- VonKilian Beckschließen
Gauland, der sich im Oktober noch zu alt für das Parlament fühlte, und Krah, der in Misskredit geraten war, planen nun, zur Bundestagswahl anzutreten.
Berlin – Die AfD-Abgeordneten Alexander Gauland und Maximilian Krah wollen bei den Neuwahlen im Februar überraschend für den Bundestag kandidieren. Entsprechende Berichte der Bild-Zeitung, der Zeitungen Welt am Sonntag und taz wurden der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus Parteikreisen bestätigt. Der 83-jährige Gauland hatte eine erneute Kandidatur zuvor stets ausgeschlossen. Krah war nach einem skandalumwitterten Wahlkampf zur EU-Wahl bei der Parteispitze in Ungnade gefallen. Beide wollen in Sachsen antreten. Der dortige Landesverband gilt dem Verfassungschutz als gesichert rechtsextrem.
Sachsen AfD „erfreut“ über Gaulands Kehrtwende zur Bundestags-Kandidatur
Gaulands Kandidatur bestätigte Sachsens AfD-Generalsekretär Jan Zwerg gegenüber der Bildzeitung, Gauland werde in seiner Geburtsstadt Chemnitz für das Direktmandat antreten. Die Idee sei im Kreisverband Chemnitz entstanden und vom AfD-Landesverband „erfreut zur Kenntnis genommen“ worden. Er werde nach Lage der Dinge auch auf der sächsischen Landesliste aufgestellt, die am 30. November und 1. Dezember in Löbau gewählt werden soll. Die sächsische AfD distanzierte sich Anfang November von drei ihrer Mitglieder, die wegen Terrorverdachts festgenommen wurden.
Der 83-jährige Gauland vollzieht damit eine Kehrtwende. „Ich glaube nicht, dass ich als 85-Jähriger noch richtig im Parlament bin“, sagte er noch Anfang Oktober der Welt. Gauland ist seit 2017 Bundestagsabgeordneter, bis 2021 war er Vorsitzender seiner Fraktion. Er zog zuletzt über die Landesliste Brandenburg ins Parlament ein. Mit Blick auf den ursprünglichen Wahltermin im September 2025 hatte Gauland der Welt gesagt: „Wenn nicht noch irgendetwas Außergewöhnliches passiert, ist das das Ende meiner parlamentarischen Karriere.“
Medienberichte: Krah hat noch keinen AfD-Kreisverband der ihn aufstellt
Momentan ist Krah fraktionsloser Abgeordneter in im EU-Parlament, nachdem ihn die AfD-Delegation nach diversen Skandalen nicht aufgenommen hatte. Krah sagte Welt am Sonntag und taz, die Kandidatur sei noch nicht entschieden. Er bestätigte aber Gesprächstermine in Sachsen mit verschiedenen AfD-Kreisvorsitzenden. Er habe großen Zuspruch bekommen für eine Kandidatur für den Bundestag, sagte Krah der Süddeutschen Zeitung. Die Stimmung an der Basis in Sachsen sei eindeutig. Bis Ende November werde es eine Entscheidung geben. Krah erfreut sich insbesondere in der Jugendorganisation „Junge Alternative“, die als Radikalisierungsmotor der Partei gilt, großer Beliebtheit.
Nach AfD-Verbotsantrag: Krah soll auf Wahlkreis von scheidenden CDU-Abgeordneten Wanderwitz schielen
Der sächsischen Regionalzeitung Freie Presse zufolge soll Krah sich für den Wahlkreis Hohenstein-Ernstthal interessieren. Das wäre der Wahlkreis des CDU-Abgeordneten Marco Wanderwitz, der treibende Kraft hinter dem kürzlich in den Bundestag eingebrachten Verbotsantrag gegen die AfD ist. Wanderwitz gab im November bekannt nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, um seine Familie vor rechtsextremen Anfeindungen zu schützen.
Krah war im Juni erneut ins EU-Parlament gewählt worden. Zuvor hatte er wochenlang in den Schlagzeilen gestanden und die AfD-Chefs in Erklärungsnöte gebracht. Hintergrund waren teils schrille öffentliche Auftritte und Berichte über mutmaßliche Russland- und China-Verbindungen sowie Ermittlungen gegen einen Ex-Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Spionage für China.
In einer italienischen Zeitung hatte Krah zudem als relativierend wahrgenommene Äußerungen zur nationalsozialistischen Verbrecherorganisation SS gemacht. Die neue AfD-Delegation nahm den Sachsen nach der Wahl nicht in ihre Reihen auf, er gehört auch nicht der gemeinsamen Fraktion von Rechtsaußen-Parteien im Parlament an, die die AfD gebildet hatte.
AfD-Chefin Weidel kritisierte Krah nach EU-Wahl scharf – Höcke erwägt Kandidatur bei Neuwahlen
Bundesparteichefin Alice Weidel ließ bereits im Sommer durchblicken, dass sie nicht mehr besonders viel von Krah hält. Im Podcast „Berlin Playbook“ des Springer-Portals Politico sagte sie: „Ich glaube, dass die Partei viel gelernt hat in den letzten Monaten und sehr genau hinschauen wird, wenn wir in Zukunft Spitzenkandidaten aufstellen“.
Neben Krah erwägt noch einer vom rechten Rand der Partei zur Bundestagswahl anzutreten: Der rechtsextreme Thüringer Landeschef Björn Höcke soll eine Kandidatur bei Neuwahlen erwägen, berichtete das Magazin Stern aus Parteikreisen. Selbst äußerte er sich bislang nicht. Allerdings wurde ihm das bereits vor der Thüringen-Wahl nachgesagt. Es spricht einiges für und gegen eine Kandidatur Höckes. Mitte Dezember wird die Thüringer Landesliste der Partei aufgestellt.
AfD in Umfragen zur Bundestagswahl zweitstärkste Kraft hinter CDU
Aktuelle Umfragen zur Bundestagswahl sehen die Partei zwischen 18 und 19 Prozent, das wäre ihr bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Sie wäre damit zweitstärkste Kraft hinter der Union mit etwa 32 Prozent und vor der SPD mit 15 Prozent. In Sachsen und Thüringen lieferten sich die rechtsextremen Landesverbände der Partei zuletzt Duelle mit der CDU darum, die stärkste Kraft im Landtag zu werden. In Thüringen verfügt die Höcke-AfD seither als stärkste Kraft im Landtag mit einem Drittel der Sitze über eine Sperrminorität und kann etwa Richterwahlen blockieren. In Sachsen verfehlte die AfD diesen Status knapp. (kb mit dpa und afp)
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