Rinat Achmetow

Reichster Mann der Ukraine: Sein Stahlwerk versinkt in der Donbass-Hölle

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Er ist der reichste Mann der Ukraine: Rinat Achmetow. Ihm gehört das zerstörte Stahlwerk in Mariupol. Doch der Oligarch ist ein Wendehals. Kann er seinen Besitz retten?

Mariupol – Es waren durchaus harsche Vorwürfe an den Aggressor: Mit Blick auf die vollständige Zerstörung im Donbass hat der ukrainische Oligarch Rinat Achmetow jetzt Russland Kriegsverbrechen vorgeworfen. Was gerade geschehe, könne „weder erklärt noch gerechtfertigt werden“, sagte der Besitzer des Asow-Stahlwerkes in Mariupol dem US-Nachrichtenmagazin Forbes. Bislang galt der Geschäftsmann als russlandfreundlich. Doch ob er nun wegen der Entwicklung im Ukraine-Krieg eine Kehrtwende hingelegt hat, wird weiterhin bezweifelt. Der 55-Jährige ist als windiger Geschäftsmann verschrien, der sich schon öfter den Situationen angepasst hat. Wer ist der Mann, dessen Industriebetrieb zur Keimzelle des ukrainischen Widerstandes geworden ist?

Ukraine-Krieg: Das Stahlwerk Asovstal in Mariupol ist zerstört – Besitzer Rinat Achmetow galt als Unterstützer von Wladimir Putin

In den vergangenen Wochen war das Asovstal-Stahlwerk in Mariupol zentraler Schauplatz des Ukraine-Krieges. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin die Stadt in Schutt und Asche bomben gelassen hatte, verschanzten sich tausende Zivilisten und tausend Elite-Kämpfer des Asow-Bataillons in der Industrieanlage. Dort hielten sie wochenlang den russischen Angriffen stand. Erst am Freitag (20. Mai) räumte der Kommandeur der Nationalgarde die Kapitulation ein. Der Großteil der Soldaten begab sich in russische Gefangenschaft. Zurück bleibt jetzt eine riesige Industriebrache, die weiterhin dem Großindustriellen Rinat Achmetow gehört.

Besitzer des Asovstal-Stahlwerkes in Mariupol: Rinan Achmetow, der reichste Oligarch der Ukraine.

Rinan Achmetow: Der Oligarch ist der reichste Mann der Ukraine – Sein Vermögen geht in die Milliarden

Der Oligarch ist eine schillernde Figur. Als Besitzer der Metinvest-Gruppe brachte er es zu einem enormen Reichtum. Sein Vermögen wird auf sieben Milliarden US-Dollar geschätzt, wodurch Rinan Achmetow der reichste Mann der Ukraine wäre. Zentraler Bestandteil seines Konzerns ist das Asovstal-Stahlwerk. Vor Kriegsbeginn wurden auf der Anlage pro Jahr 5, 7 Millionen Tonnen Eisen und 6,2 Millionen Tonnen Stahl produziert, wodurch das Werk eines der größten in Europa ist.

Das rund elf Quadratkilometer große Areal besteht aus einem Gewirr von Eisenbahnschienen, Lagerhäusern, Kohleöfen, Fabriken, Schornsteinen und Tunneln, das als ideal für einen Guerillakampf gilt und schon im Zweiten Weltkrieg hart umkämpft war. „Es ist eine Stadt in der Stadt“, sagte kürzlich Eduard Basurin, Vertreter der prorussischen Separatisten in der Region Donezk. 

Ukraine-News: Achmetow spendete vor allem an pro-russischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch

Seit 2006 befindet sich das Stahlwerk von Mariupol im Besitz von Achmetow. Der Oligarch galt eigentlich immer als pro-russisch. So trat er bis 2014 als Großspender für den Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch auf, der 2014 im Zuge der Maidan-Revolution ins Exil vertrieben wurde. Doch der Geschäftsmann wusste sich zu arrangieren.

Offenbar unterhält er sowohl gute Kontakte in die ukrainische als auch zur russischen Regierung. Als Moskau die Krim-Halbinsel und die Regionen Luhansk und Donezk eroberte, suchte Achmetow den Schulterschluss. Wie der Deutschlandfunk berichtet, verhandelte der Oligarch mit den Separatistenführern einen Deal aus und konnte weiterhin seinen Geschäften weitergehen. Denn am Ende profitierten beide Seiten: Die Unternehmen von Achmetow seien jahrelang die „Stütze der Wirtschaft in der Donezker Volksrepublik“ gewesen, sagt der Chefredakteur der Donezker Internetzeitung Ostrow, Serhij Harmasch. Umgekehrt hätte der Oligarch den Steuereintreibern aus Kiew aus dem Weg gehen können.

Ukraine-Krieg: Das Stahlwerk in Mariupol will Russland nicht wieder aufbauen

Doch nun könnte sich die Nähe zu den Separatisten rächen. Denn das Stahlwerk wurde großflächig in den Kämpfen beschädigt. Der Donbass sei „komplett zerstört“, bestätigte der ukrainische Präsident Wolodomyr Selenskyj. Die Situation sei die „Hölle“. Tatsächlich erreichen die Vereinten Nationen täglich Berichte über Kriegsverbrechen. In Mariupol hat jetzt die brutale Söldnertruppe von Ramsan Kadyrow das Kommando übernommen. Sie hätten von Putin den Befehl, die Stadt zu plündern. Ein Wiederaufbau? Nicht vorgesehen. Auch nicht des Stahlwerks.

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Vor diesem Hintergrund ist es ungewiss, wie es in Zukunft für Achmetow weitergeht. Mit seinem Bekenntnis hat er sich eindeutig von Putin losgesagt. Doch ob man dem Separatisten-Freund unter den neuen Umständen in Kiew noch Gehör schenken wird, ist eher unwahrscheinlich.

Rubriklistenbild: © Alexei Alexandrov/Bernd von Jutrczenka/dpa

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