Ukraine-Krieg

Ukraine weicht von Nato-Taktik ab – und fügt Russland enorme Verluste zu

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Ein US Militärexperte lobt die ukrainischen Truppen für ihren Umgang mit kleinen und mittelgroßen Drohnen im Krieg. (Archivfoto)
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Mit vermehrten Drohneneinsätzen und veränderter Kampftaktik entfernt sich die Gegenoffensive der Ukraine von der Praxis der Nato. Fachleute sehen das als Vorteil.

Kiew – Seit 19 Monaten setzt sich die Ukraine den russischen Angriffen zur Wehr und hat die russischen Streitkräfte sowie ihre Strippenzieher nicht nur in den Anfangswochen mit ihrer Standfestigkeit überrascht. Im Frühjahr 2022 verhinderten Kämpfer und Soldaten einen russischen Einmarsch in Kiew, befreiten wenige Wochen nach Kriegsbeginn die ersten überfallenen Ortschaften. Im Herbst 2022 folgte die erste große Gegenoffensive, die in der Befreiung der Großstadt Cherson gipfelte.

Und auch wenn die Verteidigungsversuche und Gegenoffensiven seither immer wieder ins Stocken geraten und trotz fehlender offizieller Zahlen sicherlich Tag für Tag viele ukrainische Kämpfer an der Front verletzt und getötet werden, ist kein Ende im Krieg zugunsten von Russland in Sicht. Im Gegenteil: Die Gegenoffensive kommt kurz vor dem Winter 2023 erneut in Fahrt und gipfelte kürzlich sogar im bislang erfolgreichsten Angriff auf ein Militärzentrum auf der seit 2014 durch Russland besetzten Krim.

Die Taktik der Ukraine im Krieg gegen Russland: Strategiewandel als Schlüssel

Geht es nach der Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien (ISW) liegt das daran, dass die Ukraine inzwischen – zumindest ein Stück weit – die Militärpraxis von Westen und Nato über Bord geworfen hat und immer wieder pragmatische Ansätze wählt. Kleine Infanterie-Einheiten, deren Vorstöße von Präzisionsschlägen gestützt werden, statt komplexer, monatelang trainierter Nato-Taktiken. So sieht es zumindest die Politik- und Kriegsexpertin Nataliya Bugayowa, die an dem US-Institut zur aktuellen Entwicklung forscht.

Für sie liegt im Strategiewandel der Ukrainer zumindest ein wichtiger Grund in der aktuellen Entwicklung, dass die Ukraine nach und nach wieder kleine Bereiche der von Russland besetzten Gebieten befreien kann. Zudem habe das kleinere Land im Krieg gegen Russland erneut die „Schlachtfeld-Initiative“ ergriffen und rücke vor allem in den Gebieten Bachmut und Saporischschja vor. Trotz aller Versuche der gut ausgebildeten russischen Verteidigung, das zu verhindern. Und auch die ukrainischen Taktiken am Schwarzen Meer trieben Russlands Marine immer wieder in die Enge – ein heftiger Militärschlag vom Freitag auf das Flotten-Hauptquartier ist ein weiterer Rückschlag für Russland.

Militärexperte zum Ukraine-Krieg: Den USA beim Einsatz von kleinen Drohnensystemen voraus

Auch das US-Magazin Business-Insider berichtet davon, dass die Truppen der Ukraine ohne Einfallsreichtum und Abweichung von allem vielfach Trainierten wohl kaum die derzeitigen Erfolge erreichen könnten und hat dazu mit einem US-Soldaten namens „Jackie“ gesprochen, der in der Ukraine inzwischen als unabhängiger Dienstleister Soldaten im Ukraine-Krieg trainiert und zuvor für die US-Streitkräfte in Irak und Afghanistan im Einsatz war.

In seinen Augen hätte die Ukraine kaum andere Möglichkeiten als im „Guerilla-Modus“ und mit List zu operieren, einfach weil die Streitkräfte „nach den Standards aller Nato-Staaten als ungeeignet“ gelten würden, die russischen Frontlinien zu durchdringen. Eine weitere Stärke der Ukraine sei auch der Umgang mit Drohnen, sagte „Jackie“ Business-Insider: „Während wir noch nicht mal eine klare Doktrin haben, wie mit kleinen Drohnensystemen umgegangen werden muss, sind die Einsatzkräfte der Ukraine darin schon ziemlich weit“, lobt der Militärexperte. (saka)

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