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Freie-Wähler-Chef Aiwanger weist Vorwürfe zum antisemitischen Flugblatt zurück. Sein Bruder meldet sich zu Wort – er sei der Verfasser. Jetzt nennt Helmut Aiwanger neue Details.
München – Bayerns Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger soll zu Schulzeiten angeblich eine antisemitische Hetzschrift verfasst haben. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Freitag (25. August). Bereits am Samstagabend meldete sich der Freie-Wähler-Chef mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort und weist die Vorwürfe zurück. „Ich habe das fragliche Papier nicht verfasst und erachte den Inhalt als ekelhaft und menschenverachtend“, teilte er mit.
Wer hat das Auschwitz-Flugblatt aber dann geschrieben? Mehrere Politiker forderten Aufklärung in dem Fall. Laut Markus Söder (CSU) soll Aiwanger „die Dinge einfach klären und öffentlich erklären.“ Aiwanger sei der Verfasser bekannt, aber „weder damals noch heute war und ist es meine Art, andere Menschen zu verpfeifen“, so Aiwanger.
„Ich bin der Verfasser“: Wer ist Aiwangers Bruder?
Nun hat sich Aiwangers älterer Bruder Helmut dazu bekannt, Urheber des 35 Jahre alten Schreibens zu sein: „Ich bin der Verfasser dieses in der Presse wiedergegebenen Flugblatts“, teilte er im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern mit. „Vom Inhalt distanziere ich mich in jeglicher Hinsicht. Ich bedaure die Folgen der Aktion.“
Er habe „das Schriftstück nicht erstellt, um Nazis zu verherrlichen, den Holocaust zu leugnen oder Hass und Gewalt zu schüren“, sagte er der Mediengruppe Bayern. Er sprach stattdessen von einer „stark überspitzen Form der Satire“ und einer „Jugendsünde“. „Ich schäme mich für diese Tat und bitte vor allem meinen Bruder um Verzeihung für die damals verursachten Schwierigkeiten, die auch noch nach 35 Jahren nachwirken.“
Geschrieben habe er das Flugblatt, nachdem er eine Jahrgangsstufe habe wiederholen müssen. „Ich war damals total wütend, weil ich in der Schule durchgefallen bin und aus meinem Kameradenkreis herausgerissen wurde“, schilderte Helmut Aiwanger. Laut BR hatten beide Brüder im Schuljahr 1987/88 gemeinsam die elfte Klasse des Burkhart-Gymnasiums in Mallersdorf-Pfaffenberg in Niederbayern besucht. Der ältere Aiwanger-Bruder betont zu dem Zeitpunkt des Schreibens noch minderjährig gewesen zu sein. „Das ist eigentlich alles, das ich dazu sagen kann.“
Helmut Aiwanger gehöre laut Bild ein Waffenladen und sei von Beruf Büchsenmacher. Beschrieben werde er als „bayrisch bodenständig. Er ist nicht links, aber auch nicht rechtsradikal oder antisemitisch.“ Der leidenschaftliche Jäger sehe aus wie ein „verkappter Alt-68er. Er hat lange Haare, dreht sich seine Zigaretten selbst“, heißt es weiter.
Antisemitische Schrift: Flugblatt in Aiwangers Schultasche gefunden
Laut Bericht der SZ sei in der antisemitischen Hetzschrift von einem fiktiven „Bundeswettbewerb“ für „Vaterlandsverräter“ die Rede. Als erster Preis wird „ein Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz genannt.“ Hubert Aiwanger sei wegen des Flugblattes vom Disziplinarausschuss der Schule zur Verantwortung gezogen worden.
Er schildert, dass damals ein oder wenige Flugblätter gefunden worden seien. Ob er sie weitergegeben habe, sei ihm „heute nicht mehr erinnerlich.“ Nach Aussage des Bruders könnte ein antisemitisches Flugblatt zu Schulzeiten in Hubert Aiwangers Ranzen gefunden worden sein, weil er es wieder einsammeln wollte. „Ich bin mir nicht mehr ganz sicher“, sagte der Bruder den Zeitungen der Mediengruppe Bayern am Montag. „Aber ich glaube, dass Hubert sie wieder eingesammelt hat, um zu deeskalieren.“ Weiter sprach er von „Stasi-Methoden“, die in einer „Schmutzkampagne“ gegen seinen Bruder angewandt worden seien.
Vorwürfe wegen antisemitischer Hetzschrift: SPD fordert Konsequenzen für Aiwanger
Die Erklärung Aiwangers reicht SPD-Fraktionschef Florian von Brunn nicht: „Für mich spielt es keine große Rolle, ob er es verfasst oder verteilt hat – es kommt auf den abscheulichen Inhalt an“, sagte er laut BR. Zwar ist der Sachverhalt noch nicht geklärt, doch SPD-Vorsitzende Saskia Esken fordert bereits Konsequenzen: „Wenn die Vorwürfe gegen Hubert Aiwanger zutreffen, muss Markus Söder umgehend Konsequenzen ziehen und seinen Stellvertreter entlassen“, sagte sie der Funke Mediengruppe.
„Wer solche Gedanken denkt, aufschreibt und verbreitet, darf keine politische Verantwortung in Deutschland tragen“, sagte Esken. Das gelte auch, wenn Aiwanger das Schreiben nicht selbst verfasst habe. (hk/dpa)
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