Flugbereitschaft mit Problemen

Regierungsflieger-Pannen: Wenn Politiker am Boden bleiben müssen

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Annalena Baerbock (Buendnis 90/Die Gruenen), verlässt nach einer außerplanmäßigen Landung in Abu Dhabi die Regierungsmaschine A340.
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Annalena Baerbock, Olaf Scholz, Angela Merkel - sie alle wurden schon Opfer von Pannen der Flugbereitschaft. Die Probleme reichen von geplatzten Reifen bis zu Rattenschäden.

Berlin - Am Ende entschied sich Annalena Baerbock, den Stecker zu ziehen. Ursprünglich wollte die Außenministerin Australien, Neuseeland und Fidschi besuchen, schaffte es jedoch nur bis nach Abu Dhabi. Hier war Schluss. Nach mehreren Fehlern an ihrem Regierungsflugzeug musste die Politikerin der Grünen ihre geplante Tour in die Pazifik-Region frühzeitig beenden.

Die technischen Ausfälle der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums sind bereits berühmt-berüchtigt. Zerbrochene Fensterscheiben, geplatzte Reifen und von Nagetieren zernagte Kabel: Regierungsflugzeuge haben mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen. Betroffen waren schon fast alle Spitzenpolitiker in Deutschland, darunter Olaf Scholz, Frank-Walter Steinmeier und Christian Lindner. Auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Regierungsmitglieder konnten in den letzten Jahren nicht wie geplant reisen. Meistens handelte es sich um ärgerliche Verzögerungen.

Ein Blick auf die immer wiederkehrenden Probleme der Flugbereitschaft:

Komplettausfall des Kommunikationssystems: Merkel muss umdrehen

Die Reise von Angela Merkel (CDU) zum G20-Gipfel nach Buenos Aires im November 2018 erregte internationale Aufmerksamkeit. Eine Stunde nach dem Abflug in Berlin fiel das gesamte Kommunikationssystem des Airbus A340 aus. Ein solcher Totalausfall ist ein gefährlicher Notfall und tritt äußerst selten auf. Das Flugzeug, das sich zu diesem Zeitpunkt im Luftraum über den Niederlanden befand, drehte um und musste in Köln notlanden. Die damalige Bundeskanzlerin wechselte zu einem Linienflug und traf erst mit erheblicher Verspätung in Argentinien ein.

Nagetierschäden bereiten Scholz Probleme

Im Oktober 2018 strandete der damalige Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in Indonesien, nachdem Nagetiere einige Kabel des Flugzeugs angeknabbert hatten. Scholz, der auf dem Rückweg von einem Treffen des Internationalen Währungsfonds war, musste einen Linienflug nach Deutschland nehmen, während der Großteil seiner Delegation auf Bali verblieb, bis das Flugzeug repariert werden konnte.

Reifen der Regierungsflugzeuge platzen

Bei der Jungfernfahrt des Regierungsflugzeugs „Konrad Adenauer“ nach einer viermonatigen Generalüberholung im April 2019 trat sofort ein Defekt auf. Nach einem neunstündigen Flug von Berlin nach New York mit dem damaligen Außenminister Heiko Maas (SPD) an Bord verlor ein Reifen bei der Landung Luft, sodass der Airbus A340 nicht selbstständig zur Parkposition fahren konnte. Maas kam verspätet im UN-Sicherheitsrat an.

Nur wenige Tage später wollte Olaf Scholz ausgerechnet mit dieser „Konrad Adenauer“ zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in die USA reisen. Doch daraus wurde nichts. Bei einem Testflug war zuvor bei der Landung des Airbus A340 auf dem Flughafen Köln/Bonn ein Reifen geplatzt. Scholz musste daraufhin den kleineren A321 nehmen und einen Tankstopp in Island einlegen. 

Auch Annalena Baerbock hatte ihre Erfahrungen mit Reifenproblemen. Während einer Golfreise im Mai 2023 musste die Außenministerin aufgrund einer Reifenpanne ihren Aufenthalt im Emirat Katar um einen Tag verlängern. Für den defekten Vorderreifen musste die Bundeswehr Ersatzteile aus Deutschland einfliegen.

Hydraulikdefekt am Fahrwerk hält Maas in Mali fest

Im Februar 2019 wurde Maas durch einen Hydraulikdefekt am Fahrwerk einer A319 zeitweilig im westafrikanischen Mali aufgehalten. Aufgrund von Zeitdruck entschied er sich gegen eine Rückreise mit einem Air-France-Flug über Paris nach Berlin. Stattdessen flog die deutsche Luftwaffe über Nacht von Deutschland nach Mali, um die deutsche Delegation am nächsten Tag zurück nach Deutschland zu bringen. Im August 2019 traf es Maas erneut: Ein defekter Schellenring im Hydrauliksystem des geplanten A340 zwang ihn, für seinen Flug nach Moskau auf einen Truppentransporter A310 der Bundeswehr umzusteigen.

Risse in der Windschutzscheibe: Regierungsflugzeug in Niger aufgehalten

Aufgrund von Rissen in der Windschutzscheibe ihres Regierungsflugzeugs wurde die Parlamentarische Staatssekretärin Siemtje Möller im Juni 2023 im westafrikanischen Niger gestrandet. Die SPD-Politikerin reiste mit einer Global 6000, dem kleinsten Flugzeug der Bundeswehr-Flugbereitschaft mit nur 17 Sitzen. Experten vermuteten einen Hitzeschaden. In Niamey herrschten damals Temperaturen von 40 Grad im Schatten. Möller und eine kleine Delegation, die mit ihr reiste, kehrten per Linienflug nach Deutschland zurück.

Andere Pannen an den Regierungsfliegern

  • Oktober 2022: Aufgrund eines Defekts am Regierungsflugzeug wechselt Finanzminister Christian Lindner in Washington nach der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds für seinen Rückflug auf einen Linienflug.
  • Juni 2019: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reiste aufgrund einer beschädigten Cockpitscheibe mit einem Privatjet zur Feier des 70. Jahrestags des Grundgesetzes in Karlsruhe.
  • April 2019: Die Crew des kleinen Regierungsjets Global 5000 entkommt nur knapp einer Katastrophe mit einer Bruchlandung auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Beide Tragflächen streifen den Boden. Der Grund ist der unsachgemäße Austausch eines Steuerungselements und mangelnde Sorgfalt bei der Funktionsprüfung. Einen Tag später sollte das Flugzeug Steinmeier nach Stuttgart fliegen.
  • Januar 2019: Steinmeier strandet aufgrund eines Druckluftproblems am Airbus A340 „Theodor Heuss“ in Äthiopien. Der Start in Addis Abeba verzögert sich um drei Stunden.

Häufen sich die Zwischenfälle bei der Flugbereitschaft unverhältnismäßig?

Das Verteidigungsministerium des Bundes verneint dies. „Wir sind ganz normal auf dem technischen Niveau einer renommierten Airline“, erklärte eine Pressesprecherin. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Flugzeugen könnten beschädigte Maschinen allerdings nicht so rasch ausgetauscht werden wie bei einer umfangreichen Fluggesellschaft. Zudem sei das Interesse an den Flügen der Politiker größer, wodurch Zwischenfälle öfter in den Nachrichten landen würden. Der Zustand der Flotte sei hervorragend.

Eurofighter, Tornado, A350: Diese Flugzeuge gibt es bei der Bundeswehr

Deutsche Tornado-Kampfjets auf dem Rückflug aus dem Irak
Der Jagdbomber Panavia 200 Tornado hat bald ausgedient, da die Maschinen des bis 1998 produzierten Flugzeugs so langsam das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Den Flieger gibt es bei der Bundeswehr in drei Varianten: Tornado IDS (Basisversion), Tornado ECR (bewaffnete Aufklärungsversion), Tornado Recce (unbewaffnete Aufklärungsversion). Das gemeinsam von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelte Mehrkampfflugzeug soll in Zukunft unter anderem durch F-35A aus amerikanischer Produktion ersetzt werden. © Luftwaffe/dpa
Ein Eurofighter startet auf dem Flugplatz Laage bei Rostock zu einem Übungsflug
Der derzeit modernste Kampfjet in den Reihen der Bundeswehr: der Eurofighter Typhoon. Bis zu 2.901,78 km/h schnell wird das gemeinsam von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien entwickelte Flugzeug. Bis 2025 soll die vierte Tranche des Kampfjets ausgeliefert werden und damit die Eurofighter der Tranche 1 (Indienststellung: 2004) in den Beständen der Luftwaffe ersetzen. © Jens Büttner/dpa
Der Airbus A350-900 „Konrad Adenauer“ vor der Dienstreise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Lateinamerika am Flughafen Berlin-Brandenburg
Der Airbus A350-900 ist derzeit der größte und modernste Regierungsflieger der Bundeswehr. Insgesamt drei Exemplare des Großraumjets sind für die Flugbereitschaft im Einsatz. Ihre prestigeträchtigste Aufgabe ist der VIP-Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals. © Kay Nietfeld/dpa
Ein roter Teppich wird vor dem Airbus A340 der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf dem Flughafen Adisumarmo (Surakarta) in Indonesien ausgerollt
Die Airbus A340-300 war das Vorgängermodell die A350-900 bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Nachdem es im Jahr 2018 zu vermehrten technischen Problemen mit den Großraumjets kam, wurde die Anschaffung der Nachfolger beschlossen. Die A340-300 bleibt derzeit allerdings noch parallel zum Nachfolgemodell im Dienst, nicht zuletzt deswegen, da noch nicht alle A350-900 mit einer vollumfänglichen Regierungskabine ausgestattet sind. © Raphael Huenerfauth/photothek/imago
Eine Airbus A400M vor dem Abflug vom Fliegerhorst Wunstorf, um Hilfsgüter für Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien auszuliefern
Das Transportflugzeug Airbus A400M dient der Verschickung von Personal und Material. Bis zu 114 Soldaten finden in der Maschine Platz, die aber auch schwereres Gerät wie den Schützenpanzer Puma transportieren kann. Mit den Maschinen wurden auch Hilfsgüter für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien im Februar 2023 ausgeflogen. © Moritz Frankenberg/dpa
Ein Transportflugzeug C-130J der Israeli Air Force wirft Frachtkisten an Fallschirmen über Israel ab
Das Transportflugzeug C-130J gibt es sowohl in der Tankerversion KC-130J als auch in der Transportversion C-130J-30 Super Hercules. Die Transportversion bietet Platz für bis zu 128 Personen oder 92 Fallschirmjäger oder acht Frachtpaletten und kann auch auf kurzen Pisten und auf unbefestigtem Untergrund starten und landen. Die Tankerversion kann Jets und Hubschrauber am Boden und in der Luft auftanken. Das Bild zeigt eine C-130J der Israeli Air Force im Einsatz © Ofer Zidon/imago
Eine Airbus A319CJ auf dem Flugfeld von oben
Die Airbus A319CJ ist ein weiteres Flugzeug in den Diensten der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Seit Sommer 2010 verfügt sie über zwei Corporate Jetliner dieses Typs. Die Maschinen werden für VIP-Transporte des politisch-parlamentarischen Führungspersonals auf Kurz- und Mittelstreckenflügen eingesetzt und bieten Platz für bis zu 44 Personen. © Norbert Thomas/Bundeswehr
Ein Regierungsflieger Airbus A321-231 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung bei einer „Touch & Go“-Landeübung auf dem Flughafen Leipzig / Halle bei Schkeuditz
Die Bundeswehr bezeichnet die Airbus A321-231 auch als „deutsche Air Force One“. Obwohl das Flugzeug auch Verwundete und Kranke befördern kann, ist seine Hauptaufgabe der VIP-Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals auf Kurz- und Mittelstreckenflügen. Der Regierungsflieger kann bis zu 82 Passagiere, davon zwölf VIPs, transportieren. © Christian Grube/imago
T-38-Maschinen der US Air Force vor einem Sonnenuntergang
Die Maschinen vom Typ Northrop T-38C Talon stehen zwar in den Diensten der Bundeswehr, befinden sich jedoch auf der Sheppard Air Force Base in Texas in den USA. Für deutsche Piloten ist die Northrop T-38C Talon ein Schulflugzeug für den Flug im Überschallbereich, für dessen Nutzung sie in die USA reisen müssen. Das Foto zeigt T-38-Maschinen der US Air Force. © ZUMA Wire/imago
Eine Bombardier Global 5000 der Flugbereitschaft der Bundeswehr landet am Flughafen Hamburg Airport
Das Flugzeug Global 5000 kommt ausnahmsweise mal nicht von Airbus, sondern vom kanadischen Hersteller Bombardier. Es befördert kleinere VIP-Delegationen von bis zu 13 Personen auf Kurz- und Mittelstreckenflügen, in der Regel innerhalb Europas. © Kevin Hackert/imago
Ein Ölaufklärer DO 228 LM fliegt vor der Küste Deutschlands
Die Marine nutzt den Ölaufklärer DO 228 LM. Mit diesen Maschinen unterstützt sie das Havariekommando in Cuxhaven und Bundesverkehrsministerium im Kampf gegen Umweltkatastrophen: Mit Kameras und Sensoren können sie bei Tag und Nacht Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erkennen und diese melden. Damit helfen sie nicht nur bei Havarien, sondern gehen auch gegen illegale Müll- und Ölentsorgung durch Schiffe vor. © Matthias Döhler/Bundeswehr

Stehen ausreichend Flugzeuge zur Verfügung?

Nach dem Baerbock-Zwischenfall gab die Luftwaffe bekannt, dass die beiden älteren A340 in ihrem Inventar nun „so schnell wie möglich, das heißt in den kommenden Wochen“ frühzeitig außer Betrieb genommen werden. Sie rechnet daher nicht mit Schwierigkeiten. Mit den A350 seien „der Flugbereitschaft robuste und moderne Flugzeuge für die Langstrecken zur Verfügung“, so die Luftwaffe. Mit nur noch zwei Langstreckenflugzeugen könnte es jedoch zu mehr Konkurrenz unter den Regierungsmitgliedern um die Verfügbarkeit der Flugzeuge kommen. Ein dritter A350 wird laut Luftwaffe erst Mitte 2024 hinzukommen. Er wird momentan noch für den VIP-Einsatz umgebaut. (cs/dpa/afp)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Christian Stör sorgfältig überprüft.

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