VonStephanie Munkschließen
Zwei Tage nach dem Attentat auf ihn steht Donald Trump wieder im Rampenlicht. Seine Nominierung für die US-Wahl 2024 sorgt für Furore und starke Bilder.
Milwaukee - 48 Stunden nachdem er nur knapp einem Attentat entkommen war, trat Donald Trump wieder ins Rampenlicht. Beim Nominierungsparteitag der republikanischen Partei in Milwaukee wurde er offiziell als Präsidentschaftskandidat für die US-Wahl 2024 nominiert und enthüllte seinen Vize-Kandidaten: J.D. Vance, ein Hardliner mit teils radikalen Positionen.
Die Atmosphäre auf der Versammlung war geradezu euphorisch, wie Medien weltweit berichteten. Trump wurde wie ein Held gefeiert, seine Inszenierung als furchtloser Kämpfer fiel makellos aus. Drei Momente stachen besonders hervor.
Moment 1 auf Parteitag: Trump mit Verband am Ohr den Tränen nahe
Der erste Moment war, als Trump auf der Bühne des Parteitags mit weißem Verband am Ohr erschien – das weithin sichtbare Zeichen dafür, dass er gerade nur knapp einem Attentat entkommen war. Ein 20-Jähriger hatte am Samstag (13. Juli) während einer Wahlkampfveranstaltung versucht, den Ex-Präsidenten zu erschießen. Trump wurde nur leicht am Ohr verletzt, weil er sich in dem entscheidenden Moment umdrehte.
Als jetzt beim Nominierungsparteitag sein Gesicht mit dem auffälligen Verband auf den Bildschirmen im Saal erschien, brachen seine Anhänger in frenetischen Jubel aus. Trump selbst schien gerührt, fast den Tränen nahe. Der Countrystar Lee Greenwood sang dazu den Hit „God Bless the USA“ – die Hymne der „Make America Great Again“-Bewegung.
Ob die Emotionen, die sich in Trumps Gesicht widerspiegelten, echt waren oder Teil einer Inszenierung, ist nur ihm und seinem engsten Team bekannt. Einige Stimmen behaupten aber, dass der knapp entgangene Tod seine Weltsicht tatsächlich verändert hat. Die Washington Post zitierte einen Vertrauten Trumps: „Er denkt, dass er ein Geschenk von Gott erhalten hat. Er kann es nicht glauben.“ Donald Trump sei nach dem Attentat fast schon „spirituell“ geworden.
Moment 2 auf dem Parteitag: Trump zeigt gleiche Siegerpose wie nach Attentat
Zweiter markanter Moment auf dem Parteitag am Montag war, als Trump eine jetzt schon ikonisch gewordene Pose wiederholte: Die nach oben gestreckte Faust, so wie er sie auch Sekunden nach dem Attentat zeigte. Von Sicherheitskräften des Secret Service umklammert und mit blutüberströmtem Gesicht nahm Trump direkt nach dem Attentat geistesgegenwärtig diese Siegerpose ein, über ihm flatterte die US-amerikanische Flagge. Es entstand ein Bild mit überwältigender Wucht.
Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident




Drei Tage später, auf der Parteiversammlung, verzichtete Trump darauf, eine Rede zu halten. Stattdessen trat er mit erhobenem Kinn auf die Bühne und reckte erneut die Faust in die Höhe. Diese Pose, kombiniert mit seinem Verband am Ohr, ließ ihn gleichzeitig heldenhaft und verletzlich wirken. Die Menge jubelte, wie Beobachter berichteten. Viele Anhänger hielten ihre Smartphones hoch, um die Szene festzuhalten.
Moment 3 auf Trump-Parteitag: Menge skandiert „Fight, fight, fight“
Zunächst schien der Nominierungsparteitag der Republikaner in Milwaukee streng nach Plan zu verlaufen. Nach einer Gedenkminute für die Opfer des Attentats auf Trump, folgten der Treueschwur auf die Flagge, die amerikanische Nationalhymne und ein Gebet. Doch dann brachen die Delegierten aus dem vorgesehenen Ablauf aus und skandierten begeistert und einstimmig: „Fight, fight, fight“ („Kämpft, kämpft, kämpft“).
Der Urheber dieses neuen Kampfrufs der Republikaner ist kein anderer als Trump selbst. Direkt nachdem die tödlichen Schüsse ihn am Samstag verfehlt hatten, rief der ehemalige Präsident der geschockten Menge in Pennsylvania „fight, fight, fight“ zu. Dies, gepaart mit seiner erhobenen Faust, war „fast schon ein Lehrbeispiel für eine politisch-mediale Inszenierung“, so eine Expertin für die USA im Gespräch mit Merkur.de.
Doppelter Triumph für Trump vor der US-Wahl 2024
Trump verließ die Versammlung nicht nur als einstimmig gewählter Kandidat der Republikaner für die US-Wahl 2024. Er hatte sich auch die Unterstützung innerhalb seiner Partei endgültig gesichert.
US-Korrespondent Stephan Richter analysierte im Nachrichtensender ntv, dass Trump in seiner Partei und im ganzen Land „viel Respekt gezollt“ werde für seinen Umgang mit dem Attentat. Sein starkes, aber doch staatsmännisches Auftreten seit dem Attentat beeindrucke die Amerikaner. Es spiegle das wider, was vielen Wählern bei US-Präsident Joe Biden fehle, dem seit dem TV-Duell gegen Trump vielfach Altersschwäche vorgeworfen wird.
Das missglückte Attentat scheint Trump am Ende zu nutzen. So sehr, dass es den Nährboden für Verschwörungstheorien über einen angeblichen „Trump Fake“ liefert. Wie die Wähler auf die dramatischen Ereignisse der letzten Tage reagieren, werden die nächsten Umfragen zur US-Wahl zeigen.
Rubriklistenbild: © Annabelle Gordon/Imago

