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Er gilt als Marionette Russlands: Wiktor Janukowytsch. Gerüchten zufolge will Putin dem Ex-Präsidenten in der Ukraine an die Macht verhelfen. Doch wer ist der Mann?
Kiew – Lebenszeichen aus dem russischen Exil: Nach vielen Gerüchten um eine mögliche Rückkehr hat sich Ex-Präsident Wiktor Janukowytsch überraschend in den Ukraine-Konflikt eingemischt. So forderte der vor einigen Jahren aus dem Staatsamt gejagte Präsident den amtierenden Regierungschef Wolodymyr Selenskyj zur Aufgabe im Krieg mit Russland auf. „Sie persönlich sind verpflichtet, das Blutvergießen zu beenden und ein Friedensabkommen um jeden Preis zu erzielen“, schrieb der Moskau-treue Politiker in einer von russischen Medien verbreiteten Botschaft. Damit gab er Gerüchten neue Nahrung, wonach Russlands Präsident Wladimir Putin den früheren Staatschef in Kiew wieder an die Macht bringen will.
| Name: | Wiktor Janukowytsch |
| Alter: | 71 Jahre |
| Frau: | Ljudmila Oleksandriwna |
| Sohn: | Oleksandr |
Ukraine-Krieg: Ex-Präsident Wiktor Janukowytsch meldet sich aus Exil in Russland und ruft Wolodymyr Selenskyj zur Aufgabe auf
Noch ist der Ausgang des Ukraine-Krieges völlig unklar. Offiziell hatte Russlands Präsident Wladimir Putin stets betont, mit dem Feldzug vor allem die ukrainische Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj aus dem Amt zu entfernen und die ostukrainischen Separatistengebiete um Luhansk und Donezk zu „befreien“. Eine komplette Besetzung der Ukraine strebe man nicht an, hieß es immer wieder seitens des Kremls. Jedoch vermuten westliche Politik-Beobachter, dass Putin die Einrichtung einer Vasallenregierung planen könnte – ähnlich wie in Belarus und Tschetschenien. An der Spitze könnte durchaus Wiktor Janukowytsch stehen. Laut ukrainischen Berichten wurde er bereits in Minsk gesichtet.
Wiktor Janukowytsch: Flucht ist 2014 für Putins getreuen Staatschef die einzige Möglichkeit nach den Maidan-Protesten
Im Jahr 2010 war der pro-russische Kandidat Janukowytsch ins Präsidentenamt gelangt. Drei Jahre später versuchte er dann, den von vielen Ukrainerinnen und Ukrainern angestrebten EU-Beitritt zu torpedieren. So legte er – ganz im Sinne Russlands – ein EU-Assoziierungsabkommen auf Eis – und entfachte damit die wochenlangen Maidan-Proteste. Als sich die Lage und die Gewalt im Land zuspitzen und mehr als 100 Demonstranten starben, musste Janukowytsch die Flucht ergreifen. Er setzte sich nach Russland ab und erhielt dort in Rostow am Don Exil. In seiner Abwesenheit wurde er vom ukrainischen Parlament des Amtes enthoben und später in Abwesenheit zu 13 Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt.
Viktor Janukowitsch: Erstürmung der Villa Meschyhirja nach Putsch legt Blick auf Vermögen frei – auch Ehefrau und Sohn Oleksandre gelten als korrupt
Janukowytsch, der gebürtig aus einer Arbeiterfamilie aus der jetzt umkämpften Donezk-Region stammt, gilt als äußerst korrupt. Zusammen mit seiner Ehefrau Ljudmila Oleksandriwna und seinen Söhnen Oleksandr (geboren 1973) und Wiktor (1981–2015) bewohnte er zu Präsidentenzeiten in einem Luxusanwesen nahe Kiew. Der Betrieb der Villa Meschyhirja soll alleine vier Millionen Euro im Monat verschlungen haben, heißt es in mehreren Medienberichten. Daneben zählten noch weitere Anwesen, Appartements und teure Autos zu seinem Vermögen.
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Dass beim Erwerb des Vermögens nicht alles mit rechten Dingen zuging, zeigte sich nach der Flucht von Janukowytsch. Maidan-Aktivisten stürmten die Villa und stellten Getreue, die Kaufverträge, belastende Unterlagen und andere Papiere im Teich versenken wollten. Dabei zeigte sich: Alle Familienmitglieder hatten es auf Kosten des Staates zu einem Milliardenvermögen gebracht. Die Konten von Wiktor Janukowytsch und dessen Sohn Oleksandr wurden in der Schweiz und in Österreich mittlerweile eingefroren.
Ukraine-Krieg: Im Schattenkabinett von Janukowitsch tauchen alte Getreue von Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf
Vor diesem Hintergrund erscheint völlig unklar, wie Russland die mögliche Rückkehr von Janukowytsch absichern will – ohne Besetzung des Landes. Militärstrategen vermuten, dass Russland zunächst versuchen könnte, die Ukraine in vier Militärbezirke einzuteilen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Informationen aber nicht.
Vergiftung im Präsidentenwahlkampf von Wiktor Janukowytsch
Bereits 2004 trat Wiktor Janukowytsch im Präsidentenwahlkampf gegen Kandidat Viktor Juschtschenko an. Während des Wahlkampfs wurde dieser – wie sich erst Monate später herausstellte – mit Dioxin vergiftet und dadurch lebensgefährlich verletzt, sein Gesicht wurde stark entstellt. Juschtschenko überlebte knapp und gewann am Ende nach einer Stichwahl auch das Staatsamt. Doch bis heute sind die Hintergründe unklar. Auf die Frage, ob Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem Apparat hinter dem Attentat stecke, der damals offen den Wahlkampf von Janukowytsch unterstützte, sagte der Vergiftete nur: Er wisse, wer verantwortlich sei, könne es aber nicht sagen.
Dennoch gilt eine Rückkehr von Janukowytsch als nicht ausgeschlossen. Wie der Nachrichtensender ntv berichtet, hegte das Außenministerium in Großbritannien bereits im Januar den Verdacht einer russischen Vasallenregierung. In der Behörde kursierten neben Janukowytsch damals fünf weitere Kandidaten als mögliche Putin-Marionette in Kiew. Genannt wurden auch Ex-Ministerpräsident Jewgeni Murajew, Mykola Asarow, Sergej Arbusow, Andrej Klujew und Wolodymyr Siwkowitsch. Alles gute Bekannte: Asarow war unter Janukowitsch Ministerpräsident, Arbusow und Klujew waren die Vize-Regierungschefs.
Krieg in der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj spricht Drohung an Russland aus – Generalmajor Witali Gerassimow stirbt bei Gefechten
Inwieweit die Ukrainerinnen und Ukrainer aber das Schattenkabinett akzeptieren, bleibt abzuwarten. Der amtierende Präsident Wolodymyr Selenskyj harrt trotz Attentatversuchen mit seiner Regierungsmannschaft in Kiew aus und schickt per Video jeden Tag scharfe Warnungen nach Moskau. Alle diejenigen, die die Ukraine angriffen, würden am Ende im Grab landen, hatte er am Dienstag angekündigt. Der Präsident, der in seinem Land mittlerweile als Volksheld verehrt wird, steht dabei nicht allein. Offenbar stoßen die russischen Truppen bei ihrem Vormarsch auf erheblichen Widerstand. Am Mittwoch starb mit Witali Gerassimow bereits einer von Putins wichtigsten Generalmajoren bei den Kämpfen. Insofern verläuft die Rückkehr von Janukowytsch derzeit noch sehr viel anders als geplant. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Tim Brakemeier/Sergey Dolzhenko/dpa

