Die deutschen Seenotretter wollen den Hafen von Catania mit ihrem Schiff «Humanity 1» nach ihrer erfolgreichen Mission schnellstmöglich verlassen.
Catania - Das kündigte Einsatzleiter Till Rummenhohl am Mittwoch auf einem Pier in der sizilianischen Stadt an. Tags zuvor hatten Italiens Behörden den letzten 35 auf dem Schiff ausharrenden Migranten nach medizinischen Untersuchungen erlaubt, an Land zu gehen. Sie hatten zwei Tage darauf warten müssen - eigentlich wollte Rom sie zusammen mit dem Schiff fortschicken. Die Crew weigerte sich.
Der Organisation SOS Humanity mit Sitz in Berlin droht nun eine Geldstrafe. Rummenhohl will mit dem Schiff und seinem Team baldmöglich in internationale Gewässer, «um keine weiteren Probleme zu bekommen», wie er sagte.
In der Sache will der deutsche Verein aber weiter kämpfen. Zum einen gerichtlich gegen ein Dekret des italienischen Innenministers, in dem steht, dass die «Humanity 1» nicht alle aus dem Mittelmeer geretteten Migranten an Land bringen durfte. Auch wenn dies nun geschafft sei, «geht es hier um das Prinzip», sagte Rummenhohl. Die Seenotretter halten die Anordnung aus Rom für illegal. Andererseits wollen sie auch wieder auf dem Meer arbeiten, wo die Helfer trotz des Zwists mit den Behörden die nächsten Rettungseinsätzen anvisieren.
Nachdem am Dienstagabend die 35 Menschen von der «Humanity 1» und 213 Geflüchtete von dem gleich daneben liegenden Schiff «Geo Barents» an Land durften, herrschte Erleichterung und Freude unter den Helfern.
Eine Ärztin von SOS Humanity mit Sitz in Berlin erzählte am Mittwoch von der Auswahl zum Verlassen des Schiffes, die die Behörden noch am Wochenende vorgenommen haben. Männer, die gesund wirkten, durften nicht an Land, weil keine Notlage vorliege. «Ich war das erste Mal in meinem Leben beschämt, einen guten Job gemacht zu haben», sagte die Medizinerin im Rückblick auf die Zeit auf dem Meer, als sie den Migranten half. Sie resümierte: «Je gesünder sie waren, um geringer war die Chance, dass sie das Schiff verlassen durften.» (dpa)