VonPaul Luka Schneiderschließen
Im Zuge des Kursk-Vorstoßes im Ukraine-Krieg werden Marine-Militärs an die Frontlinie geschickt. Dieser Militärverband machte negativ von sich reden.
Kursk – Der Kursk-Vorstoß im Ukraine-Krieg hält an. Während Russlands Reaktion auf den Überraschungsangriff langsam sowie teils chaotisch ablief und das Abziehen von Truppen aus der Ukraine nach Kursk noch etwas hakt, verstärkt nun auch die ukrainische Armee offenkundig ihre personelle Besetzung auf russischem Gebiet.
Ein offizielles Video des 36. Marine-Bataillons der Ukraine auf YouTube soll den Einsatz von Soldatinnen und Soldaten des 501. Marine-Infanterie-Bataillons aus Saporischschja, das Teil der 36. ukrainischen Militäreinheit ist, in der russischen Region Kursk zeigen.
Hunderte Marine-Militärs verstärken Ukraine nach Kursk-Vorstoß an Front im Ukraine-Krieg
Im Video ist zu sehen, wie ein Soldat auf einen Strommast klettert und eine russische Fahne abreißt. Danach treten mehrere zwei Kämpfer auf diese ein und fluchen offenkundig. Das Bataillon stehe „an vorderster Front bei Kampfeinsätzen in der Region Kursk“, heißt es unter dem Video.
Die englische Zeitschrift Forbes spricht von rund 400 Marine-Soldatinnen und -Soldaten, die für die Ukraine in Kursk operieren. Die Marine-Infanterie ist dabei auf den Nahkampf spezialisiert. Zu ihren eigentlichen Aufgaben zählen sonst etwa Seelandungen, Sicherungsaufgaben auf Kriegs- sowie die Überwachung von Handelsschiffen. Ferner sichern diese Kämpferinnen und Kämpfer sonst vor allem Marinestützpunkte.
Kapitulationen und Überlauf nach Russland im Ukraine-Krieg: Marine-Bataillon auf Wiedergutmachung aus?
Die Spezialistinnen und Spezialisten haben derweil eine bewegte Vergangenheit: Nach der Gründung dieses Militär-Bataillons Ende 2013, kämpfte es erstmals, als Russland die Halbinsel Krim annektierte. Als die ukrainische Armee, die der Streitmacht Russland zahlenmäßig deutlich unterlegen war und das Schlachtfeld räumte, kehrten nur wenige Soldatinnen und Soldaten des Marine-Bataillons mit dieser zurück. Etliche sollen sich den russischen Streitkräften ergeben haben.
In den Folgejahren baute das ukrainische Verteidigungsministerium die Einheit wieder auf. Nach dem russischen Überfall im Februar 2022 auf die Ukraine war der Kampfverband über rund drei Monate in die Verteidigung der von Russland belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol involviert. Während der Hauptverband der ukrainischen Armee bis Ende Mai mit 2000 Soldatinnen und Soldaten ausharrte und im Asow-Stahlwerk dem Hungertod trotzte, kapitulierte das Marine-Bataillon früher. Dieser Vorfall wurde von prorussischen Medien für Propaganda-Zwecke ausgenutzt, wie unter anderem The New Voice of Ukraine berichtete. In der Ukraine zog der Fall Ermittlungen des Militärgeheimdienstes gegen alle Soldaten nach sich.
Über die Ermittlungen informierte unter anderem das staatliche Ermittlungsbüro der Ukraine (SBI/DBR). In der Folge wurde unter anderem ein hochrangiger Soldat des Hochverrats beschuldigt. Der Vorwurf: Er soll mit den russischen Streitkräften konspiriert und die ukrainischen Soldaten zur Aufgabe überzeugt haben. Proukrainische Medien kamen schließlich zum Schluss, dass die Kämpfer in die Irre geführt wurden und offenbar die Rechtswidrigkeit ihres Handelns nicht erkannten. Die Auswirkungen des Vorfalls waren in der gesamten Ukraine spürbar und waren Auslöser mehrerer Aufarbeitungen.
2023 folgte dann erneut eine Reform des Militärverbands. Das Bataillon kämpfte in der Folge vor allem in der Ostukraine an der Front um Donezk. Aber auch Cherson im Süden und Charkiw im Norden der Ukraine zählten zu ihren Einsatzgebieten. Nun zählt Kursk dazu. Dort treffen sie nach dem Kursk-Vorstoß im Ukraine-Krieg auch auf russische „Space-Truppen“. (pls)
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