Palmer vs. Pantisano Akt 2

Boris Palmer antwortet auf Angriff von Linken-Politiker – „sollten vor der eigenen Türe kehren“

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Wegen des geplanten AfD-Streitgesprächs geriet Boris Palmer ins Visier von Linken-Politiker Luigi Pantisano. Der Tübinger OB lässt die Kritik nicht stehen.

Tübingen/Stuttgart – Die AfD hatte eine geplante Demonstration in der Universitätsstadt Tübingen abgesagt, worauf sich Oberbürgermeister Boris Palmer im Gegenzug auf eine Debatte am 5. September einließ. Diese inzwischen bereits ausverkaufte Veranstaltung in der Tübinger Hermann-Hepper-Halle schlägt auch deshalb hohe Wellen, weil sich die AfD bereits im Vorfeld 100 Plätze für ihre Anhänger gesichert hatte. Der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano (Die Linke) warf Palmer daraufhin unter anderem vor, sich „als Helfer der Faschisten“ anzubiedern, und erklärte, er sei „ein Paradebeispiel für ‚den Deutschen‘, der nach 45 nichts gewusst haben will“.

Boris Palmer (links) ließ den persönlichen Angriff von Linken-Politiker Luigi Pantisano (rechts) nicht auf sich sitzen. (Fotomontage)

Boris Palmer hatte erklärt, dass das geplante Streitgespräch mit AfD-Landeschef Markus Frohnmaier ein Beitrag zur Debattenkultur in einer Demokratie darstelle und er eine AfD-Beteiligung in der Regierung weiterhin strikt ablehne. Zudem hatte er vor einer Blockadesituation bei der Veranstaltung gewarnt, die nur der AfD in die Karten spielen würde. Im vergangenen Jahr hatte Boris Palmer sich dagegen noch für eine Koalition mit der AfD ausgesprochen.

Boris Palmer reagiert auf Linken-Angriff – „historisch in jeder Hinsicht falsch“

Die in einer Debattenkultur grundsätzlich ebenfalls vertretbare Kritik an einer Diskussion mit der AfD geriet bei Luigi Pantisano auf eine persönliche Ebene, was Palmer nicht auf sich sitzen ließ. Er erklärte auf Facebook, dass seine Familie unter den Nazis schweres Unrecht erlitten habe und sein jüdischer Großvater mit der gesamten Familie in die USA flüchten musste. „Mir vorzuwerfen, ich sei Steigbügelhalter von Faschisten und wolle nachher nichts gewusst haben, ist historisch in jeder Hinsicht falsch und persönlich ein bisher nicht gekannter Tiefschlag in der politischen Kultur.“

Boris Palmer antwortet auf den Angriff von Linken-Politiker Pantisano in Bezug auf die geplante Debatte mit der AfD.

„Leute, die mit ihren bisherigen Mitteln die AfD bundesweit zur stärksten Partei werden ließen, sollten vor der eigenen Türe kehren“, erklärt Palmer weiter und bemüht damit sein oft angeführtes Argument, dass Proteste gegen die AfD diese nur stärker machen würden. „Warum wählen denn in Baden-Württemberg viermal mehr Leute die AfD als die Linke? An mir liegt das nicht.“ In Tübingen wählten bei der Bundestagswahl 2025 so wenig Menschen AfD, wie in keiner anderen Stadt. „So viel habe ich die letzten 18 Jahre also nicht falsch gemacht.“

Boris Palmer: Der polarisierende Oberbürgermeister der Stadt Tübingen

Blick auf Geradstetten, ein Ortsteil der Gemeinde Remshalden im Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg.
Boris Palmer wurde 1972 in Waiblingen geboren und wuchs in Geradstetten im Remstal auf. © IMAGO/Panthermedia
Helmut Palmer demonstriert am 21.08.2000 lautstark in Asperg bei Ludwigsburg in Häftlingskleidung und mit einem Judenstern versehen gegen die gegen ihn verhängte dreimonatige Freiheitsstrafe wegen angeblicher Beamtenbeleidigung.
Der Vater von Boris Palmer, Helmut Palmer (1930-2004), war als „Remstall-Rebell“ bekannt. (Archivfoto) © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer im Jahr 2004 auf dem Balkon seiner Wohnung in Tübingen.
Nach dem Abitur (mit Note 1,0) studierte Boris Palmer in Tübingen Mathematik und Geschichte auf Lehramt. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht, bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in der Neuen Messe Freiburg.
1996 wurde er Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen und 2001 erstmals in den Landtag gewählt. © Uli Deck/dpa
Joschka Fischer (GER Bündnis 90 Die Grünen Bundesaußenminister) und Boris Palmer (GER Bündnis 90 Die Grünen MdL Spitzenkandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart) anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Stuttgart.
Im Jahr 2004 trat Boris Palmer als Kandidat der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart an. © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer, Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart, legt den Rollrasen anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart aus.
Im ersten Wahlgang landete Palmer hinter Wolfgang Schuster (CDU) und Ute Kumpf (SPD) auf dem dritten Platz.  © IMAGO/Horst Rudel
Boris Palmer telefoniert kurz vor einer Wahlkampfveranstaltung am Marktplatz in Stuttgart.
Da der Abstand zur Zweitplatzierten Ute Kempf zu groß war, zog Boris Palmer seine Kandidatur für einen zweiten Wahlgang zurück. © IMAGO/Horst Rudel
Brigitte Russ-Scherer (SPD) und Boris Palmer (Grüne) stellen sich in der Hermann-Hepper-Turnhalle Tübingen als Bewerberin und Bewerber für die Oberbürgermeisterwahl der Öffentlichkeit vor.
Im Jahr 2006 trat Boris Palmer (links) gegen Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (rechts) bei der OB-Wahl in Tübingen an.  © Norbert Försterling/dpa
Boris Palmer, der Gewinner der Wahl zum Tübinger Oberbürgermeister, gibt am Sonntag (22.10.2006) im Rathaus von Tübingen der Verliererin, der Amtsinhaberin Brigitte Russ-Scherer (SPD) die Hand.
Er konnte sich bereits im ersten Wahlgang durchsetzen und wurde zum Oberbürgermeister von Tübingen gewählt. © Bernd Weißbrod/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer zeigt am Mittwoch (07.02.2007) auf dem Marktplatz in Tübingen auf seinen neuen Dienstwagen, einen Toyota Prius.
Für Kritik sorgte der frisch gewählte Tübinger OB, weil er sich im Heimatland von Mercedes und Porsche für einen ausländischen Hybridwagen entschied. © Marijan Murat/dpa
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen, l) steht am 24.10.2012 mit seinem Elektrorad in Tübingen (Baden-Württemberg) neben seinem Kontrahenten im Auto, Florian Nuxoll.
2012 gewann Boris Palmer mit seinem Elektrofahrrad ein Wettrennen gegen ein Auto. © Jan-Philipp Strobel/dpa
Bürger gratulieren Boris Palmer (M, Grüne) am 19.10.2014 in Tübingen (Baden-Württemberg) zum erneuten Gewinn der Oberbürgermeisterwahl.
Bei der Wahl 2014 wurde Boris Palmer mit einer deutlichen Mehrheit im ersten Wahlgang wiedergewählt. © Thomas Niedermüller/dpa
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, spricht am Samstag (20.11.2010) in Freiburg bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen.
Im Jahr 2021 beantragte der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg ein Parteiausschlussverfahren gegen Boris Palmer. © Rolf Haid/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, gibt in seinem Arbeitszimmer ein Interview.
Nach einem Kompromiss ließ Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende 2023 ruhen. © Sebastian Gollnow/dpa
Boris Palmer, der alte und neue Oberbürgermeister von Tübingen, kommt nach seiner Wiederwahl auf den Marktplatz und empfängt Glückwünsche.
Auch 2022 konnte sich Boris Palmer bei der OB-Wahl erneut durchsetzen, allerdings als parteiloser Kandidat. © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer bei einer Sportlerehrung in Tübingen.
Im Jahr 2023 trat Boris Palmer nach einem Eklat bei einer Konferenz aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus. © IMAGO/ULMER
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sitzt am 04.08.2016 auf einem Sofa im Rathaus von Tübingen
Die deutlichen Wahlgewinne zeigen, dass Boris Palmer in Tübingen durchaus beliebt und für seine Stadt sehr erfolgreich ist. © Christoph Schmidt/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, trägt eine FFP2-Maske bei einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests.
Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte das „Tübinger Modell“ während der Corona-Pandemie. © Marijan Murat/dpa
Lisa Federle, Notärztin, und Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, nehmen an einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests teil.
Dieses Modell hatte Boris Palmer zusammen mit der Tübinger Notärztin Lisa Federle (links) entwickelt. © Marijan Murat/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Allerdings steht Palmer immer wieder in der Kritik und gilt deshalb als polarisierender Politiker. © Tom Weller/dpa
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
Unter anderem wurden ihm mehrfach rassistische Äußerungen vorgeworfen, auch von seiner früheren Partei.  © Tom Weller/dpa
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, spricht im Landratsamt bei einer Pressekonerenz.
Durch seine konfrontative Art gilt Boris Palmer als einer der streitbarsten Bürgermeister Deutschlands.  © Bernd Weißbrod/dpa
Boris Palmer im Oktober 2024 bei der Eröffnung der bundesweit ersten beheizbaren Fahrradbrücke in Tübingen.
Die Kontroversen um ihn, aber auch seine politischen Leistungen machen Palmer zu einem der bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands. © IMAGO/Markus Ulmer
Talkrunde Markus Lanz im ZDF mit Boris Palmer (Bildmitte).
Er ist regelmäßig Gast in großen Talkformaten, wie hier bei Markus Lanz. © IMAGO/teutopress GmbH
Boris Palmer im Oktober 2024 bei Markus Lanz im ZDF.
Dort äußert sich Boris Palmer auch regelmäßig zur Politik auf Bundesebene. © IMAGO/teutopress GmbH

Boris Palmer vs. Luigi Pantisano: Austeilen können beide

Boris Palmer ist in Bezug auf kontroverse Äußerungen, die immer wieder auch als Rassismus ausgelegt wurden, kein unbeschriebenes Blatt. Von Mai bis Juni 2023 ließ er seine Tätigkeit als Oberbürgermeister von Tübingen ruhen, um sich professionelle Hilfe zu holen. Kritik an dem geplanten Streitgespräch mit AfD-Landeschef Frohnmaier kam zudem vonseiten der Grünen und der SPD. Pantisano auf der anderen Seite nutzt sein neugewonnenes Amt als Bundestagsabgeordneter offenbar vor allem, um kräftig auszuteilen. Zuletzt schimpfte der Linken-Politiker über die Bahn und das Verkehrsministerium.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa & IMAGO / Political-Moments (Fotomontage)

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