Am Wochenende will US-Außenminister Blinken nach China reisen. Jetzt lieferte er sich ein Wortgefecht mit seinem chinesischen Amtskollegen.
München/Peking/Washington, D.C. – Wenige Tage vor dem geplanten China-Besuch von US-Außenminister Antony Blinken ist es zu einem telefonischen Schlagabtausch zwischen ihm und seinem chinesischen Amtskollegen Qin Gang gekommen. Bei dem Gespräch forderte Qin am Mittwoch, die USA müssten „Respekt zeigen, sich nicht in Chinas innere Angelegenheiten einmischen und Chinas Souveränität, Sicherheit und Entwicklungsinteressen“ respektieren.
China Außenminister beklagte zudem, „dass die Beziehungen zwischen China und den USA seit Anfang des Jahres mit neuen Schwierigkeiten und Herausforderungen konfrontiert sind und dass die Verantwortung klar ist“, hieß es nach dem Gespräch in einer Mitteilung des Außenministeriums in Peking.
Neue und alte Spionagevorwürfe belasten Verhältnis zwischen China und den USA
In dem Gespräch mit Blinken bezeichnete Qin Gang die Taiwan-Frage als „Chinas Kernanliegen“, bei dem Peking eine „strenge Haltung“ einnehme. In diesen und anderen Fragen müssten sich die USA „in die gleiche Richtung wie die chinesische Seite“ bewegen, so der Außenminister weiter, der bis vor wenigen Monaten Botschafter Pekings in den USA gewesen war. China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als abtrünnige Provinz und droht damit, den Inselstaat notfalls mit Gewalt mit dem Festland zu vereinigen.
Aus Washington hieß es nach dem Telefonat lediglich, beide Seiten hätten „die Bedeutung der Aufrechterhaltung offener Kommunikationslinien“ erörtert, „um die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China verantwortungsvoll zu gestalten und Fehlkalkulationen und Konflikte zu vermeiden“. Zudem habe Blinken „eine Reihe bilateraler und globaler Themen“ angesprochen und „deutlich gemacht, dass die USA auch weiterhin diplomatische Kontakte nutzen werden, um Problembereiche und potenzielle Kooperationsbereiche anzusprechen“.
Biden spricht von „Tauwetter“ – reist Blinken nach China?
Der amerikanische Außenminister wollte eigentlich bereits im Februar zu Gesprächen nach China reisen, sagte den Besuch aber kurzfristig ab, nachdem über den USA ein mutmaßlicher chinesischer Spionageballon entdeckt worden war.
US-Präsident Joe Biden und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping waren zuletzt im November beim G20-Gipfel in Bali persönlich zusammengetroffen, was vorsichtige Hoffnungen auf eine Entspannung ausgelöst hatte. Doch wenig später löste der Ballon-Vorfall eine diplomatische Eiszeit aus. Erst in den vergangenen Wochen kam es wieder zu ersten hochrangigen Gesprächen zwischen Vertretern beider Länder. So traf in Peking US-Botschafter Nicholas Burns Anfang Mai mit dem chinesischen Außenminister zusammen; in Wien beriet sich Chinas Top-Diplomat Wang Yi mit Jake Sullivan, Bidens Nationalem Sicherheitsberater. Biden sprach am Rande des G7-Treffens im japanischen Hiroshima zudem von einem möglichen „Tauwetter“ zwischen China und den USA.