13 Milliarden Euro-Zuschuss

Mit Strompreisbremse 2022: Bund will Strompreise mit Milliardenbetrag dämpfen

+
In Zusammenhang mit der Strompreisbremse 2022 setzt der Bund 13 Milliarden Euro ein, um die Stromkosten in Deutschland zu dämpfen. (kreiszeitung.de-Montage)
  • schließen

Der Bund will mit der Strompreisbremse und Zuschüssen die Strompreise in Deutschland immerhin stabilisieren – das kostet ihn rund 13 Milliarden Euro.

Berlin – Nach der dominierenden Panik um potenzielle Gasengpässe im Winter und enorme Gaskostenexplosionen spielen inzwischen auch die Strompreise in Deutschland eine immer wichtigere Rolle – denn auch diese steigen unaufhaltsam in die Höhe. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung mit Entlastungspaket 3 die Strompreisbremse versprochen, die Verbraucher finanziell entlasten soll. In Zusammenspiel mit dieser Strompreisbremse 2022 hat der Bund nun verkündet, eine absehbare Steigerung der Strompreise mit einem Zuschuss in Höhe von 13 Milliarden Euro dämpfen zu wollen. Beim Gaspreisdeckel wird es indes bereits konkreter, auch was den Zeitpunkt der Entlastungen angeht. Man fragt sich: wann kommen die Maßnahmen beim Strom?

Strompreise in Deutschland explodieren – Strompreisbremse und Zuschüsse vom Bund sollen helfen

Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Transnet BW und Tennet sind in Deutschland dafür zuständig, Strom über weite Strecken zu transportieren, sie regeln den Netzbetrieb und sind zudem verantwortlich für den sicheren Betrieb des gesamten elektrischen Systembetriebs. Die Netzbetreiber variieren dabei je nach Region – genauso wie die Höhe der Netzentgelte, die von den Übertragungsnetzbetreibern berechnet und von den Stromkunden gezahlt werden müssen.

Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind Bestandteil des Strompreises, der von den Verbrauchern getragen wird. Dieser setzt sich aus dem Preis für Strom an sich, aber auch aus Gebühren für die Nutzung der großen überregionalen Übertragungsnetze, der lokalen Verteilnetze sowie weiteren Posten zusammen.

Das Netzentgelt ist laut der Bundesnetzagentur also der Preis für die Nutzung, die jeder Netznutzer, der Strom durch das Versorgungsnetz leitet, an den Netzbetreiber zahlen muss.

Diese Netzentgelte dürften im kommenden Jahr für viele Kunden steigen. In einer Mittelung von Mittwoch, 5. Oktober 2022, veröffentlichten die vier Unternehmen einen voraussichtlichen Preis von 3,12 Cent pro Kilowattstunde (kWh), der ab 2023 erstmals bundeseinheitlich gelten soll. Bislang lag das Netzentgelt je nach Region zwischen 2,94 und 3,29 Cent – in Niedersachsen beispielsweise werden aktuell laut der Tagesschau 3,29 Cent pro kWh fällig. Der neue Preis liegt also nur leicht über dem jetzigen Durchschnitt – in einigen Zonen sogar darunter.

Entlastungspaket 3 zeigt Wirkung bei Strompreisen: Kosten für Stromkunden hätten sich verdreifacht

Grund für diese wenig schockierende Entwicklung ist der Mitteilung zufolge das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung, das mithilfe von Zuschüssen in Milliardenhöhe für vergleichsweise stabile Netzentgelte sorgt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hätten sich die Kosten für die Übertragungsnetze von fünf Milliarden auf 18 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Damit diese Kostenexplosion aber nicht an die Kunden weitergegeben wird, stimmte die Bundesregierung zu, die Entgelte mit 13 Milliarden Euro zu stützen.

„Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher“, erklärt Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) laut der Tagesschau. „Dazu werden wir knapp 13 Milliarden Euro einsetzen, um die Kosten zu dämpfen. Das geschieht im Zusammenhang mit der Strompreisbremse und dem Abwehrschirm. Zur Zwischenfinanzierung greifen wir auf die Überschüsse auf das EEG-Konto zu.“ Mittelfristig will die Regierung die Netzentgelte auch mit dem Abschöpfen hoher Zufallsgewinne von Stromerzeugern dämpfen.

Was ist die Strompreisbremse aus Entlastungspaket 3?

Die Strompreisbremse aus Entlastungspaket Nummer 3 soll Bürger sowie kleine und mittelständische Unternehmen mit Versorgertarif entlasten. Wie die Bundesregierung verkündete, sollen diese eine Basisversorgung zu günstigeren Preisen nutzen können.

Ab einem gewissen Verbrauch soll demnach aber wieder der Marktpreis greifen – damit die Motivation zum Energiesparen bleibt. Die Strompreisbremse soll dazu beitragen, die Stromkosten insgesamt zu senken und den Anstieg der Netzentgelte zu dämpfen.

Für Verbraucher und Industrien stellen diese Entlastungen eine große Hilfe dar, denn ohne die Zuschüsse würden die Netzentgelte laut dem Handelsblatt rechnerisch auf 10,7 Cent pro Kilowattstunde steigen – was wiederum den Strompreis enorm in die Höhe treiben würde.

Grund für hohe Strompreise in Deutschland: Ungleichgewicht im Stromnetz

Hintergrund der Preissteigerungen sind laut den Übertragungsnetzbetreibern die in Zukunft absehbaren höheren Kosten. Diese wiederum lassen sich auf große Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz zurückführen, dem Manager Magazin zufolge etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus Ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Demnach schlagen auch die Kosten des Reserveeinsatzes von Kohlemeilern bei den Entgelten durch. Die Stabilisierung des Stromnetzes verursacht infolgedessen spürbar höhere Kosten.

Zuschüsse und Strompreisbremse 2022 reichen Union nicht aus – stromintensive Betriebe seien massiv gefährdet

Der angekündigte Milliardenzuschuss der Bundesregierung reicht der Unionsfraktion im Bundestag aber offenbar nicht aus – diese pocht nun auf weitere Schritte, um die Strompreise zu drosseln und einen Strompreis-Schock zu verhindern. „Die Regierung ist in der Pflicht, endlich ein Konzept für einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis vorzulegen“, sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Julia Klöckner, laut dem Spiegel.

Vor allem für stromintensive Betriebe müsse es weitere Maßnahmen geben, forderte sie. „Denn deren Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Arbeitsplätze sind durch die extrem gestiegenen Stromkosten massiv gefährdet“, so Klöckner.

Kommentare