VonPia Seitlerschließen
Eltern in Ostdeutschland haben deutliche bessere Aussichten bei der frühkindlichen Bildung. Die riesigen Unterschiede sind mit einer Warnung verbunden.
In Deutschland arbeiten rund 700.000 Pädagog:innen in über 56.000 Kindertagesstätten. Obwohl die Anzahl der in Kitas tätigen Erzieher:innen kontinuierlich steigt, ist der Bedarf noch nicht gedeckt. Der „Nationale Bildungsbericht“ zeigt jedoch, dass der Personalbedarf regional variiert.
Insbesondere in Ostdeutschland sei demnach der Bedarf an Fachkräften in der frühen Bildung durch neue Auszubildende „weitgehend gedeckt“. Im Gegensatz dazu bleibe die Lage in Westdeutschland kritisch.
Kitaplatz-Mangel „insbesondere in Westdeutschland“
Die Teilnahme an frühkindlicher Bildung und der Besuch von Kitas hat positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern. Dies wurde durch internationale und deutsche Studien bestätigt, wie das Deutsche Jugendinstitut 2023 in einer Stellungnahme feststellte. Kitas können dazu beitragen, Ungleichheiten aufgrund der Herkunft zu verringern, Armut zu bekämpfen und die Chancengleichheit zu verbessern: Daran erkennst du eine gute Kita.
Eltern, die in Ostdeutschland nach einem Kitaplatz suchen, haben bessere Aussichten als in Westdeutschland. Der Bildungsbericht warnt: „Aufgrund steigender Kinderzahlen und einer anhaltenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist insbesondere in Westdeutschland bis 2035 mit einem zunehmenden Platzbedarf zu rechnen“.
Der Bericht, der alle zwei Jahre auf der Grundlage statistischer Daten und sozialwissenschaftlicher Studien erstellt wird, zeigt, dass etwa 900.000 Kinder mehr als noch 2006 frühkindliche Bildungsangebote nutzen. Trotzdem können nicht alle Elternwünsche nach einem Platz erfüllt werden, vorwiegend bei den Ein- und Zwei-Jährigen, die einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz haben.
Mehr Grundschulkinder nehmen in Ostdeutschland an Ganztagsbetreuung teil
Kinder in Ostdeutschland besuchen deutlich früher eine Kindertagesstätte als ihre Altersgenossen in Westdeutschland, so der Bericht. Auch bei der Grundschulbildung gibt es regionale Unterschiede: „In Ostdeutschland nehmen mit 84 Prozent deutlich mehr Grundschulkinder an ganztägiger Bildung und Betreuung teil“, so der Bericht.
An Halbtagsschulen folge eine Unterrichtsstunde auf die nächste, es fehle die Zeit für Austausch, Mitbestimmung und Spaß. Helmut Klemm, Schulleiter einer „voll gebundenen Ganztagsschule“ in Bayern, bezeichnet dies als „Schule in der schlimmsten Form“. Daten der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2020 zeigen, dass 19.041 Schulen (71 Prozent) ein Ganztagsangebot haben. Die Mehrheit dieser Schulen sind „offene Ganztagsschulen“, in denen Kinder nach Bedarf ganztägige Angebote wahrnehmen können.
Ab 2026 wird schrittweise ein Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder eingeführt. In Westdeutschland nutzen bereits die Hälfte aller Eltern dieses Angebot, obwohl 58 Prozent es wünschen. In Ostdeutschland ist die Lücke kleiner: 88 Prozent der Eltern wünschen sich ein Ganztagsangebot, und 84 Prozent der Grundschulkinder nehmen daran teil.
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