Vor allem AfD-Wähler unzufrieden

Söder stichelt vor Wahlkampf gen Berlin: „93 Prozent der Bayern fühlen sich im Freistaat wohl ...“

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Markus Söder in Berlin – die CSU sieht in der Bundeshauptstadt einiges im Argen.
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Bayern und Berlin - das ist, rein politisch, eher Hass als Liebe. Markus Söder stichelt im Wahlkampf erneut. Doch Grüne- und Linke-Wähler scheinen eigentlich zufrieden.

München/Berlin – Am Sonntag (12. Februar) steht die Wiederholung der Berlin-Wahl an. In den Hauptstadt-Wahlkampf hat sich nun auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eingemischt – natürlich nicht ohne den Verweis auf urbayerische Errungenschaften.

„93 Prozent der Menschen in Bayern fühlen sich im Freistaat wohl. Im Gegensatz dazu leben nur 66 Prozent der Berlinerinnen und Berliner gerne in ihrer Stadt“, schrieb der CSU-Chef am Dienstag (7. Februar) auf Instagram. Söder bezog sich auf eine Umfrage des Instituts Forsa.

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Entsprechende Daten veröffentlicht das Institut immer wieder einmal. So freute sich Mecklenburg-Vorpommern etwa im April 2022 laut einem dpa-Bericht über 95 Prozent Zufriedenheitsrate im Land. Die aktuellen Werte präsentierte am Sonntag (5. Februar) die Berliner Zeitung. Ihnen zufolge wohnten zuletzt 93 Prozent der Einwohner Meck-Pomms und Bayerns gerne in ihrem Bundesland.

Auch explizit abgefragte Städte kamen nicht per se schlecht weg: 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmer aus der alten Bundeshauptstadt Bonn zeigten sich laut Forsa zufrieden. In Berlin waren es tatsächlich nur zwei Drittel. Das sei im Vergleich ein extrem schlechter Wert, zitierte das Blatt die Meinungsforscher. Auch eine erfreuliche Sonntagsfrage für die Konservativen hatten sie parat.

Söders Schlussfolgerung fiel sehr eindeutig aus: Es gebe eine „einfache Möglichkeit, die Lebensqualität in der Bundeshauptstadt zu verbessern“, behauptete der - ebenfalls bereits im Landtags-Wahlkampf befindliche - Ministerpräsident: „Am Sonntag CDU wählen!“

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Die demografische Lage scheint gleichwohl ein wenig komplexer. Laut Berliner Zeitung ist die Zufriedenheit mit dem Leben in der Hauptstadt in den verschiedenen Parteienlagern unterschiedlich ausgeprägt. So wohnten etwa 83 Prozent der Grünen-Wähler gerne in Berlin, unter Anhängern der Partei Die Linke sind es gar 84 Prozent. Auch die SPD-Sympathisanten sind dem Bericht zufolge überdurchschnittlich zufrieden mit den Lebensverhältnissen in Berlin: 77 Prozent von ihnen fühlen sich wohl.

Weniger glückliche Berliner finden sich offenbar unter FDP- und CDU-Anhängern; hier sind es 70 beziehungsweise 67 Prozent Zustimmung. Die AfD-Anhänger schätzen das Leben in Berlin gar nur zu 28 Prozent. Die Deutung dieser Zahlen bleibt weitgehend offen - auf fruchtbaren Boden könnte Söders Appell aber womöglich vor allem bei FDP- und AfD-Wählern fallen. Insbesondere mit Blick auf die Liberalen offenbart sich damit womöglich erneut eine Gretchen-Frage des Berlin-Wahlkampfes der CDU: Mit der FDP oder gegen die FDP?

Forsa-Chef Manfred Güllner warnte unterdessen im Interview mit Merkur.de vor voreiligen Schlüssen aus den aktuellen Berlin-Umfragen. (fn)

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