 Stimmen machte die SPD das Rennen.
Da die Linke es immerhin noch auf 12,2 Prozent schaffte, könnte die bisherige rot-rot-grüne Landesregierung von Franziska Giffey (SPD) theoretisch mit einer stabilen Mehrheit von 83 Sitzen im Berliner Abgeordnetenhaus weitermachen. Doch zwischenzeitlich hatte Jarasch deutlich in Richtung Chefsessel geschielt.
Grünen und Giffey bei der Berlin-Wahl Kopf an Kopf: Jarasch wollte Regierungschefin werden
Jarasch wäre als Regierende Bürgermeisterin die Zweite aus der Grünen-Partei gewesen, die es nach Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg an die Spitze einer Landesregierung schafft. Bei den Berlinerinnen und Berlinern wäre das wohl nicht so gut angekommen.
Denn trotz des Ergebnisses von gut 18 Prozent trauen die Wählerinnen und Wähler der Grünen den Chefposten eher weniger zu. Bei einer Befragung am Wahlabend votierten auf die Frage nach dem präferierten Regierungschef 32 Prozent für Giffey, 27 Prozent für Wegner und nur 15 Prozent für Jarasch. Das gleiche Bild zeigte sich zudem bei der Frage nach der Sympathie, der Glaubwürdigkeit und dem Sachverstand. Für eine Bürgermeisterin Jarasch wäre das wohl eher ein schlechter Start gewesen.
Schwarz-Grün statt Grün-Rot-Rot: Nach der Berlin-Wahl beginnen schwierige Koalitionsverhandlungen
Vielleicht auch vor diesem Hintergrund regte sich innerhalb der Grünen ein wenig Widerstand gegen das forsche Auftreten von Jarasch. Angesichts des Wahlergebnisses mahnte die frühere Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, zu Zurückhaltung. Die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Kai Wegner habe den Regierungsauftrag bekommen, twitterte sie und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass Rot-Grün-Rot in Berlin diesen Wählerwillen akzeptiert.“ Man müsse nun „ernsthaft“ in Erwägung ziehen, Schwarz-Grün zu sondieren.
Berlin-Wahl: Das Spitzenpersonal der Parteien im Überblick




Bei der CDU ist man nicht abgeneigt. So kündigte Wegner in der ARD an, in den kommenden Tagen sowohl der SPD als auch den Grünen Sondierungsgespräche anzubieten. Denn Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot würden ebenfalls auf eine Mehrheit kommen, jedoch jeweils mit vier Sitzen weniger als das derzeitige Regierungsbündnis von Giffey.
Berlin-Wahl 2023: Welche Koalition ist möglich? „Es gibt kein Gesetz“
Bleibt der Wahlsieger so am Ende dann doch ohne Sieg? „Es wird in den kommenden Tagen eine Hängepartie“, sagte Thorsten Faas, Politikwissenschaftler der Freien Universität Berlin, im RBB-Rundfunk.. „Für nichts gibt es Gesetze, allenfalls eine gelebte politische Kultur“, betonte er. Sprich: Am Ende können auch die unterlegenen Parteien an der CDU vorbeiziehen. Die CDU das hatte mögliche rot-grün-rote Pläne der Zweit- und Drittplatzierten zuvor bereits als „unanständig“ gebrandmarkt. (jkf)
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