Die Parteienlandschaft der Türkei

Oppositionspartei CHP: Die kemalistisch-sozialdemokratische Strömung in der Türkei

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Im Jahr 2010 übernahm Kemal Kılıçdaroğlu den Parteivorsitz und tauschte die etablierte Führungsriege der CHP aus.

Die Türkei hat eine vielfältige Landschaft verschiedener Parteien. Die CHP Türkei ist seit 2002 die wichtigste Oppositionspartei des Landes.

Ankara – Die CHP der Türkei heißt komplett ausgeschrieben Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei). Sie ist die Nachfolgeorganisation der im Jahr 1919 entstandenen „Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte von Rumelien und Anatolien“.

NameCumhuriyet Halk Partisi
AbkürzungCHP
ÜbersetzungRepublikanische Volkspartei
Gründung9. September 1923
GründerMustafa Kemal Atatürk
Amtierender VorsitzenderKemal Kilicdaroglu (seit 2010)

Die Ziele der CPH

Aus dem nationalen Widerstand gegen die Besetzung Anatoliens wurde im Jahr 1923 die Partei CHP. Die Türkei ist erst durch diesen Prozess aus dem Osmanischen Reich entstanden. Staats- und Parteigründer Mustafa Kemal Atatürk war westlich orientiert und verfolgte diese Ziele:

  • Abschaffung des Sultanats und des Kalifats
  • Einführung des lateinischen Alphabets
  • Vereinheitlichter Unterricht an Schulen
  • Abschaffung der Scharia-Gerichte
  • Reform des Straf-, Zivil- und Schuldrechts

Bis auf kurze Episoden war die einzige Partei des Landes die CHP. Die Türkei bekam erst 1946 ein Mehrparteiensystem.

CHP Türkei: Die Entwicklung der Partei

Von 1923 bis 1946 war die CHP in der Türkei die einzige Partei in der Regierung. 1950 unterlag sie bei den Wahlen der Demokrat Partii (DP, Demokratische Partei). In der Opposition entwickelte sich die CHP Türkei zu einer Mitte-Links-Partei. Auf dem Kongress 1957 wurde kein Wahlprogramm, sondern eine „Erklärung der primären Ziele“ verabschiedet. Die wichtigsten Punkte waren:

  • bei Stellung der Regierung durch die CHP die Abschaffung anti-demokratischer Gesetze
  • Änderung der Verfassung nach den Prinzipien der Souveränität des Volkes
  • soziale Gerechtigkeit
  • soziale Sicherheit
  • Rechtsstaatlichkeit
  • eine durch die Legislative kontrollierte Exekutive

Bis zum Verbot aller Parteien in der Türkei nach dem Militärputsch 1980 setzte sich die Linkswende immer weiter fort. Die CHP Türkei wurde als demokratische Linke bezeichnet. Zwölf Jahre nach der zwangsweisen Auflösung gründete die CHP sich wieder. Sie hat aktuell ihren Sitz in Ankara.

Heute gehören folgende Prinzipien fest zum Wahlprogramm der CHP in der Türkei:

  • Republikanismus
  • Revolutionismus
  • Laizismus
  • Etatismus
  • Nationalismus
  • Populismus

Die CHP der Türkei versteht sich als Streiter für den republikanischen, unabhängigen und laizistischen Staat und vertritt nach eigener Aussage eine Regierung, die Menschenrechte, die Unabhängigkeit der Justiz und die Rechtsstaatlichkeit achtet.

Das Wahlprogramm der CHP

Bei der Neugründung der CHP Türkei setzte das Wahlprogramm der Partei auf militanten Laizismus, also die radikale Trennung von Staat und Kirche. In der Kurdenfrage war die CHP zurückhaltend. Zudem äußerte sich die Partei gegenüber der EU skeptisch. Unter dem damaligen Parteivorsitzenden Deniz Baykal (1992–2010) überzeugte die Partei besonders säkular eingestellte Wähler aus den städtischen Bereichen.

Die gebildete Mittelschicht und die Aleviten vertrauten der CHP (Türkei) als Partei gegen die Islamisierung des Staates. Außerdem versprach das Wahlprogramm „Veränderung für eine moderne Türkei“, soziale und demokratische Reformen sowie eine starke, dauerhafte Entwicklung der Wirtschaft.

Im Jahr 2010 übernahm der Kandidat Kemal Kılıçdaroğlu den Parteivorsitz und tauschte die etablierte Führungsriege der CHP aus. Obwohl er sich in seinem Engagement auf soziale Fragen der Gerechtigkeit und der Sicherheit konzentriert, ist die Partei bis heute weit von sozialdemokratischen Parteien nach westlichem Vorbild entfernt. Das gilt sowohl rhetorisch als auch organisatorisch.

Aktiv gegen die Regierung

Im Jahr 2017 positionierte sich die CHP (Türkei) offen gegen die Regierung. Die Partei lehnte die von Präsident Recep Tayyip Erdoğan gewünschte Verfassungsänderung ab. Danach initiierte der Parteichef den „Marsch für Gerechtigkeit“ von Ankara nach Istanbul, um auf die fehlende Gerechtigkeit in der Türkei aufmerksam zu machen.

Bei den letzten Parlamentswahlen am 24. Juni 2018 bekam die CHP 146 Sitze in der Volksversammlung. Heute ist sie die zweitstärkste Partei in der Türkei und größte Oppositionspartei. Sie ist Mitglied des Oppositionsbündnissen „Sechser Tisch“ zu der auch die anderen Oppositionsparteien (Iyi Parti, Saadet Partisi, DEVA Partisi, Gelecek Partisi und Demokrat Parti) gehören. Sie wollen bei den nächsten Wahlen einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten stellen, um damit der AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Ende zu setzen.

Wie schneidet die CHP bei Türkei-Wahlen ab?

JahrStimmanteil in Prozent
200720,88
201125,98
Juni 201524,95
November 201525,32
201822,65
202325,33

Bei der Türkei-Wahl 2023 trat die Partei gemeinsam im Oppositionsbündnis „Sechser Tisch“ an. Neben der CHP waren dort die Iyi Parti, Saadet Partisi, DEVA Partisi, Gelecek Partisi und Demokrat Parti vertreten. Kandidat des Bündnisses war der Vorsitzende der CHP: Kemal Kilicdaroglu.

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